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Der Lutschi lächelt in die Kamera

Slow Riding

Slow Food kennt ihr, oder? Halt das Gegenteil von Fast Food. Aber kennt ihr auch Slow Riding? Nein? Dachte ich mir. Das ist nämlich eine Erfindung der Frau, die mit der Behauptung, der Lutschi wäre nicht langsam, sondern versammelt, nicht durchgekommen ist. Der Lutschi, der eigentlich Lucero heißt und unser spanisches Mähnenwunder ist, wird so genannt, weil er seine Umgebung vornehmlich mit dem Maul erkundet – er isst alles, was er findet, und was er nicht essen kann, wird zumindest angeknabbert, die Frau eingeschlossen. Sie ärgert sich dann zwar immer, aber wenn er sie mit seinem grenzdebilen Dackelblick anschmachtet, ist alles vergeben und vergessen.
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Faxe beim Ausritt

Die Frau entdeckt die dritte Gangart

Die Frau reitet ja neuerdings regelmäßig aus. Eigentlich nur, weil sie im Stall damit angeben will, wie cool und mutig sie ist. Und weil sie es nicht erträgt, dass der Mann sich beim Dressurreiten so wacker schlägt und ihr jetzt auch noch im Gelände Konkurrenz macht.

Als das mit den Traversalen anfing, hat sie beschlossen, sich das nicht gefallen zu lassen und sich stattdessen wie eine Nacktschnecke an Frau Reitlehrerin geheftet, sobald die Anstalten machte, den Hof zu Pferd zu verlassen. Sie hat sie sogar dazu genötigt, sich Faxe auszuleihen, weil sich die Frau sicherer fühlt, wenn Faxe dabei ist. Verrückt. Als ob ich keine vertrauenswürdige Ausstrahlung hätte! Wenn es hart auf hart kommt, wird so ein verschnarchter Tinker als Erster von den Nordic Walkern oder vom Bus gefressen, während ich die Frau im wilden Zickzackgalopp sicher zum rettenden Reitstall zurückbringe. Aber mich fragt ja keiner.
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Eine Gruppe Reiter bei einem Ausritt

Die Frau singt und trabt

Unsere Ausritte haben sich verändert. Das ist gut, weil wir jetzt öfter rausgehen. Es ist aber auch schlecht, weil Frau Reitlehrerin letztens die tolle Idee hatte, die Frau in unheimlichen Situationen singen zu lassen. Singen wäre nämlich total gut für die Atmung und die Entspannung und vor allem super gegen Angst. Leider hat sie dabei übersehen, dass die Frau zwar laut und gern, aber auch furchtbar falsch singt. Und sich außerdem keine Texte merken kann.

Unheimliche Situationen sind übrigens alle, in denen sich irgendwas bewegt oder komisch anhört.

Mit anderen Worten: Die Frau singt dauernd, und zwar ausgerechnet „Trippel, trappel, Pony“. Wer es nicht kennt, kann sich die nervenzerfetzende Melodie hier anhören. Im Text kommt sie allerdings nie weiter als „Trippel, trappel, trippel, trappel, Pony!“ Da kann das Zuhören auf die Dauer schon anstrengend werden. Glücklicherweise hört sie zwischendurch auch mal auf zu singen, und zwar immer dann, wenn ich trabe. Dann quietscht sie.
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Ein schwarzes Pferd mit offenem Maul. Es sieht aus, als würde es lachen.

Ausritt mit Tinker

Letztens war es wieder soweit – der Regen hatte eine längere Pause eingelegt und die Sonne schien so warm, dass der Frau doch glatt die Argumente ausgingen, weshalb sie angeblich gerade nicht ausreiten könnte. Sie ist ja weder nervenstark noch wetterfest, obwohl sie gern das Gegenteil behauptet. Typischerweise laufen diese Gespräche so ab:
Befreundete Reiterin: „Sollen wir ausreiten?“
„Würd ich total gern, aber dahinten sieht‘s nach Regen aus.“
„Das ist ein klitzekleines weißes Wölkchen am ansonsten knallblauen Himmel.“
„Ja eben.“ Angestrengte Suche nach einem weiteren Hinderungsgrund. „Außerdem müssen wir üben, wir haben in einer Woche wieder Reitunterricht.“
„Oh, aha. Wie oft hast du denn Unterricht?“
„Einmal pro Woche.“
„Dann hattest du also … gestern Unterricht?“
„Jaja, wir müssen viel üben. Zirkel reiten und so. Und vorwärts gehen. Der Pfridolin ist so faul.“
„Oh, aha. Wird das denn besser, wenn man nur Zirkel reitet?“
„Komischerweise nicht.“
„Vielleicht dann doch mal ein kleines Ründchen durchs Gelände…? Wegen der Abwechslung und so?“
„Ich weiß nicht, da sind doch bestimmt ganz viele Trecker unterwegs.“
„Die Ernte ist vorbei und die Felder sind gepflügt.“
„Die Bauern fahren doch auch schon zum Mal zum Spaß Trecker.“
„Ach so?“
„Ja echt. Die tun das nur, um mich zu ärgern.“
„Schon klar. Wusste gar nicht, dass du Angst vor Treckern hast?“
„Ich doch nicht!!! Der Pfridolin ist immer so unsicher im Gelände.“
„Vielleicht fehlt ihm die Erfahrung?“
„Dem fehlt gar nix, der geht ja immer mit dem Mann raus.“
„Hat er da auch Angst vor Treckern?“
„Was ist denn das für eine blöde Frage? Und überhaupt muss ich jetzt ganz dringend mein Sattelzeug putzen.“
„Kein Problem, wir können auch danach noch ausreiten. Nimmst du halt den Lutschi, der ist ne coole Socke.“
„ICH hab überhaupt keine Angst, dass das mal klar ist.“
Später dann: „Na, ist der Sattel sauber? Können wir?“
„Schon, aber du, das mit dem Ausreiten verschieben wir lieber. Es wird ja bald dunkel, in fünf Stunden schon, dann ist das zu gefährlich.“
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Der Mann auf Faxe. Beide gucken entspannt.

Traversälchen

Die Frau fragt den Mann ja nicht mehr, was er im Reitunterricht so alles macht. Zu groß war die Schmach, als sie beim letzten Mal herausgefunden hat, dass er Renvers und dergleichen reitet, ohne überhaupt zu ahnen, was das für eine Kunst ist und wie lang die Frau schon versucht, ähnlich vorzeigbare Seitengänge zustande zu bringen und wie glühend sie ihn darum beneidet.

Nein, fragen tut sie nicht mehr. Zugucken beim Unterricht auch nicht. Die Blöße gibt sie sie sich nicht. Das wäre ja auch peinlich, wenn man einerseits so cool tut und sich dann beim Hinterherspionieren erwischen lässt. Aber die Neugier bringt sie um. Alle machen geheimnisvolle Andeutungen darüber, wie toll der Mann doch reiten würde und was er in der kurzen Zeit schon alles gelernt hätte, sogar Frau Reitlehrerin.

Das sähe richtig gut aus, freut die sich.

Die Frau macht ein ganz spitzes Mündchen. So?

Ob denn die Frau bei der letzten Reitstunde zugeguckt hätte, fragt Frau Reitlehrerin. Nicht? Der Mann wäre ein echtes Naturtalent. Sooo ein langes Bein! Und wie locker er sitzen würde.

Die Frau guckt sparsam.

Ja, macht Frau Reitlehrerin weiter. Und die Seitengänge erst! Er würde zwar immer Schulterherein mit Travers verwechseln, aber das, was er sich vorstellen würde, könnte er sehr korrekt reiten. Jetzt wäre man sogar schon bei den Traversälchen angekommen.

Traversälchen? fragt die Frau entgeistert.

Jaja, Traversälchen. Der Mann würde das so locker und spielerisch reiten, das wäre wirklich hübsch anzuschauen.

Und das aus dem Mund der überaus kritischen Frau Reitlehrerin, die für gewöhnlich mit gar nix zufrieden ist, was die Frau reitet. Die Frau holt empört Luft.

Frau Reitlehrerin redet unbeirrt weiter: Und Faxe erst! Wer hätte gedacht, dass aus Faxe mal ein Dressur-Tinker würde! Zuerst hätte sie sich ja schon gefreut, als sich das Energiesparpony überhaupt erstmal wie ein Reitpferd bewegt hätte, und jetzt wäre er sogar ein richtiger Dressur-Tinker.

An dieser Stelle des Gesprächs bekommt Faxe, der gemeinsam mit mir das Gespräch belauscht, einen eigenartigen Gesichtsausdruck. Ich auch. Mein bester Kumpel mutiert zur Ballett-Elfe! Ehrlich gesagt fand ich Faxes Benehmen in letzter Zeit schon ziemlich streberhaft, aber andererseits macht es auch Spaß, mit dem Mann unterwegs zu sein. Ich weiß das, denn er begleitet mich ins Gelände, wenn die Frau mal wieder die Hosen voll hat, also oft, und unsere Ausritte sind legendär 😉 Aber trotzdem. Ich hätte nie damit gerechnet, dass mein flauschiger Freund mal ein Traversalenturner wird. Wo doch jeder weiß, wie anstrengend das ist!

Die Frau hat sicher auch nicht gedacht, dass aus Faxe mal ein Dressurcrack wird, denn sonst hätte sie sich das viele Geld für den Lutschi sparen können und einfach Faxe mitreiten können, der ja jetzt anscheinend ganz nebenbei vom Mann ausgebildet wird. Das ist übrigens derselbe Mann, der eigentlich nur ausreiten wollte, bis er auf mysteriöse Weise Gefallen am Dressurreiten gefunden hat. Er selbst meinte mal zur Frau, das wäre wie beim Autofahren – mit Servolenkung würde es einfach mehr Spaß machen.

Aber nicht nur Faxe guckt komisch, wenn Frau Reitlehrerin über die Reitstunden mit dem Mann spricht. Auch die Frau kriegt so ein merkwürdiges Zucken, und bei ihr liegt es ganz sicher nicht an den Fliegen.

Traversälchen, fragt sie noch mal. Nur um sicherzugehen, dass sie sich nicht verhört hat.

Wahrscheinlich erinnert sie sich gerade an das letzte Mal, als sie sowas versucht hat und mich übereilt und mit krumm gezogenem Hals quer über den Reitplatz getriezt hat. Das war übrigens die Reitstunde, in der Frau Reitlehrerin ihr erklärt hat, dass die äußere Hüfte keineswegs dadurch nach hinten – unten kommt, indem man das innere Bein steif nach vorne wegstreckt 😉

Jaja, Traversälchen. Und dabei reitet er noch gar nicht lange, fügt Frau Reitlehrerin versonnen hinzu. Vielleicht bildet er dir ja den Lutschi aus, wenn du ihn lieb fragst.

Und das war der Punkt, an dem die Frau mal wieder darüber nachgedacht hat, ob Minigolf nicht doch eine Alternative zum Reiten sein könnte. Ich wusste übrigens gar nicht, dass Frau Reitlehrerin so einen großartigen Sinn für Humor hat :)

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Der Lutschi geht baden

Faxe und Lutschi waren zusammen im Gelände. Ich finde es ja unverantwortlich, das minderjährige spanische Mähnenwunder allein mit dem übergewichtigen Tinker draußen rumtoben zu lassen, aber wie so oft hat man mich nicht nach meiner Meinung gefragt. Faxe und Lutschi meinten, es wären ja Menschen dabei, da würde das schon passen. Nur war einer dieser Menschen die Frau, und über deren mangelndes Urteilsvermögen habe ich keine Zweifel. Aber sei’s drum. Sie wollten sich partout ins Abenteuer stürzen und genau das haben sie auch getan.

Es fängt damit an, dass sich der Lutschi draußen grundsätzlich nur in Zeitlupe bewegt, vor allem beim Bergaufgehen. Mit der Erklärung, solche Höhenunterschiede habe er in Spanien nicht überwinden müssen und sein Körper sei nicht zum Bergsteigen gemacht. Unter uns: Wir sprechen von maximal 50 Höhenmetern pro Stunde. Sogar der dicke Tinker Faxe schafft das in zügigem Tempo, ohne dabei schneller schnaufen zu müssen. Faxe meint, bestimmt läge es daran, dass die Frau so schwer ist und der Lutschi sich daran erst gewöhnen muss. Damit hat er zwar Recht, das erklärt aber nicht, wieso der Lutschi beim Spazierengehen genau so schleicht.

Ich habe da ja eine andere Theorie. Meiner Meinung nach denkt das spanische Mähnenwunder bei jedem Schritt darüber nach, wie es heimlich Gras essen kann. Nun ist der Lutschi aber nicht der Allerschlaueste, weshalb das Denken einfach länger dauert.

Bergab (unglaubliche 50 Höhenmeter pro Stunde, ihr erinnert euch) kommt die Schwerkraft dazu, weshalb zum Nachdenken auch noch das Ausbalancieren kommt. Auch das braucht seine Zeit. Faxe sagt, einmal wäre er tief und fest eingeschlafen, als er auf den Lutschi gewartet hat.

Manchmal befällt den Lutschi aber auch ein Geschwindigkeitsrausch und er hält mit Faxe mit. (Mit Rücksicht auf Lutschis Ausbildungsstand und die schwachen Nerven der Frau finden die Ausritte grundsätzlich im Schritt statt.) Das ist oft der Fall, wenn das Ziel eine besonders grüne Wiese ist.

Beim letzten Ausritt ging es aber nicht zu einer Wiese, sondern in den Wald. Wenn man da ein Stückchen hineinreitet, kommt man zu einem See. Die Böschung ist sehr flach, so dass man gut ins Wasser kann. Hier wollte die Frau herausfinden, ob der Lutschi wasserdicht ist. Um es vorwegzunehmen: Ja, ist er. Während Faxe sich damit begnügte, mit dem Bein im Wasser herumzuplantschen, hat sich der Lutschi hingelegt. Mit Frau und Sattel und allem Zipp und Zapp. Er sagt, es wäre so warm gewesen und das Wasser hätte richtig gut getan. In Spanien wäre er auch oft baden gegangen und die Frau hätte da mal eine wirklich großartige Idee gehabt.

Leider waren – im Gegensatz zum Lutschi – die Reitstiefel der Frau nicht wasserdicht, so dass die gleich das Zetern angefangen und den ganzen Heimweg lang nicht aufgehört hat, während der Lutschi, seinem Naturell als Siesta-Pferd entsprechend, jeden Schritt mit der gebotenen Muße in Angriff nahm.

Faxe kennt das ja schon, aber für den Lutschi war es eine neuartige Erfahrung. Er sagt, er hätte seinen Wortschatz gewaltig erweitert. Und vielleicht hat ja auch die Frau was gelernt :)

Eine Gruppe Reiter bei einem Ausritt

Die große, weite Welt

Unser spanisches Mähnenwunder behauptet, es wäre ein Reitpferd. Im Gelände wäre es auch schon gewesen, jawohl. Und zwar mit der Frau. Mit unserer gemeinsamen, überängstlichen Besitzerin? Glaub ich nicht. Doch, sagt Faxe, er wäre auch dabei gewesen.

Ich erinnere mich. Das war der entsetzlich langweilige Nachmittag, den ich allein mit dem langweiligen Bonito auf dem langweiligen Paddock verbracht habe. Weil nämlich der Mann länger arbeiten musste und nicht mit mir ins Gelände gehen konnte. Mit dem Mann macht ausreiten nämlich noch mehr Spaß als mit der Frau. Die Frau gruselt sich ja immer so und ich muss sie dann beschützen. Vor Menschen, Tieren, Autos, Fahrrädern, tückischen Büschen – ihr wisst, was ich meine. Das ist aufregend und manchmal auch anstrengend. Dem Mann ist sowas egal. Der sitzt auf mir rum, ist tiefenentspannt und muss nicht mal vor Lkws gerettet werden. Er stirbt auch nicht vor Angst, wenn ich mal eine flottere Gangart wähle. Wenn also einer prädestiniert ist, dem Lutschi zu erklären, wie das in der großen, weiten Welt funktioniert, dann bin das ja wohl ich. Mit anderen Worten: Ich werde diskriminiert. Alle haben Spaß außer mir. Und natürlich Bonito, an dem ich meine schlechte Laune ausgelassen habe.

So lustig wäre das gar nicht gewesen, meint Faxe. Er hätte nämlich Frau Reitlehrerin tragen müssen, während der Lutschi die angstschlotternde Frau auf dem Rücken hatte. Mit Frau Reitlehrerin wäre das ein völlig anderes Reitgefühl gewesen. Er wollte nicht ins Detail gehen, erwähnte aber, er habe nicht mehr beim Gehen essen dürfen. Das ist für einen vollschlanken Tinker natürlich ein traumatisches Erlebnis.

Von wegen Gras To Go. Nur noch gehen. Nicht lustig :(

Lustig wäre aber gewesen, wie sich die Frau mit grünlicher Gesichtsfarbe auf Lutschis Rücken begeben habe. Nun ist der Lutschi aber so ein Unschuldslamm, dass er das nicht ausgenutzt hat, sondern brav mit ihr durch diverse Bauernhöfe durch und sogar an Nordic Walkern vorbeimarschiert ist, ohne sich zu mucksen. Frau Reitlehrerin hat die ganze Zeit beruhigend auf die Frau eingeredet, und die hat sich aus Versehen sogar entspannt. Faxe meint, die beiden hätten gelacht. Sicherlich über den Lutschi, der gar nicht richtig bergauf und bergab laufen kann, weil er noch so unbalanciert ist.

Angeblich hat der feurige Spanier sogar Fahrräder und Autos mit gleichbleibend guter Laune hingenommen. Sicher waren es auch nur ganz kleine Autos und sehr langsame Fahrräder. Für Anfänger halt 😉

Der Lutschi meint, er hätte vor gar nix Angst gehabt, weil er nämlich ne coole Socke wäre und im Gelände sowieso nur langweilige Dinge passieren würden. Nur komisch, dass die furchtlose coole Socke zuhause immer ganz hektisch wird, sobald der Frontlader vorbeifährt. Ich wette, der Lutschi konnte in Wirklichkeit beim Ausritt nicht um Faxes dicken Hintern herumgucken und weiß gar nicht, wo er war und was da so alles passiert ist 😉

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Vom Reiten und Wandern im Urlaub

Gerade eben stand ich noch tiefenentspannt in meiner Chill Out Area auf der Weide. Die Fellpflege mit Stuti Rosa Faxe war sehr zu meiner Zufriedenheit verlaufen, und die Herbstsonne schien mir angenehm auf den Pelz, als sich eine vertraute Stimme den Weg in meine Gehörgänge bahnte. Die Frau! Schwer bepackt mit Möhren, einem schlechten Gewissen und allerlei Leckereien! Große Wiedersehensfreude bei allen Beteiligten!

Zugegeben, ohne Arbeit auf der Wiese rumstehen und grasen war nicht sooo schlimm, aber mit der Frau ist es viel unterhaltsamer. Vor allem hat man mehr zu erzählen 😉

Ein bisschen habe ich sie nämlich schon vermisst, während langsam die Staubschicht auf meinem Sattel wuchs. Die Frau hatte anscheinend vergessen, den Sattelschoner drauf zu tun. Bei den ganzen Reisevorbereitungen ist das wohl ein wenig in den Hintergrund getreten. Dabei wollte sie nur ein paar Tage wegfahren. Andere treiben so einen Aufwand vor einer Weltreise. Aber man kann ja nicht an alles denken 😉

Gut sieht sie aus – total entspannt und super gelaunt! Fast hätte ich sie nicht wiedererkannt 😉 Sie will auch erstmal gar nix von mir, sondern führt mich nur breitbeinig wie John Wayne von der Koppel. Wie ich wenig später erfahre, hat sie tatsächlich wieder dieses Wanderreiten gemacht, und zwar diesmal mit mehr Reiten als Wandern. Die anderen Pferdebesitzerinnen und –besitzer stehen neidisch und beeindruckt um sie herum, als sie in Abenteurerpose von ihrer Expedition in die Wildnis berichtet. Sogar ich bin beeindruckt und hätte ihr fast die verwegene Geländereiterin abgenommen. Und ich kenne sie schließlich 😉

Faxe murmelt etwas von Karl May, den kenn ich aber nicht. Die Frau erzählt weiter: Ein wenig Muskelkater hätte sie schon, aber eigentlich fast gar nicht. Als trainierte Reiterin hätte man mit sowas ja grundsätzlich kein Problem. Die Reitstunde morgen hat sie aber trotzdem abgesagt. Die in ein paar Tagen sicherheitshalber auch. Ich muss Faxe nachher mal fragen, was der Mann daran so komisch findet.

Dann hat die Frau weitererzählt. Der Mann durfte aber auch mal was sagen, wenn er dazwischengekommen ist 😉 Sie sprechen nämlich noch miteinander – sogar nach dem Urlaub. Faxe meint, das wäre nicht selbstverständlich.

Die Frau ist ja sehr nett und ich mag sie wirklich, aber 24 Stunden können ganz schön lang sein. Ich sehe sie sonst ja nur nachmittags oder abends, aber der arme Mann muss sie sicherlich die ganze restliche Zeit herumschleppen. Ihm scheint es aber Freude zu machen. Ich habe nämlich noch nie gesehen, dass er sie beißen will. Oder weglaufen :) Und das, obwohl sie ihn vom Futter her ziemlich knapp hält. Sie selbst hat aber im Urlaub anscheinend wieder doppelt Heu bekommen.

Zum Thema Gepäck meinte der Mann, ihm würde ja eigentlich eine Zahnbürste reichen. Ab in die Satteltasche und fertig. Die Frau findet das natürlich unhygienisch und unzivilisiert. Der Mann gibt zu bedenken, dass das Trossfahrzeug mit ihren zwei Schrankkoffern aber schon ganz schön voll gewesen wäre. Die Frau gibt ihm da Recht, weist aber darauf hin, dass es ja so wunderbar gewesen wäre, sich abends zum Essen umzuziehen. So wunderbar, wirklich. Alle hätten das gemacht, alle. Außer der Rittführerin und dem Mann.

Der Mann steht dazu, unzivilisiert und unhygienisch zu sein und bleibt dabei, dass das Abendessen in Reitklamotten (ungeduscht!!!) genauso lecker gewesen wäre wie beispielsweise im Taucheranzug oder im Smoking. Angeblich hätte der Mann aber doch vom umfangreichen gemeinsamen Gepäck profitiert und wäre zwischendurch ganz froh gewesen, wenn er mal was Sauberes anziehen durfte. Bevor sich Unfrieden anbahnen kann (und weil ich ja wissen will, wie es weiterging), lenke ich auf konstruktive Art und Weise ab – ich beiße in das umfangreiche Hinterteil meiner Boxennachbarin Else.

Plötzlich sind sich beide wieder einig und beteuern unisono, so etwas hätte es auf dem Ritt nicht gegeben. Da wären die Pferde ganz wunderbar erzogen gewesen und hätten in den Pausen auch sehr brav nebeneinander am Anbindebalken gestanden, ohne sich anzugiften oder heimlich die Knoten in den Stricken aufzumachen. Die Pferde dort seien ja auch ausgelastet gewesen, ergänzt die Frau. Trainiert und ausgelastet, sagt sie und jammert leise, wenn sie sich bewegt. Das Gehen und auch das Sitzen scheinen ihr irgendwie unangenehm zu sein. Ich glaube, ich hab sowas auch schon mal gehabt. Es heißt Muskelkater und man bekommt es, wenn man nicht ganz so sportlich ist, wie man denkt. Manche Leute meinen zum Beispiel, nur weil sie zuhause mal ’ne Stunde reiten, wären sie total durchtrainiert und könnten problemlos tagelang im Sattel bleiben. Genau in dieser Sekunde erinnert der Mann die Frau daran, dass sie es war, die während des Rittes nicht soviel laufen und stattdessen mehr reiten wollte. Weil sie anscheinend nur die schicken, aber leider unbequemen Reitschuhe eingepackt hat :) Und sicherheitshalber noch ein paar schicke, unbequeme Schuhe zum Wechseln :)

Jetzt mache ich mir Sorgen, ob ich vielleicht auch so ein wohlerzogenes Wanderreitpferd werden soll. Ausreiten finde ich ja prima, aber dieses tagelange Rumschleppen hört sich schon ein bisschen anstrengend an. Aber Faxe hat mich beruhigt. Hier bei uns wäre das Ausreitgelände nicht so verlockend, dass die Frau ihre Ängste vor Treckern, LKWs und Außerirdischen überwinden würde. Und bis der Muskelkater weg ist, hat sie schon 5 neue Ideen für unsere reiterliche Zukunft gehabt und wieder verworfen 😉

Aber toll entspannt ist sie.

Ein schwarzes Pferd mit offenem Maul. Es sieht aus, als würde es lachen.

Die ??

Um uns schon mal auf unsere Tätigkeit im Krimi vorzubereiten, haben Faxe und ich jetzt als fünftes Standbein eine freiberufliche Ermittlertätigkeit aufgenommen. Wir nennen uns dabei „die zwei Fragezeichen“. So eine kriminalistische Tätigkeit will nämlich gelernt sein, das kann man nicht einfach so. Ich selbst bin ja glücklicherweise ein Naturtalent und kann eigentlich alles, was ich will, aber Faxe fehlt eindeutig die praktische Erfahrung und vor allem die sachkundige Anleitung durch das Naturtalent.

Welcher Krimi, fragt ihr. Das könnte ich mich auch fragen, wenn ich nicht genau wüsste, dass tief in mir drinnen gerade ein kreativer Prozess stattfindet und mit Macht nach außen drängt. Mit anderen Worten: Ich muss es nur noch aufschreiben. Faxe lästert immer, man sähe mich nie schreiben, aber der hat ja keine Ahnung, wie wir Künstler arbeiten.

Ich muss also das Ergebnis meiner schöpferischen Tätigkeit nur noch zu Papier bringen, aber das geht ja Ratzfatz, und dann bricht der Geld- und Möhrensegen über mich herein. Dann müssen Faxe, Else und Stuti immer nett zu mir sein, jawohl :) Stuti ist ja immer nett, die kann gar nicht anders <3 , aber für Else wird das eine gewaltige Umstellung.

Bis dahin haben Faxe und ich uns auf das Wiederfinden verschwundener Gegenstände spezialisiert. Zum Beispiel wissen wir jetzt, wo verlorene Hufeisen hingehen. Wenn die sich einmal verirren und nicht mehr bei ihrem Pferd sind, halten sie sich meistens auf dem matschigen Wegstück beim hinteren Wäldchen auf. Oder verlorene Longierpeitschen: Die sind im Longierpeitschen-Nirvana, das direkt hinter dem Longierzirkel beginnt. Ihr seht also: Mit dem Ermitteln kennen wir uns aus. Getreu dem Motto „Wat nix kost‘, is‘ auch nix“ sind wir (natürlich) teuer. Wir wollen uns ja nicht mit Kleinkram abrackern, sondern mindestens Kunstschätze suchen.

Ein weiteres Beispiel, um unsere überzogenen Honorarforderungen zu rechtfertigen: Letztens haben wir im Unterricht gehört, dass Stutis Reiterin öfter mal die Bügel verliert. Wir haben also jetzt beide gut aufgepasst (ich musste Faxe allerdings wiederholt korrigieren und darauf aufmerksam machen, worauf es ankommt – merke: bei einer Observation braucht man ausreichend Proviant) und schlussendlich festgestellt, dass der Bügel gar nicht verloren war, sondern der Fuß der Reiterin sich einfach nicht merken konnte, wo er abgeblieben war. Menschen, ne. Wenn sie nicht so putzig und unterhaltsam wären, wären sie wahrscheinlich längst ausgestorben.

Wenn euch also die Mona Lisa oder das Bernsteinzimmer abhandengekommen ist, wisst ihr ja jetzt, wen ihr mit der Suche beauftragen könnt 😉

Frua mit bodenlangem Regenmantel auf dem Weg zur Koppel

Outdoor Special

Heute hab ich mich fast ein bisschen erschrocken, als die Frau im Mega-Outdoor-Outfit auf unsere Koppel gestapft kam. Schließlich ist Fußball-WM und Deutschland darf anscheinend immer noch mitspielen. Nicht wie Konrad auf unserer Weide, der wegen seiner sehr hässlichen Ekzemerdecke und seiner Doofheit von Faxe und mir gemobbt wird. Und weil er mir Else ausgespannt hat. Mit Gummistiefeln und ihrem riesigen Regenmantel, ungefähr so, als wollte sie bis ins Taka-Tuka-Land reiten (falls es da ganzjährig wie aus Eimern schüttet). Weil ich die Frau aber kenne, weiss ich, dass es mit so einer Ausrüstung maximal bis auf den Reitplatz geht 😉 Glücklicherweise stellte sich auch schnell heraus, dass sie sich nur für den weiten Weg zur Wiese und zurück so verkleidet hatte. Das kann ich verstehen, auf 500 Meter Wegstrecke kann viel passieren.

Wir haben ja jetzt so abwechslungsreiches Wetter. 5 Minuten Regen, 5 Minuten Sonne und 5 Minuten unentschieden. Das macht die Frau fertig. Dauernd zieht sie sich an und aus und um. Wenn der Mann herausfindet, dass sie letzte Woche 2 neue Regenjacken gekauft hat („Die war runtergesetzt!“ beziehungsweise „Die Farbe steht mir ganz toll!“) und eine neue Regenhose (sie hatte vergessen, dass die alte im Kofferraum liegt), gibt’s vielleicht wieder Gemecker.

Er hat nämlich jetzt die Macht, weil er neuerdings kochen kann. Er hat es notgedrungen gelernt, weil die einzige warme Mahlzeit, die sie unfallfrei zubereiten kann, mein Mash ist. Dummerweise isst die Frau sehr gern gut, so dass er sie jetzt mit ihrem Lieblingsfutter erpressen kann. Das hat seinem Selbstbewusstsein anscheinend gut getan und er kommt mir öfter mal zu Hilfe, wenn sie wieder im Rosa-Wahn ist. Aber das nur mal am Rande.

Mittlerweile hat die Frau auch eine hübsche Kollektion von diversen Regen- und Strohhüten. Mein persönlicher Favorit ist der Cowboyhut aus Stroh. Sieht lustig aus und schmeckt. Dazu eine quietschbunte, undichte Regenjacke (richtig geraten, das ist die mit der schönen Farbe) und die raschelige Regenhose, mit der sie wie ein Michelin-Männchen watschelt. Der Burner 😉

Das hat anscheinend was mit diesem Zwiebellook zu tun, wo man die Kleidung in verschiedenen Schichten übereinander trägt. Ich finde, sie setzt das gekonnt um. Faxe und mir sind jedenfalls die Tränen gekommen, vor Lachen. Stuti kann ich grade nicht mehr sehen, die ist sensibler als wir und schnell weggelaufen 😉