Ein Porträt von Pfridolin Pferd

In den Klauen der Liebe

Ihr kennt mich. Ich bin ein attraktiver, selbstbewusster Fast-Hengst, dessen einziger Fehler seine Bescheidenheit ist. Einer, auf den die Welt nur gewartet hat. Ein Kerl. Mit einem Wort: Männlich. Draufgängerisch. Cool. Mit anderen Worten: Ich jammere nicht. Niemals.

Selbst dann nicht, wenn mir die Frau (wie das so ihre Art ist) einen katastrophalen Mähnenhaarschnitt nach dem anderen verpasst. Oder ich (wie so oft) eine pinke Schabracke mit farblich abgestimmtem Fliegenhäubchen tragen muss. Und das im Winter! Wenn ich also Dinge erdulden muss, an denen schwächere Charaktere ihre Grenzen finden und seelisch zusammenbrechen. Bei solchen Anlässen sollen sogar schon Tränen geflossen sein. Aber wird man von mir ein Wort des Jammers oder der Klage hören? Niemals. Ein leises Wort der Kritik, vielleicht noch ein Stirnrunzeln oder leicht angelegte Ohren als äußerste Gefühlsregung, das ist alles. Chuck Norris und ich, wir haben viel gemeinsam.

Umso unverständlicher also – zumindest für den Uneingeweihten – , dass man mich in letzter Zeit in Pferdekreisen schief anguckt. Man tuschelt. Man steckt die Köpfe zusammen. Hier und da ein besorgter Blick. Sogar mein alter Freund Faxe lässt sich zu einem Seufzen hinreißen. Langer Rede kurzer Sinn: Euer Held steckt in Schwierigkeiten. Ich will nicht sagen, dass es eine emotionale Katastrophe ist, denn das würde es nicht treffen. In Wirklichkeit ist es viel, viel schlimmer.

Ihr erinnert euch doch an Else, meine On-Off-Beziehung aus der Nachbarbox. Die mit der umfangreichen Figur und den vielen Zähnen. Die so humorlos ist und dabei verdammt schnell laufen kann. Und mich wegen des doofen Konrads verlassen hat. An den müsst ihr euch nicht erinnern. Das ist ein Sportpferd mit dicken Muskeln und strunzdumm mir – wie so viele andere – intellektuell haushoch unterlegen. Abgesehen davon ist er eingebildet und langweilig. Danach passierte noch das ein oder andere, das ihr im Blog oder im Buch nachlesen müsst, wenn ihr es nicht mehr genau wisst. Tja, und zuguterletzt kam mir dann noch mein doofer kleiner Bruder in die Quere, der mir gewohnheitsmäßig auf den Nerven herumtrampelt.

Aber zurück zu Else. Was ich mir in meinem jugendlichen Leichtsinn gewünscht hatte, ist eingetreten. Else hat ihr Herz für mich wiederentdeckt!

Ich hatte oft davon geträumt, aber die Ausschließlichkeit, mit der sie sich jetzt um mich kümmert, ist doch einigermaßen befremdlich beängstigend ziemlich furchterregend. Meine große, dicke Freundin Else ist nämlich ganz schön besitzergreifend. Und wenn ich sage besitzergreifend, dann meine ich das auch so. Wenn Else mir zubrummelt: „Na, du süßer kleiner Kerl“, fühle ich mich wie ein besonders appetitliches Pferdeleckerli, das drauf und dran ist, verschlungen zu werden. Und zwar ohne zu kauen. Ich darf noch nicht mal mehr allein fressen, ohne dass Else vorher kontrolliert, ob das Heu „auch das richtige für meinen kleinen Schnuckel“ ist. Sie müsste gut auf mich aufpassen, denn sie hätte viel mit mir vor, sagt sie. Wenn ich sowas höre, läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Ich bin jetzt schon ein Schatten meiner selbst. Wohin soll das nur führen? Natürlich habe ich auch Internetverbot, damit ich Else uneingeschränkt zur Verfügung stehen und ihr jeden Wunsch von den Augen ablesen kann. Gerade hat sie einen Termin beim Hufschmied, so dass ich mich wegschleichen und euch schreiben kann. Ich muss mich aber beeilen, weil sie bestimmt gleich wiederkommt und mir ihre neuen Schuhe vorführen will.

Falls ihr mich also vermisst und euch Sorgen um mich gemacht habt: Zu Recht. Ich stecke ernstlich in der Klemme. Mir tun schon die Zähne weh vom dauernden Fellchenkraulen, und meine Oberlippe spüre ich überhaupt nicht mehr. Der Lutschi schmeißt sich heimlich an Stuti ran, die ihn anscheinend in einer stillen Stunde aufgeklärt hat. Von mir weiß er jedenfalls nicht, wo die kleinen Pferde herkommen. Ich bin doch nicht verrückt und plaudere mein Geheimwissen aus!

Mein sogenannter kleiner Bruder ist also in der Pubertät oder so ähnlich und spannt mir die anderen Mädchen aus und ich bin zur Monogamie verdammt. Noch nicht mal mein mißlungener Haarschnitt schreckt Else ab. Früher hat sie darüber gelacht, aber jetzt hängt sie an mir wie meine schiefe Fransenmähne. Und dann das Internetverbot! Auf Facebook darf ich nicht, bloggen erst recht nicht und meinen Twitteraccount will sie löschen. Das darf sie doch nicht, oder? Wo ist eigentlich der Tierschutzverein, wenn man ihn mal braucht?

Ihr seht, es ist dramatisch. Ich werde versuchen, mich öfters aus Elses liebestoller Überwachung fortzuschleichen und euch heimlich zu schreiben, aber einfach wird das nicht. Denkt an mich und drückt mir die Hufe!

18 Gedanken zu „In den Klauen der Liebe

  1. Pfefferoni

    Oh Pfridolin … wie schön von dir zu hören. Da hat Else dich aber ordentlich in der Mangel. Wir haben uns schon alle Sorgen um dich gemacht.

    Ob Else gern Schönheitsschlaf macht? Vielleicht wäre das eine Möglichkeit häufiger ans Internet zu kommen?

    Liebe Grüße vom Ex-Hengst und seiner Reiterin

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  2. Shiva Wuschelmädchen

    Armer armer Pfridolin!
    Wie soll das nur weitergehen mit euch beiden? Vielleicht sagst du Else mal vorsichtig, dass du nicht ganz so viel Nähe benötigst, sondern lieber mal mit Faxe gemeinsam grasen und denken möchtest und dem Lutschi die Meinung geigen. Ich drück dir die Pfoten, dass du das hinkriegst.

    Flauschige Umpfötelung

    Shiva Wuschelmädchen

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    1. pfridolin Artikelautor

      Liebe Shiva,

      ich bin auch schon sehr besorgt. Aber vielen Dank fürs Pfotendrücken. Ich brauche bestimmt bald Zusatzfutter, weil ich emotional total ausgelaugt bin. Hoffentlich merkt die Frau das rechtzeitig!!!

      Dein hungriger Pfridolin

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  3. TerrorCatGang

    Pfrido? Bist du es wirklich?
    Wir sind über alle Maßen erleichtert, dass du nur in den Klauen der Liebe hängst und nicht als Sauerbraten zwischen den Zähnen irgendwelcher Barbaren!

    Ernsthaft, wir haben schon Wetten abgeschlossen, ob du als rheinische oder als westfälische Version verarbeitet wurdest. Der Rudi legt im Übrigen großen Wert auf die feinen, aber entscheidenden Unterschiede in den Rezepten und will, dass ich explizit darauf hinweise.

    Aber gut, dann hat eben keiner von uns die Wette gewonnen. Eigentlich sind wir froh, dass unser Lieblingsgaul weiter in den Sonnenuntergang galoppieren kann – ob mit oder ohne Else.

    Deine Kumpels Matze und Rudi

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    1. pfridolin Artikelautor

      Lieber Matze, lieber Rudi,

      noch bin ich es, aber wenn Else so weitermacht, kann ich für nichts garantieren. Ich glaube, sie will nur meinen Körper.

      So wie ihr eigentlich, aber ohne Rosinen.

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  4. Soudi

    Pfridolin! Da bist Du ja! Ich hab mir wirklich schon Sorgen um Dich gemacht. Es konnte nur ein Unglück oder eine Frau dahinter stecken, dass Du plötzlich vom Erdboden verschwunden warst! Und manchmal liegt das ja nah beieinander. Ich weiß genau wie Du Dich fühlst. Ich habe hier auch so eine besitzergreifende Dame in meiner Herde und weiß manchmal gar nicht wohin ich vor ihren Avancen noch fliehen soll.
    Für eine kleine Pause kann ich Dir nur raten möglichst kooperativ mit der Frau zu sein. Wenn Du Glück hast, dann unternimmt sie dann nämlich mehr mit Dir und Du hast eine Weile Ruhe vor Else. Du könntest ihr ja sogar vorschlagen auf einen Kurs oder Wanderritt oder so zu gehen, dann bist Du ein paar Tage weg – aber vorsicht, das kann auch ganz schön anstrengend sein.
    Wenn gar nichts hilft: Bei uns in der Nähe gibt es eine Herde Wildpferde. Nur Jungs soweit ich weiß. Wir könnten ausreißen und uns ihnen anschließen.
    Halt die Ohren steif und meld Dich, wenn Du Dich an den Computer schleichen kannst!
    Liebe Grüße, Massoud

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    1. pfridolin Artikelautor

      Lieber Massoud,

      schwierige Entscheidung. Nett zur Frau sein = mehr Schlepperei, aber tendenziell wenig Ausritte, weil sie sich dabei gruselt. Wildpferdeherde mit nur Jungs = cool, aber halt keine Mädels.

      Bekommen Wildpferde eigentlich regelmäßig Möhren und Leckerlis? *nurmalsofrag*

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  5. Geli

    Liebster Pfridolin,

    gut, dass es nur die Liebe ist, die Dich vom PC fern hielt. Ich hatte mir wirklich schon ernsthafte Sorgen gemacht, da Du auch auf FB nicht antwortest.

    Viele liebe Grüße und viel Glück beim erfinden von Ausreden für Else

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    1. pfridolin Artikelautor

      Liebste Geli,

      ich bin auch sehr froh, dass ich mich heute an den PC schleichen konnte. Gottseidank bekommt Else ja dauernd neue Schuhe, da kann ich mich bestimmt öfters bei dir melden.

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    1. pfridolin Artikelautor

      Liebe Petra,

      ich verzeihe dir deinen Übermut, aber ich glaube, du kennst Else nicht. Und wenn du schlau bist, willst du sie auch nie kennenlernen 😛

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  6. Irene

    Lieber Pfridolin!

    Ich bin so froh von dir zu hören. Vielleicht kannst du die Frau mal zu einem Ausflug in unseren Stall überreden. Es gibt hier nette Fasthengste und süße Stuties , die dich gerne kennen lernen würden.
    So hättest du mal Zeit zum Durchatmen.

    Lass dich nicht unterkriegen.

    Liebe Grüße Irene

    Antworten
    1. pfridolin Artikelautor

      Liebe Irene,

      eine gute Idee! Ich muss nur noch die Frau daran erinnern, dass sie keine Angst mehr vor dem Ausreiten hat 😉

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  7. Louise

    Lieber Pfridolin
    Ich bin soooooo froh mal wieder von dir zu hören. Ich weiß das manche Stuten sehr Besitzergreifend sein können . Meine Frau kommt nämlich manchmal auf die Idee mich auf eine Stutenweide zu stellen Ich meine die Idee ist cool aber die Stuten dort? Das ist echt hofnungslos schmeißen sich an jeden netten Hengst (oder fast Hengst ) ran aber wollen nicht das er nur einen cm von Ihnen weicht ! Da stehe ich echt lieber auf einen Padock mit meinem Cousin Pepe und meinen Kumpels Victor Charly , Kill und Elfie ( Glückselfe) !!! Vieleicht versucht du es mal mit :
    ,, Ich möchte eine Überaschung für dich vorbereiten “ oder
    ,, Wie wäre es , soll ich nen schönen Platz für uns suchen ? “
    Aber Vorsicht das zieht nur einmal !!!
    Ich bin eine Stute und fals du dich wunderst das ich so aufgecklärt bin ich wohne mit 4 (fast )Hengsten zusammen
    Dein großer Fan Amelie

    Antworten
    1. pfridolin Artikelautor

      Liebe Amelie,
      vielen Dank für deine Tipps!
      Du bist ganz anders als Else und das gefällt mir gut ❤️ Magst du Fast-Hengste mit außergewöhnlicher Frisur?
      Ganz liebe Grüße
      dein Pfridolin

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  8. Katharina

    Lieber Pfridolin
    Klar mag ich Fast_Hengste mit schräger Frisur !!!!!
    Ich habe ja selber eine, meine Frau wird nämlich auch nie Frisörin 😉
    Deine Amelie

    Antworten

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