Der Aluhut

Der Lutschi mit einem Aluhut auf dem Kopf

Neulich auf dem Reitplatz.

„Was hast du da eigentlich auf dem Kopf?“, fragt Frau Reitlehrerin meine sogenannte Besitzerin.

Ich kann es ihr verraten: Es ist ein Aluhut. Zum Schutz gegen schädliche Einflüsterungen hat sich die Frau Alufolie um den Reithelm gewickelt.

„Meinen Kopfschutz“, erwidert sie hoheitsvoll.

„Sieht interessant aus“, lächelt Frau Reitlehrerin diplomatisch.

Unter uns: Interessant ist die kleine Schwester von scheiße, aber ich bin ja hier nur das Pferd und hab eh keine Ahnung.

„Und hilft auch! Auf diesen Quatsch mit innerer Schenkel, äußerer Zügel fall ich nicht mehr rein. Alles Fake News. Ich reite jetzt mit der Kraft meiner eigenen Gedanken. Und vor allem vertikal!“, schmettert ihr die Frau entgegen. „Der Aluhut“ weiterlesen

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Die Frau reitet innerlich

Ich im Home Office

Wir machen ja jetzt alles von zuhause. Home Office, Home Schooling – ihr wisst, was ich meine. Ich bin ja überhaupt ein großer Freund von diesem #stayhome, weil einen die sogenannte Besitzerin da nicht ganz so doll belästigen kann wie sonst. Sie sieht es natürlich anders. Und noch dazu gibt es keinen Reitunterricht und das Zeitfenster im Stall ist immer viel zu klein. Also hat sich die Frau nach viel Mimimi und noch mehr Gezetere überlegt, dass es vielleicht doch ganz schlau wäre, Frau Reitlehrerin nach Turnübungen für Zuhause zu fragen. Home Turning also. Und auch danach, ob sie ihr vielleicht heimlich….? Nein, würde sie nicht. Kein heimlicher Reitunterricht. Doof. Das war leider die falsche Antwort, findet die Frau und teilt das Frau Reitlehrerin in ihrer gewohnt diplomatischen Art genau so mit. „Die Frau reitet innerlich“ weiterlesen

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Auf dem falschen Fuß erwischt

Reiten wird völlig überbewertet. Leichttraben auch.

„Umsitzen!“ ruft Frau Reitlehrerin, während die Frau und ich leichttrabend um sie herumkringeln. Auf die besonders eckige Art, die unsere Zirkel auszeichnet.

„Gar nicht!“, ruft die Frau fröhlich. Die Frau und gute Laune im Reitunterricht? Merkwürdig. Das denkt auch Frau Reitlehrerin und will der Sache auf den Grund gehen.

„Auf welchem Fuß trabst du denn leicht?“, erkundigt sie sich.

„Auf dem richtigen“, strahlt die sogenannte Besitzerin.

„Und wo ist der?“, hakt Frau Reitlehrerin nach.

„Irgendwo da unten“, antwortet die Frau und deutet mit dem Kopf gen Hallensand. „Auf dem falschen Fuß erwischt“ weiterlesen

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„Fühl doch mal!“

Das spanische Mähnenwunder im Sonnenschein

„Fühl doch mal“, lockt Frau Reitlehrerin, doch meine sogenannte Besitzerin verweigert sich. „Spür, wie die Bewegung durch deinen Körper hindurchfließt!“

Die Frau schüttelt bockig den Kopf. „Das fließt nicht, das fühlt sich irgendwie nach nix an. Außerdem ist Schritt reiten blöd und langweilig.“ Um ihre Aussage zu bekräftigen, zieht sie die Schultern hoch und guckt böse. „„Fühl doch mal!““ weiterlesen

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Auf der Suche nach Frau Reitlehrerin. Und einer Reitweise, die auch für Untalentierte geeignet ist.

Das spanische Mähnenwunder

Man glaubt es kaum, aber die Frau hat eine Freundin. Die ähnlich talentiert ist wie meine sogenannte Besitzerin, nämlich gar nicht. Und diese Freundin hat ein Pferd namens Horsti. Horsti durchlebt an ihrer Seite alle Phasen der reiterlichen Verirrungen, genau wie ich. Mit einem Unterschied: er hat keine Frau Reitlehrerin, die ihn vor den ärgsten Auswüchsen beschützt. Ich sage nur Piaffe! Aber das soll sich jetzt ändern, denn Horstis Besitzerin sucht eine neue Reitlehrerin.

„Letztens hatte ich eine Probestunde in der Akademischen Reitkunst“, erzählt sie gerade.

Reitkunst. Die Frau guckt neidisch. Reitkunst würde sie auch gern können. Und akademisch hört sich sehr gebildet an. „Auf der Suche nach Frau Reitlehrerin. Und einer Reitweise, die auch für Untalentierte geeignet ist.“ weiterlesen

In die Wendung drehen like a Fragezeichen

Das spanische Mähnenwunder läuft rum und findet sich schön.

Einmal einen schönen runden Zirkel hinkriegen und dann was anderes machen, das wärs doch. Statt dessen nötigt mich meine ungeschickte, aber hochmotivierte Besitzerin, auch bekannt als „die Frau“, zu einem Achteck nach dem anderen. Mit Ausbeulungen an Stellen, wo keiner mit gerechnet hat und wo definitiv auch keine hingehören. Nach der drölfzigsten Zirkelrunde erbarmt sich Frau Reitlehrerin, die zufällig gerade vorbeikommt, und bietet eine Spontanreitstunde an.

„Aha“, erwidert die Frau misstrauisch. Die will sich doch nur an mir bereichern, denkt sie. Laut fragt sie: „Wieso denn das?“

Frau Reitlehrerin strahlt: „Ich glaube, ihr habt euch da gerade festgefahren und da würde ich euch gern helfen.“

Bevor es noch schlimmer wird, denke ich und unsere Blicke treffen sich. „In die Wendung drehen like a Fragezeichen“ weiterlesen

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Die Frau will Spo-ho-horen

Der Lutschi guckt ganz traurig, weil die Frau mit Sporen reiten will.

Einmal so reiten wie die im Fernsehen oder auf den tollen Videos, das wär‘s doch. Warum klappt das bei allen anderen, nur bei ihr nicht? Die Frau, meine sogenannte Besitzerin, betreibt Ursachenforschung und kommt schnell darauf, was ihr dazu noch fehlt: Die Sporen. Klar, oder? Alle reiten mit Sporen. Nur sie darf das nicht.

In der nächsten Reitstunde konfrontiert sie Frau Reitlehrerin mit ihrem allerneuesten Herzenswunsch. Und wie sie es sich schon gedacht hat, ist die dagegen. War ja irgendwie klar. Frau Reitlehrerin reitet selbst nie mit Sporen. Wahrscheinlich hat sie noch nicht mal welche. Und sie soll jetzt darunter leiden. „Die Frau will Spo-ho-horen“ weiterlesen

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Die Frau federt mit den Absätzen. Also, fast.

Die Frau federt mit den Absätzen. Zumindest theoretisch.

Neulich im Reitunterricht: Das Wetter ist schön, der Himmel lacht, sogar meine sogenannte Besitzerin guckt nicht ganz so grimmig verspannt konzentriert wie sonst. Dann lächelt Frau Reitlehrerin freundlich und kommandiert: „Antraben, aussitzen.“

Und zack, schlechte Laune. Ich setze mich trotzdem folgsam in Bewegung. Ihr kennt mich: „Stets hilfsbereit“ ist mein zweiter Vorname. „Die Frau federt mit den Absätzen. Also, fast.“ weiterlesen

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„Du hast mir ins Atmen gequatscht!“

Kann nur atmen, wenn sie sich konzentriert: Die Frau

Neulich im Reitunterricht: Die sogenannte Besitzerin sitzt auf mir rum. Ihre Beine sind lang und locker, der Rücken gerade (kein Hohlkreuz!), der Unterkiefer ist entspannt (ihrer und meiner). Sogar an das Daumendach auf den weichen Zügelfäusten hat sie gedacht. Außerdem ist ihre Gehirnaktivität ungefähr bei null, was ich sehr angenehm finde. Dann werde ich wach und setze mich in Bewegung, weil ich Frau Reitlehrerin sehe und sie begrüßen will. „„Du hast mir ins Atmen gequatscht!““ weiterlesen

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„Achtung, da reit ich immer lang!“

Ja, so ist sie, meine sogenannte Besitzerin. Flexibel wie eine Bahnschwelle und mindestens genauso beweglich.
Es fängt schon damit an, dass alles immer in der gleichen Reihenfolge gemacht werden muss. Bei der kleinsten Abweichung von der täglichen Routine wird sie komplett wuschig.

Zum Beispiel gehen wir zu Beginn der Reitstunde immer zwanzig Minuten Schritt. Auf dem zweiten Hufschlag. Ganze Bahn.
Immer.

Ich weiß ja nicht, wie das bei euch so ist, aber mir schalten sich die Synapsen schon ab, wenn ich die Reithalle nur von weitem sehe.
Während die Frau den zweiten Hufschlag dadurch markiert, dass sie eine Bob-Bahn in den ansonsten makellosen Sand fräst, guckt sie streng geradeaus.

Aufmerksamkeit ist wichtig und Reiten eine ernste Angelegenheit, vor allem, wenn man so profilneurotisch ist wie sie. Wenn es einen Pokal für die langweiligste Aufwärmeinheit ever gäbe, würde sie ihn gewinnen. Jeden Tag aufs Neue.

Und Gnade Gott dem armen Wurm, der so leichtsinnig ist und es wagt, ihren immergleichen Weg zu kreuzen. Schließlich reitet sie da IMMER lang, das dürfte sich ja mittlerweile herumgesprochen haben.
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