Kategorie-Archiv: Dressurreiten

Eine Reiterin mit Rädchensporen und Gerte

Hau sie welche, die Sau!

Waldini kennt ihr ja schon. Das ist der, für den die Welt meistens auf dem Kopf steht, weil ihn seine Besitzerin, die ich liebevoll auf den Namen Frau Rollkur getauft habe, genauso reitet. Bei ihrem garstigen Tun wird sie von ihrer Bereiterin unterstützt, die Waldini regelmäßig reitet, „um ihn weiter zu fördern“. Wobei auch sie Waldinis Nase nicht weiter runterziehen kann als bis zur Brust. Komischerweise treten die Hinterbeine dabei aber nicht weiter unter. Verrückt.

Nun hat Frau Rollkur aber mal gehört, dass auch und sogar Dressurpferde abwechslungsreich gymnastiziert werden sollen. Deshalb macht Waldini zwischendurch Gymnastikspringen. Nicht, was ihr denkt – Bocksprünge oder so, nein, ganz artig über Cavaletti. Und vielleicht mal ein kleines Kreuz, aber nicht höher als 50 cm. An der höchsten Stelle. Und ausnahmsweise ohne Schlaufzügel. Weil Frau Rollkur aber nicht so lebensmüde ist, solche Höhen selbst zu springen, darf Frau Bereiterin ran. Mit Helm, Weste, Gerte und Sporen bewaffnet, zerrt sie Waldini hinter sich her. Der Lutschi und ich verfolgen das Ganze aufmerksam, weil unsere Weide praktischerweise direkt neben dem Springplatz ist.

Frau Reitlehrerin hält nichts von Hilfszügeln

Gerade fragt mich das spanische Mähnenwunder, was denn der Waldini da in den Zügeln hätte. Wir beide kennen Hilfszügel ja nur von anderen, weil unsere one and only Frau Reitlehrerin nix davon hält. Bei ihr kommt es vor allem auf die Hinterhandaktivität und das abgekippte Becken an. Die Beizäumung kommt dann quasi von allein. Wer – außer Frau Rollkur und Frau Bereiterin – kommt denn auch auf die Schnapsidee, dass man die Hinterbeine mit dem Zügel oder dem Hilfszügel weiter unter den Pferdebauch ziehen kann, von wegen „untertreten“ und „Lastaufnahme“? Jetzt mal ehrlich, wie soll das denn gehen?

Nachtingall

Aber ich schweife ab. Der Lutschi guckt mich immer noch fragend an.
„Das ist ein Martingal“, belehre ich meinen sogenannten kleinen Bruder.
„Nachtingall“, spricht mir das iberische Blödchen folgsam nach.
„Nein, Martingal.“
„Nachtingall.“
Ich gebe auf.
„Und wozu ist das gut, das Nachtingall?“
„Es macht, das Waldini nicht mit dem Kopf schlagen kann. Zum Beispiel. Weil er den Kopf halt nicht höher nehmen kann als ihn das Martingal lässt.“
Der Lutschi staunt. Man sieht förmlich, wie beide Gehirnzellen fieberhaft arbeiten.
„Will er das denn, der Waldini?“
Das weiß ich gar nicht so genau. Eigentlich läuft Waldini immer eingerollt, weil er das durch die Rollkur-Schlaufzügel-Reiterei gar nicht mehr anders kennt, aber Frau Bereiterin will bei dem wilden Tier offensichtlich auf Nummer sicher gehen.

Hau sie welche, die Sau!

Wir gucken zu, wie Waldini folgsam über ein paar Sprünge hoppelt. Frau Bereiterin, von wildem Ehrgeiz getrieben, möchte gern, dass die Hindernisse erhöht werden. Frau Rollkur gehorcht beflissen und macht aus den Kreuzen Steilsprünge, bevor sie wieder auf ihren Stuhl in der Ecke plumpst.
Waldini, der sich bis dahin wacker geschlagen hat, stutzt einen Moment lang und bleibt stehen. Frau Bereiterin zürnt. Frau Rollkur auch. Die Bereiterin haut ihm die Sporen rein. Aua. Waldini will aber immer noch nicht so recht und beäugt die Hindernisse misstrauisch.
„Hau sie welche, die Sau!“, ereifert sich Frau Rollkur. „Die stellt sich nur an. Die Sau, die faule!“
Die Sau oder vielmehr der Waldini kriegt wunschgemäß eine Tracht Prügel, die sich gewaschen hat. Ob ihm das beim Springen hilft, ist mir aber nicht so ganz klargeworden. Frau Rollkur muss sich auf jeden Fall von ihrem Sitzmöbel erheben, um die Sprünge wiederherzurichten und die gefallenen Stangen einzuhängen.

Der Horsemänschipp-Trainer

„Na warte!“, droht Frau Rollkur. Sie hat nämlich noch ein As im Ärmel: den Horsemänschipp-Trainer. Der soll den sturen Gaul auf Kurs bringen, und zwar zack-zack. Eigentlich war er nur fürs Verladetraining gebucht, weil sich Waldini komischerweise gar nicht mehr verladen lässt. „Und früher ist er immer fast von selbst eingestiegen. Hat wohl keine Lust aufs Turnier, der undankbare teure Mistklepper“, erzählt Frau Rollkur gerade. „Aber wenn der Cowboy morgen schon mal da ist, kann er sich auch gleich um Waldinis allgemeine Frackigkeit kümmern.“
Wenn sie beim Horsemänschipp-Trainer ein genauso glückliches Händchen hat wie bei der Wahl ihrer Bereiterin, gibt’s wahrscheinlich Haue mit der Schippe. Oder mit dem Karottenstock, der aber gar nicht nach Karotte schmeckt.

Da lob ich mir doch Frau Reitlehrerin, die sogar unserer für gewöhnlich beratungsresistenten Besitzerin die Feinheiten der Bodenarbeit beibringen konnte 😉

Hier gibts Tipps, worauf man bei der Suche nach dem richtigen Trainer achten sollte:
Einen guten Reitlehrer finden
Und für Schulpferdereiter:
Das Schulpferd: Nur ein Pferd zweiter Klasse?
Und noch was zu Reitschulen allgemein:
Mein Verhältnis zu Reitschulen

Turnier

Valegros Schwippschwager

Bei uns im Stall ist ein neues Pferd. Waldini heisst er und ist ein Turnierpferd. Das sagt jedenfalls seine Besitzerin. Ihren Namen kann ich mir nicht merken, weshalb ich sie der Einfachheit halber Frau Rollkur nenne. Waldini ist immer in seiner Box, seit er einmal auf der Weide einen Freudenausbruch hatte und beim Bocken aus Versehen ein Hufeisen verlor. Frau Rollkur war nämlich gar nicht darüber erfreut, dass der Schmied nicht sofort und auf der Stelle Zeit für sie hatte (in dem Punkt ähnelt sie der Frau. Die nimmt auch immer alles persönlich.).
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Der Lutschi lächelt in die Kamera

Slow Riding

Slow Food kennt ihr, oder? Halt das Gegenteil von Fast Food. Aber kennt ihr auch Slow Riding? Nein? Dachte ich mir. Das ist nämlich eine Erfindung der Frau, die mit der Behauptung, der Lutschi wäre nicht langsam, sondern versammelt, nicht durchgekommen ist. Der Lutschi, der eigentlich Lucero heißt und unser spanisches Mähnenwunder ist, wird so genannt, weil er seine Umgebung vornehmlich mit dem Maul erkundet – er isst alles, was er findet, und was er nicht essen kann, wird zumindest angeknabbert, die Frau eingeschlossen. Sie ärgert sich dann zwar immer, aber wenn er sie mit seinem grenzdebilen Dackelblick anschmachtet, ist alles vergeben und vergessen.
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Die Hände einer Reiterin. Nicht ideal getragen.

Die Frau hat Daumen (und möglicherweise Finger)

So eine Reitstunde steckt voller Überraschungen. Bei uns ist das jedenfalls so, und manchmal kommt die Frau aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Neulich zum Beispiel hat Frau Reitlehrerin erklärt, wie man die Zügel hält. Fand die Frau total uninteressant, die will ja Hohe Schule reiten und kann sich nicht um jeden Kleinkram kümmern. Weiterlesen

Hände, die Zügel halten. Außerdem im Bild: eine Schabracke in Pink.

Die Frau hat Hände – und irgendwie hängen die Schultern auch mit dran

Entgegen aller Wahrscheinlichkeit hat die Frau die Hoffnung auf Piaffe und Passage noch nicht aufgegeben. Neulich im Reitunterricht, als es grad mal wieder nicht so lief, wie sie das wollte (das passiert ja eigentlich dauernd, aber sie kann sich einfach nicht daran gewöhnen), fragte sie Frau Reitlehrerin mit ihrem schönsten Dackelblick, wann es denn endlich an die höheren Lektionen ginge. Das mit dem feinen Reiten hätte sie ja schon ganz gut drauf, da könnte man doch wirklich mal an die Piaffe denken. Sie würde schon so lange reiten, da wäre die doch mittlerweile fällig.

Außerdem ist sie natürlich neidisch auf den Mann, der noch nicht so lange reitet wie sie und schon Traversalen kann. Sie würde das aber nie zugeben 😉

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Die Frau sitzt krumm und schief und mit verspannten Schultern auf dem Pferd.

Die Frau hat Schultern und andere Gelenke

Neulich im Reitunterricht hat Frau Reitlehrerin so locker und nebenbei, wie das ihre Art ist, zur Frau gesagt, sie sollte doch mal ihre Schultern lockern. Die Frau, pampig diskussionsfreudig bis zur Schmerzgrenze, wie das ihre Art ist: „Wieso? Die sind locker.“
„Nee, sind sie nicht. Du bist fest im Schultergürtel.“
„Gar nicht.“
„Doch. Und deshalb bist du auch nicht locker genug in den Armen und störst den Pfridolin im Maul.“
„Das ist nur, weil der so unbequem ist. Und auch gar nicht durchlässig“, fiel der Frau die rettende Ausrede ein.

Frau Reitlehrerin lässt sich durch sowas aber gar nicht irritieren, sondern weist darauf hin, dass ich mich möglicherweise gerade deshalb festmache. Feinste Impulse durchlassen, wenn man so grobmotorisch mit dem Zügel belästigt wird – no way! Dazu ist das Ganze denn doch zu unangenehm. Aber Frau Reitlehrerin hat eine Lösung: Die Frau soll doch bitte mal die Schultern kreisen lassen.

Will sie natürlich nicht. Mit der fadenscheinigen Begründung, sie wollte sich doch nicht komplett zum Affen machen. Dann hätte sie wohl besser nicht mit dem Reiten anfangen sollen, oder? 😉 Frau Reitlehrerin und ich warten.
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Ein attraktives dunkelbraunes Pferd im Profil

Hand ohne Beine, Beine ohne Hand

Das sagt Frau Reitlehrerin immer zur Frau, wenn die gleichzeitig am Zügel zieht und treibt. Das sagte aber auch schon François Baucher. Den Herrn Baucher kennt vielleicht nicht jeder, die Frau aber schon. Oder etwa nicht? Die Frau ist meine Besitzerin, die eigentlich Piaffe und Passage reiten will, aber mit schöner Regelmäßigkeit schon an den Basics scheitert. Im Moment versucht Frau Reitlehrerin ihr zu erklären, dass es nicht funktioniert, wenn man gleichzeitig Gas gibt und bremst.

Die Frau meint, das hätte sie immer schon so gemacht. Man müsste doch das Pferd durch das Gebiss hindurchtreiben. Gegenhalten wäre dabei wichtig, aber das wüsste Frau Reitlehrerin ja schließlich selbst.

Ich bin ja hier nur das Pferd, aber ich finde, das hört sich komisch an. Oder? Es macht eigentlich auch keinen Spaß, wenn man dauernd vorwärts gescheucht wird und einem die Frau gleichzeitig mit ihrer kleinen Eisenfaust im Gebiss hängt. Außerdem finde ich es sehr mutig, sich gleich zu Beginn der Reitstunde mit Frau Reitlehrerin anzulegen. Aber umso besser für mich, denn wenn Frau Reitlehrerin was erklärt, darf ich rumstehen und Pause machen.

Was Frau Reitlehrerin erklärt und wer denn nun der Herr Baucher ist, findest du hier bei der Pferdeflüsterei. Für die hab ich nämlich einen Gastbeitrag geschrieben.
Wie so’n Popstar :)

Der Mann auf Faxe. Beide gucken entspannt.

Traversälchen

Die Frau fragt den Mann ja nicht mehr, was er im Reitunterricht so alles macht. Zu groß war die Schmach, als sie beim letzten Mal herausgefunden hat, dass er Renvers und dergleichen reitet, ohne überhaupt zu ahnen, was das für eine Kunst ist und wie lang die Frau schon versucht, ähnlich vorzeigbare Seitengänge zustande zu bringen und wie glühend sie ihn darum beneidet.

Nein, fragen tut sie nicht mehr. Zugucken beim Unterricht auch nicht. Die Blöße gibt sie sie sich nicht. Das wäre ja auch peinlich, wenn man einerseits so cool tut und sich dann beim Hinterherspionieren erwischen lässt. Aber die Neugier bringt sie um. Alle machen geheimnisvolle Andeutungen darüber, wie toll der Mann doch reiten würde und was er in der kurzen Zeit schon alles gelernt hätte, sogar Frau Reitlehrerin.

Das sähe richtig gut aus, freut die sich.

Die Frau macht ein ganz spitzes Mündchen. So?

Ob denn die Frau bei der letzten Reitstunde zugeguckt hätte, fragt Frau Reitlehrerin. Nicht? Der Mann wäre ein echtes Naturtalent. Sooo ein langes Bein! Und wie locker er sitzen würde.

Die Frau guckt sparsam.

Ja, macht Frau Reitlehrerin weiter. Und die Seitengänge erst! Er würde zwar immer Schulterherein mit Travers verwechseln, aber das, was er sich vorstellen würde, könnte er sehr korrekt reiten. Jetzt wäre man sogar schon bei den Traversälchen angekommen.

Traversälchen? fragt die Frau entgeistert.

Jaja, Traversälchen. Der Mann würde das so locker und spielerisch reiten, das wäre wirklich hübsch anzuschauen.

Und das aus dem Mund der überaus kritischen Frau Reitlehrerin, die für gewöhnlich mit gar nix zufrieden ist, was die Frau reitet. Die Frau holt empört Luft.

Frau Reitlehrerin redet unbeirrt weiter: Und Faxe erst! Wer hätte gedacht, dass aus Faxe mal ein Dressur-Tinker würde! Zuerst hätte sie sich ja schon gefreut, als sich das Energiesparpony überhaupt erstmal wie ein Reitpferd bewegt hätte, und jetzt wäre er sogar ein richtiger Dressur-Tinker.

An dieser Stelle des Gesprächs bekommt Faxe, der gemeinsam mit mir das Gespräch belauscht, einen eigenartigen Gesichtsausdruck. Ich auch. Mein bester Kumpel mutiert zur Ballett-Elfe! Ehrlich gesagt fand ich Faxes Benehmen in letzter Zeit schon ziemlich streberhaft, aber andererseits macht es auch Spaß, mit dem Mann unterwegs zu sein. Ich weiß das, denn er begleitet mich ins Gelände, wenn die Frau mal wieder die Hosen voll hat, also oft, und unsere Ausritte sind legendär 😉 Aber trotzdem. Ich hätte nie damit gerechnet, dass mein flauschiger Freund mal ein Traversalenturner wird. Wo doch jeder weiß, wie anstrengend das ist!

Die Frau hat sicher auch nicht gedacht, dass aus Faxe mal ein Dressurcrack wird, denn sonst hätte sie sich das viele Geld für den Lutschi sparen können und einfach Faxe mitreiten können, der ja jetzt anscheinend ganz nebenbei vom Mann ausgebildet wird. Das ist übrigens derselbe Mann, der eigentlich nur ausreiten wollte, bis er auf mysteriöse Weise Gefallen am Dressurreiten gefunden hat. Er selbst meinte mal zur Frau, das wäre wie beim Autofahren – mit Servolenkung würde es einfach mehr Spaß machen.

Aber nicht nur Faxe guckt komisch, wenn Frau Reitlehrerin über die Reitstunden mit dem Mann spricht. Auch die Frau kriegt so ein merkwürdiges Zucken, und bei ihr liegt es ganz sicher nicht an den Fliegen.

Traversälchen, fragt sie noch mal. Nur um sicherzugehen, dass sie sich nicht verhört hat.

Wahrscheinlich erinnert sie sich gerade an das letzte Mal, als sie sowas versucht hat und mich übereilt und mit krumm gezogenem Hals quer über den Reitplatz getriezt hat. Das war übrigens die Reitstunde, in der Frau Reitlehrerin ihr erklärt hat, dass die äußere Hüfte keineswegs dadurch nach hinten – unten kommt, indem man das innere Bein steif nach vorne wegstreckt 😉

Jaja, Traversälchen. Und dabei reitet er noch gar nicht lange, fügt Frau Reitlehrerin versonnen hinzu. Vielleicht bildet er dir ja den Lutschi aus, wenn du ihn lieb fragst.

Und das war der Punkt, an dem die Frau mal wieder darüber nachgedacht hat, ob Minigolf nicht doch eine Alternative zum Reiten sein könnte. Ich wusste übrigens gar nicht, dass Frau Reitlehrerin so einen großartigen Sinn für Humor hat :)

Ein schwarzes Pferd mit offenem Maul. Es sieht aus, als würde es lachen.

Die Frau macht Hula-Hoop

Die Frau ist ja eher so’n Steifftier. Damit sie wenigstens ein klein bisschen Gefühl für ihre Kehrseite bekommt (und besser damit denken lernt), macht Frau Reitlehrerin mit ihr Sitzübungen. Ich bin wie immer unersetzlich und muss sie dabei rumschleppen, weil der Lutschi noch zu unreif für so wichtige Aufgaben ist.

Als erstes kommt die Zifferblattübung. Sie soll sich vorstellen, sie würde mitten auf einem Zifferblatt sitzen und soll dann das Becken auf die 12 kippen oder auf die 3 oder die 6. Manchmal wird auch gekreist, immer ringsum. In der Zeit hab ich frei und kann an Stuti denken. Das ist also ziemlich ok.

Natürlich hat die Frau hieran was zu meckern. Wie könnte es auch anders sein ^^. Ihre Beschwerden zielen hauptsächlich darauf ab, dass sie mir meine Freizeit mißgönnt und denkt, die Bewegungsanteile wären ungleich verteilt. Außerdem meint sie (völlig zu Recht), sie sähe blöd aus, wenn sie die Hüften so schwingt. Zitat: Wie eine Samba-Tänzerin mit Bauchschmerzen. Da muss sogar Frau Reitlehrerin lachen. Das hilft der Frau aber nicht, sie muss weiter Tschakka-Lakka mit dem dicken Hintern machen ihr Becken mobilisieren.

Die Frau findet das doof und will mit Frau Reitlehrerin diskutieren. Das tut sie ja oft, wenn irgendwas nicht klappt – also eigentlich ständig. Wozu das denn überhaupt gut wäre. Sie würde reiten wollen und sich nicht hüftenschwingend lächerlich machen. Piaffe, Passage und solche Dinge. Oder Garrocha!

Frau Reitlehrerin erklärt zum fünfundachtzigtausendsten Mal – aber immer noch sehr geduldig, wie ich finde –, dass richtiges Reiten halt nur aus einem korrekten Sitz heraus funktionieren würde. Der Sitz wäre die Basis für alles andere. Die Frau nörgelt, das würde sich aber ganz schön ziehen. Sie würde bestimmt schon seit einem Jahr ganz viel auf mir rumturnen, wann denn nun endlich der korrekte Sitz da wäre? Das wäre ein Dauerprojekt, erwidert Frau Reitlehrerin. Am Sitz müsste man immer arbeiten. Auch die Profis? fragt die Frau bang. Auch die Profis, nickt Frau Reitlehrerin.

Seufzend fügt sich die Frau ins Unvermeidliche und fragt, ob sie denn außer Reiten noch etwas tun könnte, um lockerer zu werden. Klar, meint Frau Reitlehrerin. Wie wäre es denn mit Hula Hoop? Die Frau kichert, Hula Hoop hätte sie als Kind viel gemacht. Das wär ja total einfach! Na dann, lächelt Frau Reitlehrerin und stellt reiterliche Erfolge in Aussicht. Die Frau hat Blut geleckt und kauft sich bei nächster Gelegenheit so ein Gerät.

In der nächsten Reitstunde hat sie sich dann darüber beschwert, dass die heutigen Hula-Hoop-Reifen alle nix taugen würden. Die würden ja dauernd runterfallen. Der Plan wäre eigentlich gewesen, den Reifen gefühlte Ewigkeiten um ihre biegsamen Hüften tanzen zu lassen und nicht, sich dauernd zu bücken. Unverschämtheit, sowas.

Frau Reitlehrerin sagt dazu erstmal nix und wartet ab, ob die Frau vielleicht auch alleine darauf kommt, dass sie als Kind lockerer war als heute, wo sie ein mittelalterliches Steifftier ist. Und ich freu mich schon darauf, dass sie das quietschbunte Ding demnächst in den Stall mitbringt und mit dem Lutschi Halsringreiten macht. Für was anderes würde es ja nach ihrer Ansicht nicht taugen. Ich habe glücklicherweise einen eigenen Halsring, und zwar in dezenter Farbgebung, aber zum Lutschi passt der pinke Plastikreifen perfekt.
Barbie-Pony 😉

Die Frau und ich in der Reithalle. Sie sitzt auf mir drauf. An der Wand ein schöner Lichteffekt.

Die Sache mit dem Fokus

Die Frau und Konzentration, das ist eine von diesen unmöglichen Wortkombinationen. So wie Faxe und hektisch oder Else und schlank sanftmütig. Die Frau denkt an so viele Sachen gleichzeitig, dass ihr dabei immer irgendwas aus dem Kopf herausfällt. Wahrscheinlich kullert es seitlich aus den Ohren heraus. Blöd, wenn die Ohren so ne unpraktische Form haben und so tief am Kopf rumhängen.

Angeblich sind Frauen ja multitaskingfähig, so wie wir Pferde. Sie können also theoretisch gleichzeitig essen und atmen und nebenbei noch ihre Sozialkontakte organisieren. Die Frau hat sogar mal behauptet, sie wäre zusätzlich noch in der Lage, zu lesen und irgendwas im Internet zu machen. Wobei das wahrscheinlich gelogen stark übertrieben ist. So, wie ich sie kenne, ist sie froh, wenn sie das richtige Pferd in die richtige Box gestellt und nicht allzu viele Zubehörteile (Trensen, Hufkratzer, Reitgerten) in der Landschaft verstreut hat. Sprechen tut sie dabei auch. Viel. Und verpeilt hin- und herlaufen. Da will man die Latte in Sachen „sonstige Denkaktivität“ ja nicht zu hoch hängen 😉

Natürlich ist beim Reiten in ihrem Kopf ein genauso großes Durcheinander. Zum Beispiel beim Rückwärtsrichten. Es fängt damit an, dass ich irgendwo rumstehe und sie sich in den Kopf setzt, mich jetzt sofort rückwärtsgehen zu lassen. Sie fängt also an, an den Zügeln zu rupfen, weil sie sich gemerkt hat: „Rückwärts, nicht vorwärts! Da muss man doch sicher was mit der Hand machen!“ Zweiter Gedanke, etwas später: „Verdammt, ich hab die einleitende halbe Parade vergessen. Also schnell groß machen und doll einatmen.“
Folgende Gedanken kommen außerdem, ungefähr gleichzeitig:
– Ach ja, rückwärts muss man reiten. Also vorsichtshalber doch mal treiben und nicht nur am Zügel ziehen.
– Ich muss irgendwie locker bleiben. Wenn ich mich entspanne, seh ich aber dick aus.
– Flüssiges rückwärts ist was anderes. Gleich meckert Frau Reitlehrerin wieder. Ich treib mal doller.
– Hab ich eigentlich mein Auto abgeschlossen?
– Mist, schief. Wie krieg ich das denn korrigiert? Ich nehm halt mal die Gerte dazu.
– Muss ich nicht auch irgendwas mit meinem Sitz machen?
– Mit dem Lutschi geht das bestimmt einfacher, der ist nicht so eigensinnig.
– Frau Reitlehrerin guckt so komisch. Was hat sie nur?
– Hab ich einen Hunger. Was es wohl gleich zu essen gibt?
– Könnte der Pfridolin wohl mal ENDLICH einen schönen diagonalen Tritt machen? Nur einen?
– Boah, ist das heiß/kalt/hell/dunkel hier.
– UND dabei leicht im Genick bleiben?
– Ich hätte so gern braune Reitstiefel.
– Der will mich doch ärgern, oder? Der weiß doch genau, was er tun soll.
– Aus ganz weichem Leder.

Gewöhnlich hört es auf mit „Oje, das gibt Mecker von Frau Reitlehrerin.“ Und zwar zu Recht. Frau Reitlehrerin hat für gewöhnlich einiges zum Rückwärtsrichten der Frau anzumerken, und das wenigste davon gefällt ihr 😉

Meistens will sie zurückdiskutieren, aber dann ist ihr einmal etwas passiert, was sie sehr nachdenklich gemacht hat. Sie hat aus Versehen ein wirklich tolles, flüssiges Rückwärtrichten am durchhängenden Zügel zustande gebracht. Also eigentlich hab ich das ja gemacht, aber sie hat tatsächlich zum ersten Mal in ihrem Leben mitgeholfen.

Ein flüssiges, fleißiges Rückwärts, mit diagonalen Tritten und meinem Genick als dem höchsten Punkt. Und ganz ohne Handeinwirkung, komplett aus dem Sitz heraus. Und warum? Weil sie in dem Moment mit dem Hintern gedacht hat. Sie hat sich genau vorgestellt und irgendwie auch gefühlt, was passieren soll, und zack, hatte sie ein perfektes Rückwärts. Sie war sehr erstaunt. Ich auch.

Frau Reitlehrerin und ich warten jetzt darauf, dass sich so ein Moment wiederholt 😉