Schlagwort-Archiv: Reitlehrerin

Eine Reiterin mit Rädchensporen und Gerte

Hau sie welche, die Sau!

Waldini kennt ihr ja schon. Das ist der, für den die Welt meistens auf dem Kopf steht, weil ihn seine Besitzerin, die ich liebevoll auf den Namen Frau Rollkur getauft habe, genauso reitet. Bei ihrem garstigen Tun wird sie von ihrer Bereiterin unterstützt, die Waldini regelmäßig reitet, „um ihn weiter zu fördern“. Wobei auch sie Waldinis Nase nicht weiter runterziehen kann als bis zur Brust. Komischerweise treten die Hinterbeine dabei aber nicht weiter unter. Verrückt.

Nun hat Frau Rollkur aber mal gehört, dass auch und sogar Dressurpferde abwechslungsreich gymnastiziert werden sollen. Deshalb macht Waldini zwischendurch Gymnastikspringen. Nicht, was ihr denkt – Bocksprünge oder so, nein, ganz artig über Cavaletti. Und vielleicht mal ein kleines Kreuz, aber nicht höher als 50 cm. An der höchsten Stelle. Und ausnahmsweise ohne Schlaufzügel. Weil Frau Rollkur aber nicht so lebensmüde ist, solche Höhen selbst zu springen, darf Frau Bereiterin ran. Mit Helm, Weste, Gerte und Sporen bewaffnet, zerrt sie Waldini hinter sich her. Der Lutschi und ich verfolgen das Ganze aufmerksam, weil unsere Weide praktischerweise direkt neben dem Springplatz ist.

Frau Reitlehrerin hält nichts von Hilfszügeln

Gerade fragt mich das spanische Mähnenwunder, was denn der Waldini da in den Zügeln hätte. Wir beide kennen Hilfszügel ja nur von anderen, weil unsere one and only Frau Reitlehrerin nix davon hält. Bei ihr kommt es vor allem auf die Hinterhandaktivität und das abgekippte Becken an. Die Beizäumung kommt dann quasi von allein. Wer – außer Frau Rollkur und Frau Bereiterin – kommt denn auch auf die Schnapsidee, dass man die Hinterbeine mit dem Zügel oder dem Hilfszügel weiter unter den Pferdebauch ziehen kann, von wegen „untertreten“ und „Lastaufnahme“? Jetzt mal ehrlich, wie soll das denn gehen?

Nachtingall

Aber ich schweife ab. Der Lutschi guckt mich immer noch fragend an.
„Das ist ein Martingal“, belehre ich meinen sogenannten kleinen Bruder.
„Nachtingall“, spricht mir das iberische Blödchen folgsam nach.
„Nein, Martingal.“
„Nachtingall.“
Ich gebe auf.
„Und wozu ist das gut, das Nachtingall?“
„Es macht, das Waldini nicht mit dem Kopf schlagen kann. Zum Beispiel. Weil er den Kopf halt nicht höher nehmen kann als ihn das Martingal lässt.“
Der Lutschi staunt. Man sieht förmlich, wie beide Gehirnzellen fieberhaft arbeiten.
„Will er das denn, der Waldini?“
Das weiß ich gar nicht so genau. Eigentlich läuft Waldini immer eingerollt, weil er das durch die Rollkur-Schlaufzügel-Reiterei gar nicht mehr anders kennt, aber Frau Bereiterin will bei dem wilden Tier offensichtlich auf Nummer sicher gehen.

Hau sie welche, die Sau!

Wir gucken zu, wie Waldini folgsam über ein paar Sprünge hoppelt. Frau Bereiterin, von wildem Ehrgeiz getrieben, möchte gern, dass die Hindernisse erhöht werden. Frau Rollkur gehorcht beflissen und macht aus den Kreuzen Steilsprünge, bevor sie wieder auf ihren Stuhl in der Ecke plumpst.
Waldini, der sich bis dahin wacker geschlagen hat, stutzt einen Moment lang und bleibt stehen. Frau Bereiterin zürnt. Frau Rollkur auch. Die Bereiterin haut ihm die Sporen rein. Aua. Waldini will aber immer noch nicht so recht und beäugt die Hindernisse misstrauisch.
„Hau sie welche, die Sau!“, ereifert sich Frau Rollkur. „Die stellt sich nur an. Die Sau, die faule!“
Die Sau oder vielmehr der Waldini kriegt wunschgemäß eine Tracht Prügel, die sich gewaschen hat. Ob ihm das beim Springen hilft, ist mir aber nicht so ganz klargeworden. Frau Rollkur muss sich auf jeden Fall von ihrem Sitzmöbel erheben, um die Sprünge wiederherzurichten und die gefallenen Stangen einzuhängen.

Der Horsemänschipp-Trainer

„Na warte!“, droht Frau Rollkur. Sie hat nämlich noch ein As im Ärmel: den Horsemänschipp-Trainer. Der soll den sturen Gaul auf Kurs bringen, und zwar zack-zack. Eigentlich war er nur fürs Verladetraining gebucht, weil sich Waldini komischerweise gar nicht mehr verladen lässt. „Und früher ist er immer fast von selbst eingestiegen. Hat wohl keine Lust aufs Turnier, der undankbare teure Mistklepper“, erzählt Frau Rollkur gerade. „Aber wenn der Cowboy morgen schon mal da ist, kann er sich auch gleich um Waldinis allgemeine Frackigkeit kümmern.“
Wenn sie beim Horsemänschipp-Trainer ein genauso glückliches Händchen hat wie bei der Wahl ihrer Bereiterin, gibt’s wahrscheinlich Haue mit der Schippe. Oder mit dem Karottenstock, der aber gar nicht nach Karotte schmeckt.

Da lob ich mir doch Frau Reitlehrerin, die sogar unserer für gewöhnlich beratungsresistenten Besitzerin die Feinheiten der Bodenarbeit beibringen konnte 😉

Hier gibts Tipps, worauf man bei der Suche nach dem richtigen Trainer achten sollte:
Einen guten Reitlehrer finden
Und für Schulpferdereiter:
Das Schulpferd: Nur ein Pferd zweiter Klasse?
Und noch was zu Reitschulen allgemein:
Mein Verhältnis zu Reitschulen

Lutschi1

Der feurige Spanier

Man hört ja so einiges über diese feurigen Spanier und dass die es voll draufhaben. Mit den Mädels und so. Zottelhaare, schmachtende Blicke und Machogehabe und die Frauen fressen essen ihnen aus der Hand. Was eigentlich? Möhren?

Was den Lutschi, unser spanisches Mähnenwunder betrifft, kann ich das nicht bestätigen. Zwar ist er sehr überzeugt von sich und seiner Ausstrahlung. Das kommt anscheinend von der meterlangen Zottelmähne, die an ihm dranhängt. Aber die Mädels finden ihn bestenfalls süß. Faxe und ich haben durch den Lutschi auch den Ausdruck „fremdschämen“ kennengelernt. Wenn er die Frau – wie er meint – leidenschaftlich anblinzelt, holt die sofort die Augensalbe.
Weiterlesen

Ein schwarzes Pferd schaut in die Kamera. Es trägt ein schickes Halfter in Blautönen.

Solang ich deine Miete zahle, hörst du mir gefälligst zu!

Der Lutschi, unser minderjähriges Mähnenwunder, hat ja lange Zeit geglaubt, sein Name wäre „Nein“, weil das das Wort ist, das er am häufigsten hört (gefolgt von „Aua“ und „Gib das wieder her!“). Die Frau, unsere gemeinsame Besitzerin, sagt, er bräuchte noch viel Erziehung.
Ich selbst gehöre zu der großen Zahl Pferde, deren Nachname „Lass das“ ist. Pfridolin Lass das, Faxe Lass das undsoweiter. Wahrscheinlich sind wir alle miteinander verwandt.
Weiterlesen

Der Lutschi lächelt in die Kamera

Slow Riding

Slow Food kennt ihr, oder? Halt das Gegenteil von Fast Food. Aber kennt ihr auch Slow Riding? Nein? Dachte ich mir. Das ist nämlich eine Erfindung der Frau, die mit der Behauptung, der Lutschi wäre nicht langsam, sondern versammelt, nicht durchgekommen ist. Der Lutschi, der eigentlich Lucero heißt und unser spanisches Mähnenwunder ist, wird so genannt, weil er seine Umgebung vornehmlich mit dem Maul erkundet – er isst alles, was er findet, und was er nicht essen kann, wird zumindest angeknabbert, die Frau eingeschlossen. Sie ärgert sich dann zwar immer, aber wenn er sie mit seinem grenzdebilen Dackelblick anschmachtet, ist alles vergeben und vergessen.
Weiterlesen

Die Hände einer Reiterin. Nicht ideal getragen.

Die Frau hat Daumen (und möglicherweise Finger)

So eine Reitstunde steckt voller Überraschungen. Bei uns ist das jedenfalls so, und manchmal kommt die Frau aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Neulich zum Beispiel hat Frau Reitlehrerin erklärt, wie man die Zügel hält. Fand die Frau total uninteressant, die will ja Hohe Schule reiten und kann sich nicht um jeden Kleinkram kümmern. Weiterlesen

Hände, die Zügel halten. Außerdem im Bild: eine Schabracke in Pink.

Die Frau hat Hände – und irgendwie hängen die Schultern auch mit dran

Entgegen aller Wahrscheinlichkeit hat die Frau die Hoffnung auf Piaffe und Passage noch nicht aufgegeben. Neulich im Reitunterricht, als es grad mal wieder nicht so lief, wie sie das wollte (das passiert ja eigentlich dauernd, aber sie kann sich einfach nicht daran gewöhnen), fragte sie Frau Reitlehrerin mit ihrem schönsten Dackelblick, wann es denn endlich an die höheren Lektionen ginge. Das mit dem feinen Reiten hätte sie ja schon ganz gut drauf, da könnte man doch wirklich mal an die Piaffe denken. Sie würde schon so lange reiten, da wäre die doch mittlerweile fällig.

Außerdem ist sie natürlich neidisch auf den Mann, der noch nicht so lange reitet wie sie und schon Traversalen kann. Sie würde das aber nie zugeben 😉

Weiterlesen

Faxe beim Ausritt

Die Frau entdeckt die dritte Gangart

Die Frau reitet ja neuerdings regelmäßig aus. Eigentlich nur, weil sie im Stall damit angeben will, wie cool und mutig sie ist. Und weil sie es nicht erträgt, dass der Mann sich beim Dressurreiten so wacker schlägt und ihr jetzt auch noch im Gelände Konkurrenz macht.

Als das mit den Traversalen anfing, hat sie beschlossen, sich das nicht gefallen zu lassen und sich stattdessen wie eine Nacktschnecke an Frau Reitlehrerin geheftet, sobald die Anstalten machte, den Hof zu Pferd zu verlassen. Sie hat sie sogar dazu genötigt, sich Faxe auszuleihen, weil sich die Frau sicherer fühlt, wenn Faxe dabei ist. Verrückt. Als ob ich keine vertrauenswürdige Ausstrahlung hätte! Wenn es hart auf hart kommt, wird so ein verschnarchter Tinker als Erster von den Nordic Walkern oder vom Bus gefressen, während ich die Frau im wilden Zickzackgalopp sicher zum rettenden Reitstall zurückbringe. Aber mich fragt ja keiner.
Weiterlesen

Die Frau sitzt krumm und schief und mit verspannten Schultern auf dem Pferd.

Die Frau hat Schultern und andere Gelenke

Neulich im Reitunterricht hat Frau Reitlehrerin so locker und nebenbei, wie das ihre Art ist, zur Frau gesagt, sie sollte doch mal ihre Schultern lockern. Die Frau, pampig diskussionsfreudig bis zur Schmerzgrenze, wie das ihre Art ist: „Wieso? Die sind locker.“
„Nee, sind sie nicht. Du bist fest im Schultergürtel.“
„Gar nicht.“
„Doch. Und deshalb bist du auch nicht locker genug in den Armen und störst den Pfridolin im Maul.“
„Das ist nur, weil der so unbequem ist. Und auch gar nicht durchlässig“, fiel der Frau die rettende Ausrede ein.

Frau Reitlehrerin lässt sich durch sowas aber gar nicht irritieren, sondern weist darauf hin, dass ich mich möglicherweise gerade deshalb festmache. Feinste Impulse durchlassen, wenn man so grobmotorisch mit dem Zügel belästigt wird – no way! Dazu ist das Ganze denn doch zu unangenehm. Aber Frau Reitlehrerin hat eine Lösung: Die Frau soll doch bitte mal die Schultern kreisen lassen.

Will sie natürlich nicht. Mit der fadenscheinigen Begründung, sie wollte sich doch nicht komplett zum Affen machen. Dann hätte sie wohl besser nicht mit dem Reiten anfangen sollen, oder? 😉 Frau Reitlehrerin und ich warten.
Weiterlesen

Eine Gruppe Reiter bei einem Ausritt

Die Frau singt und trabt

Unsere Ausritte haben sich verändert. Das ist gut, weil wir jetzt öfter rausgehen. Es ist aber auch schlecht, weil Frau Reitlehrerin letztens die tolle Idee hatte, die Frau in unheimlichen Situationen singen zu lassen. Singen wäre nämlich total gut für die Atmung und die Entspannung und vor allem super gegen Angst. Leider hat sie dabei übersehen, dass die Frau zwar laut und gern, aber auch furchtbar falsch singt. Und sich außerdem keine Texte merken kann.

Unheimliche Situationen sind übrigens alle, in denen sich irgendwas bewegt oder komisch anhört.

Mit anderen Worten: Die Frau singt dauernd, und zwar ausgerechnet „Trippel, trappel, Pony“. Wer es nicht kennt, kann sich die nervenzerfetzende Melodie hier anhören. Im Text kommt sie allerdings nie weiter als „Trippel, trappel, trippel, trappel, Pony!“ Da kann das Zuhören auf die Dauer schon anstrengend werden. Glücklicherweise hört sie zwischendurch auch mal auf zu singen, und zwar immer dann, wenn ich trabe. Dann quietscht sie.
Weiterlesen

Ein schwarzes Pferd mit offenem Maul. Es sieht aus, als würde es lachen.

Ausritt mit Tinker

Letztens war es wieder soweit – der Regen hatte eine längere Pause eingelegt und die Sonne schien so warm, dass der Frau doch glatt die Argumente ausgingen, weshalb sie angeblich gerade nicht ausreiten könnte. Sie ist ja weder nervenstark noch wetterfest, obwohl sie gern das Gegenteil behauptet. Typischerweise laufen diese Gespräche so ab:
Befreundete Reiterin: „Sollen wir ausreiten?“
„Würd ich total gern, aber dahinten sieht‘s nach Regen aus.“
„Das ist ein klitzekleines weißes Wölkchen am ansonsten knallblauen Himmel.“
„Ja eben.“ Angestrengte Suche nach einem weiteren Hinderungsgrund. „Außerdem müssen wir üben, wir haben in einer Woche wieder Reitunterricht.“
„Oh, aha. Wie oft hast du denn Unterricht?“
„Einmal pro Woche.“
„Dann hattest du also … gestern Unterricht?“
„Jaja, wir müssen viel üben. Zirkel reiten und so. Und vorwärts gehen. Der Pfridolin ist so faul.“
„Oh, aha. Wird das denn besser, wenn man nur Zirkel reitet?“
„Komischerweise nicht.“
„Vielleicht dann doch mal ein kleines Ründchen durchs Gelände…? Wegen der Abwechslung und so?“
„Ich weiß nicht, da sind doch bestimmt ganz viele Trecker unterwegs.“
„Die Ernte ist vorbei und die Felder sind gepflügt.“
„Die Bauern fahren doch auch schon zum Mal zum Spaß Trecker.“
„Ach so?“
„Ja echt. Die tun das nur, um mich zu ärgern.“
„Schon klar. Wusste gar nicht, dass du Angst vor Treckern hast?“
„Ich doch nicht!!! Der Pfridolin ist immer so unsicher im Gelände.“
„Vielleicht fehlt ihm die Erfahrung?“
„Dem fehlt gar nix, der geht ja immer mit dem Mann raus.“
„Hat er da auch Angst vor Treckern?“
„Was ist denn das für eine blöde Frage? Und überhaupt muss ich jetzt ganz dringend mein Sattelzeug putzen.“
„Kein Problem, wir können auch danach noch ausreiten. Nimmst du halt den Lutschi, der ist ne coole Socke.“
„ICH hab überhaupt keine Angst, dass das mal klar ist.“
Später dann: „Na, ist der Sattel sauber? Können wir?“
„Schon, aber du, das mit dem Ausreiten verschieben wir lieber. Es wird ja bald dunkel, in fünf Stunden schon, dann ist das zu gefährlich.“
Weiterlesen