Angst vor der Anlehnung

Es gibt ja wirklich tolle Wörter – Möhre zum Beispiel, oder Feierabend. Auch Leckerchen oder Braaav hört sich (in meinen Ohren zumindest) sehr gut an.

Anlehnung klingt erstmal auch schön – nach Kuscheln und Vertrauen und so. Tatsächlich ist es ja auch so, dass man sich irgendwo anlehnt und darauf vertraut, dass die Wand nicht umfällt. Oder das andere Pferd, mit dem man gerade Fellpflege betreibt. Zum Beispiel 😉

Beim Reiten hat das Wort Anlehnung eine zusätzliche Bedeutung – es bezeichnet die Verbindung zwischen meinem Maul und der kleinen krampfigen Hand der Frau. Ich finde das total unlogisch. Tatsächlich lehnt sich ja keiner von uns beiden irgendwo an, sondern die Frau hält sich schlicht und ergreifend an den Zügeln fest. So. Das musste jetzt mal gesagt werden.

Was die Frau kann, kann ich aber auch. Ich stütze einfach meinen Kopf und Hals auf dem Gebiss ab. Solange sie ungefähr 100 kg in der Hand hat, kommt sie wenigstens nicht auf irgendwelche dummen Ideen in Richtung zierliche Dressurlektionen. Außerdem bekommt sie so einen strammen Bizeps und kann sich auf dem Bau was dazuverdienen.

Frau Reitlehrerin kriegt dann immer die Krise. Nein, die Frau darf sich nicht an den Zügeln festhalten. Kein Stück. Gar nie nicht. Auch kein Itzi-Bitzi-Bisschen. Das macht die Frau ganz traurig, weil sie anscheinend weder Bauch- noch Rückenmuskeln, geschweige denn Körperspannung, hat und ohne Haltegriff oder Lehne nicht aufrecht sitzen kann. Zumindest nicht, wenn ich mich bewege.

Ich selbst darf mich im Übrigen nicht auf dem Zügel abstützen, sondern muss in anmutiger Selbsthaltung daherschweben. Ich bin dann auch immer traurig, weil diese Art der Fortbewegung natürlich anstrengender ist als wenn die Frau meinen Kopf für mich trägt.

Die Frau bereut es in solchen Momenten sehr, dass sie überhaupt mit dem Reiten angefangen und dann auch noch den Ehrgeiz entwickelt hat, es richtig zu machen, so in biomechanischer Hinsicht und überhaupt. Minigolf wäre doch auch ein schöner Sport, findet sie. Frau Reitlehrerin erwidert, beim Minigolf gäbe es so gut wie keine Pferde und praktisch keine pinken Satteldecken. Die Frau macht ein langes Gesicht und will doch weitermachen mit Reiten.

In der nächsten Reitstunde verfällt sie dann ins andere Extrem. Ich bekomme eine Westerntrense an und sie reitet mit komplett durchhängenden Zügeln, damit sie mich nicht im Maul stört. Das ist erstmal sehr pferdefreundlich gedacht, aber leider nicht hilfreich. Ich laufe nämlich wie ein rückenkranker Hirsch daher, da kann auch die inzwischen dezent braune Schabracke nix mehr retten. Die Frau will im Übrigen jetzt nur noch Schritt gehen und galoppieren, weil mein Trab sagenhaft unbequem ist, wenn ich den Rücken so wegdrücke 😉

Frau Reitlehrerin meckert sehr (auf konstruktive Art natürlich) und spricht davon, dem Pferd – also mir – mit dieser sagenumwobenen Anlehnung, unter der sich die Frau beim besten Willen nix vorstellen kann, einen Rahmen zu geben, damit ich den Rücken aufwölben kann. Was total gut für mich wäre und auch bequemer für die Frau. Die Frau merkt auf. Bequem ist gut. Gesund erst recht.

Frau Reitlehrerin erklärt weiter, das Ganze hätte mit Balance zu tun und Körperspannung. Schon wieder Körperspannung! Die Frau fühlt sich verfolgt. Es wäre auch wichtig, dass die Frau und ich beide im Becken abkippen, damit die Hinterbeine sich dorthin begeben, wo sie hin müssen, nämlich in Richtung unseres gemeinsamen Schwerpunkts. Guck an, da hat die Frau aber gestaunt, was sie alles mit ihrem Körper tun muss 😉 Und tatsächlich sollte sie bei diesem Unterfangen nicht mehr als das Gewicht der Zügel in der Hand halten. An dieser Stelle hätte sie beinahe wieder gemeutert und wäre um ein Haar doch zum Minigolf gefahren.

Frau Reitlehrerin hat sie beruhigt und dann mal kurz in die Zügel gegriffen und der Frau so demonstriert, wie sich das mit der Anlehnung anfühlen soll. Nämlich wie eine ganz nette, ganz leichte, gleichmäßige Verbindung, die aber (wichtige Info!) vom Pferd ausgeht.

Aha. Großes Staunen.

Frau Reitlehrerin erklärt weiter: Ein bißchen wie ein Vertrauen einflößender Händedruck, wobei „Druck“ schon zuviel ist. Man fühlt sich einfach. Und – ganz wichtig – die Anlehnung darf nie erzwungen werden. Die Hand ist einfach da und hält freundlichen, gleichmäßigen Kontakt. Wenn man sich die Hand gibt, gäbe es Menschen, die dem anderen die Hand zusammenquetschen. So nicht. Und dann gäbe es die, bei denen sich die Hand wie ein labberiger toter Fisch anfühlt und wo es ganz eklig ist. So auch nicht. Das Mittelding, das sich gut anfühlt, das wäre es. Aha, staunte die Frau. Ich glaube, sie kennt nicht viele Menschen, die ihr die Hand geben wollen 😉 Ist ja auch schwierig mit zwei linken Händen.

Die Frau guckt jetzt jedenfalls sehr nachdenklich und macht Trockenübungen mit einem Paar Zügeln, das der Mann am anderen Ende in der Hand hält. Ich glaube, er hat sie sehr lieb 😉

Lesetipp: Herzenspferd über die Anlehnung – wie sie sich anfühlt und wie man sie sich erarbeitet

Wasser marsch!

Jetzt bin ich ganz sicher: Die Frau hat es auf mich abgesehen. Sie hatte nämlich die irrwitzige Idee, auf mir im Regen rumreiten zu wollen mich bei Regen reiten zu wollen. Das ist doch bestimmt verboten, oder?

Was sage ich, Regen – eine Sintflut war es. Ein nasser Weltuntergang. Die Niagara-Fälle höchstpersönlich. Faxe sagt, er hätte nur darauf gewartet, dass Noah mit der Arche um die Ecke käme. Noah kenn ich, das ist ein Mini-Shetty bei uns im Stall, aber was ist eine Arche?

Keine Zeit zum Nachdenken, die Frau war nicht zu bremsen in ihrem blinden Aktionismus. Sie sattelte und trenste mich, während der Regen nur so aufs Stalldach prasselte, und meinte mit einem schelmischen Augenzwinkern, wir könnten dann wohl loslegen. Meinen entsetzten Blick quittierte sie mit einem Kichern. Immerhin bekam ich ein klitzekleines Regendeckchen übergezogen. Aber nicht aus Sorge um mein Wohlergehen, nein. Es ging nur darum, dass der Sattel nicht nass wird. Sie selbst hüllte sich in ihren geräumigsten Regenmantel und zerrte mich vor die Tür. Mein Hinweis, ich wäre eigentlich gar nicht wasserfest und auch sehr sensibel, wurde geflissentlich ignoriert.

Wir machten uns also auf den endlosen Weg in die Reithalle. Das sind bestimmt mindestens 500 Meter! Wenn es hart auf hart käme, könnte ich gar nicht so weit schwimmen. Dann müsste die Frau mich retten, so Baywatch-mäßig. Ich will aber nicht von ihr beatmet werden, lieber von jemand, der hübsch und nett ist 😉

Unterwegs kam uns Treibholz entgegen. Kleine Flöße und Boote mit Tieren darauf auch 🙁 Das war ihr aber alles egal, sie kannte kein Erbarmen. So kam es, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben freudig (!) in die Reithalle GETRABT bin. Da seht ihr mal, was eine grausame Besitzerin aus einem machen kann.

So richtig schön war es in der Halle dann auch nicht, weil sie sich zügig auf meinen Rücken (und in den trockenen Sattel) geschwungen hat und partout Kringel reiten wollte. Ich meine natürlich, an Stellung und Biegung arbeiten, auf großen und kleinen gebogenen Linien 😉 Es wurden dann aber doch nur misslungene und insgesamt sehr unschöne Kringel in verschiedenen Größen, wobei sie es sich mit der Lenkung ziemlich einfach gemacht hat.

Frau, Frau, Frau! Am inneren Zügel ziehen ist keine korrekte Hilfengebung! Schon mal was von innerer Schenkel, äußerer Zügel gehört? Und am Zügel ZIEHEN geht ja nun mal gar nicht – die Hand bewegt sich nach vorn, seitwärts oder auch nach oben, aber niemals rückwärts. Wieder nicht aufgepasst, gell? Gottseidank war Frau Reitlehrerin nicht anwesend, sonst hätte sie einen Abriss bekommen, der sich gewaschen hat.

Zum Glück hält der Arbeitseifer der Frau nie lange an, so dass wir nach nicht allzu langer Zeit wieder durch den Schütteregen in Richtung Box und Abendessen marschierten. Und da hatte die arme Frau doch tatsächlich das Pech, in eine richtig, richtig tiefe Pfütze reinzupatschen, durch die ich nicht gehen wollte. Ich gebe zu, ich hatte darauf spekuliert, dass sie vorgehen würde, um mir zu zeigen, dass ich mich anstelle und dass das Wasser gar nicht tief ist. Jetzt sucht sie nach trockenen Schuhen zum Wechseln 🙂

Die Sache mit dem Sitz

Ein Porträt von Pfridolin Pferd

Wie gern würde die Frau elegant und geschmeidig in graziösen Traversalen durchs Dressurviereck schweben. Oder überhaupt mal elegant und geschmeidig auf dem Pferd sitzen, ganz zu schweigen von irgendwelchen Lektionen (oder gar Schweben) 😉

Aber irgendwie hat sich alles gegen sie verschworen. Kaum erinnert sie sich daran, dass der Stuhlsitz, in dem sie sich so wohlfühlt, nicht das Nonplusultra der klassischen Reitkunst ist (um es mal vornehm auszudrücken, hehe), kippt sie vornüber in einen nicht minder hässlichen Spaltsitz. Das hat zweierlei zur Folge: Zum einen hängt jetzt erheblich mehr Gewicht auf meinen zarten Schultern, so dass ich einen weiteren Grund habe, mich nicht vorschriftsmäßig mit
Bergauf-Tendenz fortzubewegen, zum anderen bestraft sie sich selbst. Sie hat sich nämlich auf der Stallgasse darüber beklagt, dass der Spaltsitz an bestimmten Teilen der weiblichen Anatomie ein Unwohlsein hervorruft. Macht aber nix, denn sie lernt ja nicht daraus. Dann kann es nicht so schlimm sein.

Wir begeben uns also auf die Suche nach der korrekten Position der Sitzbeinhöcker. Faxe meint, die Dinger heißen so. Das sind diese Knochen, die die Frau mir ins Kreuz drückt. Die Frau schwankt wie ein angeschickerter Mehlsack vor und zurück. Dabei gehen natürlich auch die Beine auf Wanderschaft – ihre, nicht meine. Ich schlafe bei sowas grundsätzlich ein.

Die Frau streckt nämlich ihre kurzen Beinchen entweder zu weit nach vorn oder zu weit nach hinten. Entspanntes Hängenlassen, wie von Frau Reitlehrerin gefordert, geht irgendwie nicht. Gottseidank reagiere ich auf so ungeschicktes Beinwackeln nicht mit Fluchttendenzen, sonst käme ich aus dem Rennen ja gar nicht mehr raus. Ich döse also weiter und warte auf die nächste Tiefschlafphase darauf, dass oben endlich mal Ruhe einkehrt. Es gibt ja noch andere spannende Dinge, die sie hinkriegen muss: Ihren Oberkörper aufrichten, ohne sich zu verspannen, zum Beispiel. Wir können da schon zweierlei: Totales Sich-hängen-lassen, passend zu meiner Motivation, und dynamisch-krampfiges Sich-fest-machen. Ich glaube aber, dass das Frau Reitlehrerin noch nicht genügt. Sie will lieber die Quadratur des Kreises irgendwas dazwischen. Na ja, gut für mich. Kann ich weiter schlafen, bis Frau Reitlehrerin der Frau solche ungewohnten Aggregatzustände entlockt hat.

Die Frau versucht zeitgleich, ihre Oberschenkel einzudrehen, so dass sie nicht mehr wie eins der kurzbeinigen Kinder auf diesen lustigen Thelwell-Zeichnungen aussieht. Ihr wisst schon: Die Zehen so nach außen weggestreckt. Faxe und ich finden das schade, denn es sieht im Reithallenspiegel immer sehr lustig aus. Aber sie kriegt es nur für Sekundenbruchteile hin, so dass wir noch länger was zu lachen haben werden. Und schließlich werden ihre Beine immer so kurz bleiben 😉

Das alles ist so aufregend, dass sie komplett zu atmen vergisst. Ohne Frau Reitlehrerin wäre sie bestimmt schon erstickt. Ich fände das doof, denn ohne sie wäre es hier nur halb so lustig. Außerdem tröstet sie mich immer oft, wenn meine Boxennachbarin Else wieder besonders garstig zu mir war.

Die Frau kriegt also wieder Luft, hurra. Sie versucht es ganz doll weiter, und wenn sie es dann endlich so halbwegs hinkriegt und zusätzlich noch ein winziges bisschen Körperspannung aufgebaut hat, bewege ich mich und der ganze schöne Sitz ist wieder kaputt. Frau Reitlehrerin spricht in solchen Momenten gern vom harmonischen Mitgehen mit der Bewegung des Pferdekörpers und davon, dass der Sitz nicht statisch wäre, sondern dynamisch und funktional sein sollte. Nicht schablonenhaft und starr. Dann tut mir die arme, ungeschickte Frau sogar ein bisschen leid. Aber nur ein bisschen, weil ich sie ja schließlich dabei rumschleppen muss! Sie hat bestimmt wieder doppelt Heu gegessen, das kleine Moppelchen.

Auf der anderen Seite muss man das auch positiv sehen: Während sie sitzen übt, stehe ich die meiste Zeit rum (rumstehen kann ich nämlich super) und hole meinen versäumten Nachtschlaf nach. Seit Else wieder auf Diät ist, krieg ich nachts kein Auge mehr zu, weil sie jetzt immer schlechte Laune hat und permanent rumstänkert. Gut, dass es Reitunterricht gibt 😉

Und das soll Spaß machen?

Ein trabendes Pferd

Die Frau und der Mann waren am letzten Wochenende als Zuschauer auf einem Turnier. Allein, das heißt, zusammen mit zirka 100 anderen Wahnsinnigen, die sich freiwillig in die glühendheiße Sonne stellen, um ein paar schwarz-weiß gekleideten Menschlein und ihren Pferden beim Schwitzen zuzusehen, aber ohne mich. Gottseidank 🙂

Konrad, das nicht ganz so schlaue eingebildete Sportpferd, meint natürlich, sie wären nur wegen ihm da hingefahren. Er hatte wohl einen Auftritt im Belustigungsprogramm Start in irgendeiner Dressurprüfung und kommt sich vor wie Totilas, nur, dass der mit Sicherheit nicht jeden Tag auf die Wiese darf 😉

Fairerweise muss ich auch noch erwähnen, dass sich Konrad – anders als zum Beispiel Totilas – taktrein bewegt. Sprich: Bei ihm passen die Bewegungen der Hinterbeine zu denen der Vorderbeine, was natürlich nicht ganz so spektakulär aussieht wie der Strampeltrab, den man Totilas andressiert hat. Dafür ist das aber der gesündere und letztlich pferdeschonendere Bewegungsablauf. Mit anderen Worten: Konrad redet dummes Zeug 😉

Egal, er kam sich total wichtig vor und hat sich den ganzen Morgen Sorgen um seine Frisur eingeflochtene Mähne gemacht. Ob die Zöpfchen gleichmäßig wären und ob die neuen Mähnengummis mit dem Strass wohl halten würden. Dann hat er noch mit seinen neuen Transportgamaschen und dem farblich passenden Heunetz angegeben und von der tollen Turnierschabracke gefaselt. Von seiner Lieblingsmarke. Mit Glitzi und Silber. Wir waren alle froh, als endlich der Pferdehänger vor der Tür stand und mit Konrad weggefahren ist.

Die Frau und der Mann waren schon früher losgefahren. Die Frau guckt nämlich gern beim Abreiten zu und außerdem gibt es auf Turnieren immer so praktische Verkaufsstände. Das ist toll, wenn man plötzlich sonntags notfallmäßig eine neue rosa Putzkiste braucht. Zum Beispiel. Mann und Frau gingen also einträchtig zum Abreiteplatz. Ab da schieden sich die Geister.

Man war sich wohl noch darüber einig, dass es sehr warm und sonnig war. Ansonsten gingen die Meinungen deutlich auseinander – die Frau war begeistert von den Lacklederreitstiefeln, der Mann fand die gezeigte Reiterei bei vielen Reitern grottig, und zwar geschlechtsunabhängig. Sonst denkt man ja schon mal, Männer wären ruppiger als Frauen, aber seit ich Else kenne, hat der Begriff „Stutenbissigkeit“ eine neue Bedeutung 😉 Die Damen und Herren hantierten zum Teil sehr energisch mit den Zügeln und die meisten Pferde sahen sehr unfroh aus. Auch die zugeschnürten Pferdemäuler fielen ihm unangenehm auf. Die Frau dagegen hatte nur Augen für Lackreitstiefel mit Strassbesatz – „Guck mal, die gibt’s auch in Krokoprägung!“ – oder die hübschen Stirnbänder.

Schlussendlich wollte sie sich aber auch nicht mehr die Prüfung angucken, weil sie das Abreiten auf den zweiten Blick doch furchtbar unharmonisch fand. Besonders an eine Reiterin hat sie sich erinnert, die zwar wunderbar viel Strass an sich und ihrem Pferd angebracht hatte, es aber permanent so dermaßen im Maul störte, dass das arme Tier beim besten Willen nicht wusste, wie es seinen Hals noch einrollen sollte, um den dauernden Attacken zu entgehen. Konrads Reiterin ist glücklicherweise nicht so eine. Sie ritt auf dem Abreiteplatz genauso schön wie Zuhause, und Konrad muss wohl locker-flockig gelaufen sein, mit fleißiger Hinterhand, schön rund und die Nase leicht vor der Senkrechten.

Das wird sie mir jetzt wieder wochenlang erzählen und mich fragen, warum ich nicht auch so schön laufe und es ihr bequem mache. Vielleicht tu ich ihr ja zwischendurch den Gefallen, aber nur, wenn grade keiner guckt 😉

Jetzt aber mal ganz ehrlich: Dieses verbissene Sportreiten, das macht doch keinem so wirklich Spaß, oder? Die ReiterInnen gucken total angespannt, obwohl die ja die Sporen nicht in den Bauch gepiekst kriegen. Warum eigentlich? Es geht doch meistens um nix außer ein Schleifchen und Geld für Möhren. Da muss man seinem Pferd doch das Maul nicht so zuschnüren, dass es noch nicht mal seinen Speichel runterschlucken kann. Auch wenn der Trainer oder die Freundin mal gesagt haben, das müsste so sein. Ich bin jedenfalls ganz froh, dass keiner von meinen Freunden so geritten wird. Auch wenn das bedeutet, dass ich gerade eben den doofen Konrad zu meinem Freund ernannt habe 😉

Lesetipp: Bei Fair Riding Corp gehts auch um Turnierreiter. Es scheint da außer Dressurzicken noch andere Sorten zu geben 🙂

Turnstunde für Steifftiere

Ich wälze mich im Sand. Das ist irgendwie auch Turnen. auch

Bei uns wird jetzt geturnt. Ich hoffe, die Frau verletzt sich nicht. Sie hat doch so gar keine Körperkontrolle, wie leicht tut man sich da weh.

Frau Reitlehrerin hat nämlich beschlossen, dass die Frau, die ja bekanntlich ein Bewegungswunder ist, zumindest ein rudimentäres Körpergefühl entwickeln sollte, das heißt, sie sollte im Ansatz wissen, wo sich ihre Körperteile gerade aufhalten, und zwar nicht nur beim
Auf-dem-Sofa-sitzen, nein, auch beim Reiten. Auf einem sich bewegenden Pferd. Eventuell sogar im Trab und Galopp 🙂

Sie behauptet immer, das käme vom Büro. Sie würde den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen und am PC und gleichzeitig telefonieren und dann wäre man halt so steif wie sie. Komisch nur, dass andere Reiterinnen, die auch im Büro arbeiten, nicht ganz soviel Eigendynamik in ihren Armen und Beinen haben. Das sind übrigens die, die nicht die ganze Zeit an den Zügeln rumzuppeln und die Beine einfach nur ruhig runterbaumeln lassen 😉

Faxe sagt, die Dinosaurier hatten zwei Gehirne – eins im Kopf und eins im Schwanz. Weil die ihren Körper ansonsten gar nicht hätten bewegen können. Vielleicht wäre das ja was für die Frau – ein Extragehirn für die Arme und eins für die Beine ?

Bis es soweit ist, wird aber geturnt. Glücklicherweise macht sie das meiste ohne mich und ich muss nur bei wenigen Übungen mithelfen, zum Beispiel beim Radfahren. Dabei sitzt sie auf mir drauf und strampelt mit den Beinen wie beim Radfahren, vorwärts und rückwärts. Die anderen Pferde haben vielleicht geguckt, als sie das gesehen haben. Peinlich, sag ich euch. Jetzt hab ich ja glücklicherweise ein weißes Bein und bin erstmal vom Turnunterricht befreit 🙂

 

Ferien oder: Ein Haflinger namens Rosa

Ein Haflinger namens Rosa

Die Frau macht Urlaubsvertretung für eine Freundin und darf deren Pony reiten. Das ist gut, weil ich jetzt mehr frei habe. Und weil die Frau denkt, ich wäre eifersüchtig und mir deshalb mehr Möhren gibt.

Die Frau ist in letzter Zeit ganz jeck darauf, andere Pferde zu reiten, und Rosa liebt sie schon allein wegen ihres Namens. Sie will sich nämlich beweisen, dass es nicht an ihr liegt, wenn es bei uns beiden nicht klappt. Wie sagt man so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt Seit ihrem letzten Buch über positives Denken meint sie nämlich, sie könnte reiten 😉

Die Frau ist also eifrig um das rosa Urlaubsvertretungspony bemüht und reitet täglich darauf herum es täglich. Das klappt mal mehr, mal weniger gut. In letzter Zeit weniger gut bis gar nicht, weil Rosa, die Haflingerstute (das musste doch irgendwie nicht sein, dass die so heißt, oder?) sich zunehmend schlechter an das korrekte Reiten ihrer Besitzerin erinnert. Bei der Frau kommt sie nämlich mit ihren kleinen Ungenauigkeiten und Mogeleien durch. Die merkt das gar nicht, wenn Rosa (dieser Name!) schummelt.

Rosa ist eigentlich ein weit ausgebildetes und sportliches Pony und wird von ihrer Besitzerin sehr fein und gut geritten. Seitengänge zum Beispiel sind mit minimalen Hilfen abrufbar. Wenn es denn die richtigen sind. Tja.

Wenn die Frau Rosa reitet, sieht das… hm… anders aus. Am ersten Tag ging es noch. Da lief Rosa artig mit fleißiger Hinterhand und schöner Aufrichtung, auf Wunsch auch in Dehnungshaltung. Davon ist inzwischen nicht mehr viel übrig. Das Bäuchlein hängt nach unten durch und die Hinterbeine schlurfen traurig durch den Sand. Zum Ausgleich sind Hals- und Rückenmuskulatur aktiv – der Unterhals wird rausgedrückt und der Rücken ist weg 😛 Rosa läuft also momentan wie ein schwangerer Hirsch durch die Gegend. Weil sie so sitzbequem ist, merkt die Frau das gar nicht. Sie thront stolz wie Oskar obendrauf und findet sich toll.

Mit anderen Worten: Sie kann jetzt auf neue Art nicht reiten 🙂 Zuerst war es nämlich immer meine Schuld, wenn irgendwas nicht geklappt hat. Dann gab es regelmäßig im Urlaub Exkursionen in andere Reitstile, so dass wir nun beide – ich wiederhole: BEIDE – wissen, dass sie insgesamt nicht englisch reiten kann, nicht Western und auch nicht klassisch – barock. Ach so, und tölten kann sie natürlich auch nicht. Sobald sie in einer weiteren Reitweise gescheitert ist, lasse ich es euch natürlich sofort wissen 😛

Let’s Dance

Pferdekopf im Profil, mit Trense. Die Zügel baumeln.

Die Frau hatte letztens wieder Reitunterricht. Natürlich war ich mit dabei, um sie auf ihre Fehler hinzuweisen. Das ist eine Absprache zwischen Frau Reitlehrerin und mir. Ich sage sofort Bescheid, wenn was nicht stimmt, und dann wird erklärt und ich habe solange Pause.

Ich habe oft Pause 🙂

Dieses Mal ging es um die Zügelführung. Man sollte meinen, die Frau hätte noch nie was in der Hand gehalten, so doof wie sie sich anstellt. Entweder rutscht ihr der Zügel sofort aus den Fingern, weil sie sich auf was anderes konzentriert, z. B. atmen – nein, wir sind nicht multitaskingfähig – , oder ihre Hände verkrampfen zu kleinen Eisenfäustchen.

Frau Reitlehrerin sprach von einer weich geschlossenen Faust und einer elastischen Verbindung. Auch von Kommunikation sprach sie viel. Leider sprechen die Hände der Frau einen seltenen chinesischen Dialekt, ich werde daraus nämlich nicht so recht schlau 😉

Frau Reitlehrerin erwähnte auch Tanzen. Wow, Tanzen. In Gedanken sah ich uns schon leichtfüßig durchs Dressurviereck schweben, quasi wie von Zauberhand bewegt. Ich, groß, stark, männlich, kraftvoll und doch elegant, und sie fein und dezent in Sitz und Hilfengebung. So tangomäßig. Oder sonstwie feurig 😉 Dann wurde ich wach. War wohl während einer dieser dauernden Pausen kurz weggedöst. Aber grundsätzlich ein tolles Konzept, oder? Wäre da nicht die Frau 😉

Mir fiel nämlich ein, dass sie auf der Stallgasse von ihrer Zeit beim Kinderballett gesprochen hatte. Anscheinend stellte sie bei den jährlichen Aufführungen immer einen kleinen Fliegenpilz dar, der irgendwo hinten in der Ecke sitzt. Sicher wegen ihrer sehr speziellen Ungeschicklichkeit Begabung 😉 Und dabei ist es eigentlich auch geblieben.

Immerhin, sie bemüht sich. Sehr sogar. Um eine aufrechte Haltung, geschmeidigere Bewegungen und manchmal auch um Körperspannung. Sie macht es, so gut sie kann und sie bezahlt Frau Reitlehrerin dafür, dass sie auf mich aufpasst und mit ihr schimpft sie nett korrigiert.

Und mal ganz ehrlich: Wäre sie das totale Sporttalent, müsste ich ganz sicher auch viiieel mehr arbeiten. Vielleicht sogar auf Turniere gehen, wie son richtiges Sportpferd. Da ist es doch so, wie es ist, viel schöner 🙂 Wir passen eigentlich schon ganz gut zusammen, sie und ich.

OK, gibt’s halt keinen Tango. Versuchen wir stattdessen Gangnam Style 🙂