Das tolle neue Reitpad

„Guck mal, ist das nicht mega?“ Verliebt streichelt die Frau, meine sogenannte Besitzerin, die Neuanschaffung.

„Ein Reitpad“, konstatiert Frau Reitlehrerin eher unaufgeregt.

„Ja, aber sooo schön! Und viiieeel billiger als ein neuer Sattel! Und die Farbe ist toll, die passt super zu den neuen Stiefeln, die ich mir als nächstes kaufe, weil ja noch Geld übrig ist. So ein helles Braun, weißt du?“

Frau Reitlehrerin und ich lassen das mal auf uns einwirken. Lang kann es nicht dauern, bis die sogenannte Besitzerin weiterspricht, die ihr Herz ja ohnehin auf der Zunge trägt. Und schließlich: Wenn das Herzchen voll ist, weil man so wunderbare Dinge gekauft hat und damit sogar noch weitermachen will, soll es die ganze Welt wissen.

„Weil ich nämlich den Rücken und die Muskeln vom Pfridolin besser spüren will und man so viel feiner reiten kann. Und weil das bei den anderen im Netz immer so toll aussieht. Hier zum Beispiel. Und hier.“ Sie hält Frau Reitlehrerin das Smartphone unter die Nase. Die bestaunt wunschgemäß elfenhaft schlanke Frauen, die locker und geschmeidig wie neunjährige Kinder auf ihren Pferden sitzen.

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„Wie locker die sitzen!“, findet auch die sogenannte Besitzerin. „Das liegt bestimmt nur an den Reitpads. Du sagst ja selbst, dass es für den Pfridolin schöner ist, wenn man locker und fluffig sitzt als wenn man sich verkrampft und angespannt ist, und da hab ich mir gedacht, ich kaufe so ein Reitpad und dann geht das von ganz allein.“ Freudestrahlend sieht sie uns beide an.

Frau Reitlehrerin lächelt ein pädagogisches Lächeln. „Grundsätzlich ist es ja so, dass sich ein Pferderücken bewegt und dass von daher ein flexibler Sattel Sinn macht, weil er der Bewegung besser folgen kann als ein Sattel mit einem starren Sattelbaum.“

Die Frau fühlt sich bestätigt und nickt.

„Andererseits verteilt ein Sattelbaum bei einem gut angepassten Sattel das Reitergewicht gleichmäßiger als wenn man ohne Sattel oder mit einem Pad oder baumlosen Sattel reitet. Das ist dann fürs Pferd angenehmer als wenn es längere Zeit starken punktuellen Druck fühlt.“

Die Frau guckt verständnislos.

„Setzt dich mal auf einen Stuhl und leg deine Handflächen unter den Po, so dass du spürst, was ein Pferderücken spürt. Das spitze, was rechts und links so unangenehm drückt, sind deine Sitzbeinhöcker. Und da kann man sich leicht vorstellen, wie das für den Pferderücken ist und was manche Pferde ertragen müssen.“

Ertragen, im wahrsten Sinn. Ich gucke die sogenannte Besitzerin vorwurfsvoll an.

„Vorteil: man kann sehr differenziert und sehr fein über den Sitz einwirken. Nachteil: wenn man es nicht kann, ist es für das Pferd auf Dauer unbequem. Und man sitzt durch den Kauf eines Sattelpads oder eines baumlosen Sattels nicht automatisch besser, ganz im Gegenteil. Aber das können wir ja gemeinsam im Unterricht herausfinden.“ Frau Reitlehrerin strahlt.

Und dann ist der große Tag endlich da, an dem das schicke neue Reitpad eingeweiht wird.

Ich parke brav an der Aufsteighilfe ein. Die sogenannte Besitzerin (also jetzt eigentlich Möchtegern-Aufmirrumsitzerin) hüpft kraftlos an mir hoch. „Und wie komme ich da jetzt rauf?“

Frau Reitlehrerin erbarmt sich und hievt sie hoch. Ja, das Frauchen wiegt halt keine zwanzig Kilo. Schon lange nicht mehr. Und so ganz allgemein ist das Verfallsdatum auch schon länger abgelaufen, was sie selbst merkt, als ich mich in Bewegung setze. Zuerst aber nicht. Zuerst fühlt sie sich wie zwölf. Dann mache ich den ersten Schritt. Und los geht’s.

„Wieso ist das denn so unbequem? Wieso??? Hilfehilfe, ich rutsche. Hilfe! Ach nein, doch nicht.“ Weil das sensationelle neue Reitpad eine ABS- Beschichtung hat, womit die sogenannte Besitzerin an mir klebenbleibt. Und da pappt sie nun auf meinem Rücken, stößt spitze Schreie aus und freut sich, wenn ich stehenbleibe. Das ist nämlich am wenigsten unangenehm. Ich persönliche freue mich, dass das ganze weniger anstrengend ist als ihre sonstigen Reitversuche. Also von daher: Läuft für mich.

Bild: Pezibear, Pixabay

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