Die Frau, der Schlangenmensch

Die Frau kann sich vielleicht verrenken. Unsere Reitlehrerin wundert sich auch immer wieder. Ich muss das kurz erklĂ€ren: Eigentlich kriegt nur die Frau Unterricht, ich kann das ja schon alles 😉

Es gibt genau eine Möglichkeit, es richtig zu machen, und ungefĂ€hr eine Million viele Möglichkeiten, es nicht hinzukriegen, und die Frau kennt sie ALLE. Ich kann auch schon alle Korrekturen auswendig. Meist fĂ€ngt es an mit „innerer Schenkel, Ă€ußerer ZĂŒgel“. Danach kommt „langes Bein“. Da kann Frau Reitlehrerin aber sagen, was sie will, die Stummelbeine der Frau wachsen einfach nicht mehr. Die bleiben so kurz.

Dann hĂ€tte ich noch „nicht ziehen“ und „weiche ZĂŒgelverbindung. Weich! Noch weicher!!“ SpĂ€testens jetzt kriegt die Frau einen komischen Gesichtsausdruck und vergisst zu atmen. 🙂 Wenn sie wieder Luft kriegt, fĂ€ngt sie an zu schimpfen, dass sie nur deshalb so unkoordiniert wĂ€re, weil sie sich beim Ausmisten so angestrengt hĂ€tte und ich ein solches Ferkel wĂ€re. Frau Reitlehrerin geht nicht darauf ein.

Inzwischen sind die AbsĂ€tze wieder hochgewandert. Jetzt kommt “Absatz tief“. Ok. AbsĂ€tze sind tief, dafĂŒr ist sie jetzt in der HĂŒfte eingeknickt und hat zusĂ€tzlich die Schultern verdreht. Wir sind ĂŒbrigens immer noch im Schritt 😉

Also: Pause und einmal den Körper durchsortieren. Ich schlafe wĂ€hrenddessen. Ach so, es geht weiter. Nee, doch nicht. Frau Reitlehrerin demonstriert, wie sich die Anlehnung anfĂŒhlen soll. ZĂŒgelgewicht, mehr nicht. Ich traue mich nicht, weiterzuschlafen, weil Frau Reitlehrerin direkt neben mir steht.

Achtung, jetzt geht’s wirklich weiter. Wir kommen zu Rechts- und Linksstellung. Meine Augenlider werden schwerer und schwerer. Und die Hinterbeine erst! Frau Reitlehrerin hat es leider gemerkt (die Frau nicht ;)) Frau Reitlehrerin weist die Frau darauf hin, dass sie mehr Körperspannung braucht. Finde ich auch. Sie fĂŒhlt sich an wie ein nasser Mehlsack. Jetzt wird es etwas besser. Ach nee, sie hat nur wieder vergessen zu atmen 😉

Oh. Die nĂ€chste Korrektur: „Leicht die flache Wade ans Pferd legen!“ Weil die Frau sich heimlich schon wieder verdreht hat, wird wieder angehalten und der Körper durchsortiert. Ich döse kurz weg. Frau Reitlehrerin zeigt der Frau, wie das Bein liegen und wieviel Druck ausgeĂŒbt werden soll. Ok, Anreiten. Jetzt ist sie nicht mehr locker, Frau Reitlehrerin und ich beschließen aber, das zu ignorieren. Wenn ich nĂ€mlich tagsĂŒber so viel rumstehe und schlafe, krieg ich nachts kein Auge zu 😉

Und so geht’s weiter. Wir kommen auch in jeder Stunde zu Trab und Galopp, aber verbunden mit soviel ErklĂ€r- und Sortierpausen, dass ich nicht ernstlich ins Schwitzen komme. Dressurunterricht bei Frau Reitlehrerin ist toll 🙂

Jetzt ĂŒberlege ich, ob man die besonderen Talente der Frau nicht noch anders nutzen könnte. Vielleicht kann ich sie an eine Pferdeshow verkaufen? Als Clown? 😉

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