Türchen Nr. 5: Advent, Advent, der Faxe rennt

Kennt ihr Faxe? Faxe ist ein philosophischer Tinker und mein bester Freund. Kennt ihr auch Advent? Das ist, wenn man für die Weihnachtsquadrille übt und jeden Tag ein Türchen am Adventskalender öffnet. Weil Faxe und ich bei der Weihnachtsquadrille mitmachen, ist mein flauschiger Freund im Moment etwas flotter unterwegs als sonst.

Aber davon später mehr, erstmal zu den Gewinnen. Das heutige Türchen des PferdeStärken-Adventskalenders gehört nämlich mir, und das hier könnt ihr gewinnen:

Es gibt ein Flauschi-Halfter in Pink, DER Modefarbe in diesem Winter. Pink ist nämlich das neue Schwarz, sagt Trendscout Faxe. Ihr seht das Prachtstück oben auf dem Foto. Zweifach verstellbar und mit schickem Karo an Hals und Genickstück (außen) und mit weichem Fleece in Pink unterlegt (innen). Faxe hat es selbst ausgesucht und meint, es würde euch bestimmt gefallen. Bitte gewinnt es, damit ich es nicht aus Versehen angezogen kriege! Bisher konnte ich es vor der Frau verstecken, aber wer weiss, wie lang das noch gut geht 😉

Außerdem könnt ihr noch 3 x eine lebenslange Premiumversion der ReiterApp gewinnen – für mehr Durchblick beim Reiten und damit ihr beim nächsten Ausritt nicht so orientierungslos durch die Gegend irrt wie die Frau 😉

Was ihr dafür tun müsst: Diesen Beitrag kommentieren und mir die gewünschte Halftergröße verraten. Oder mich (mit Halftergröße!) über das Kontaktformular weiter unten anschreiben, und zwar bis einschließlich 7.12. Unter allen Teilnehmern werden am 8.12. vier glückliche Gewinner ausgelost (der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen, was auch immer das heißen mag).

Weil es anderen Pferden wesentlich schlechter geht als Faxe und mir, haben wir uns mit anderen Pferdeseiten zur Aktion PferdeStärken zusammengetan und uns diesen Adventskalender ausgedacht. Wir haben Spenden gesammelt und unterstützen damit Equiwent e. V. – Schmiede ohne Grenzen. Equiwent hilft grenzüberschreitend Pferden in Not, vor allem den Arbeitspferden in Rumänien.

Wir bedanken uns bei unseren großartigen Sponsoren Barefoot und der Reitarena Österreich, ohne die das alles nicht möglich gewesen wäre. Deshalb hier ein kurzer Werbeblock für die, die beides noch nicht kennen: Barefoot-Sättel sind baumlose Sättel, die sich flexibel dem Pferderücken anpassen und eine Wirbelsäulenfreiheit haben, das heisst, die empfindliche Wirbelsäule wird vor Druck geschützt. Ich habe schon gehört, dass die Dinger ganz schön bequem sein sollen und dass einen da nichts einzwängt.

So, und jetzt zum Vergnügen: Bei der Reitarena Austria dreht sich alles um Reiturlaub in Österreich und Südtirol. Wichtig: Alle Betriebe sind qualitätsgeprüft, damit es dort nicht nur den Menschen, sondern auch den Pferden gut geht. Es gibt Angebote für jeden Geschmack und jede Reitweise. Da kann man sicher auch dieses Wanderreiten machen, das der Frau so gefällt. Ja, ich spreche von derselben Frau, die sich zuhause nicht ins Gelände traut. Noch Fragen? 😉

Aber auch andere haben gespendet und geholfen, zum Beispiel die ReiterApp und die Redewerft. Dort kann man Reden und Worte aller Art in Auftrag geben. Ich habe aus zuverlässiger Quelle gehört, dass man da auch schon glückliche Reiterehen eingefädelt und Hochzeiten ausgerichtet hat 😉 Da die Reiterkarriere der Redewerft leider schon früh in einem Schlammbad endete, die Pferdeliebe aber dennoch bestehen blieb, füttert sie bis heute gern befreundete Pferde mit Äpfeln. Ich finde, das macht sie gut. Und nein, natürlich werden keine fremden Pferde ohne Erlaubnis gefüttert, siehe hier.

Dankeschön, ihr seid ganz schön toll!

Ansonsten bereiten wir uns auf Weihnachten vor. Das ist super, weil man dann Tannenbäume essen kann, und zwar beim Reiten. Unsere Reithalle ist im Dezember immer mit Tannenbäumen geschmückt, und zwar ringsum und in angenehmer Fresshöhe. Man kann sich ganz bequem in allen Gangarten bedienen. Eigentlich schade, dass das nur im Dezember passiert, denn Faxe und ich haben das ganze Jahr über Hunger. Aber man kommt leider nur vom ersten Hufschlag aus dran, und sowohl die Frau wie auch Frau Reitlehrerin finden es suboptimal, wenn ich mich ständig unaufgefordert nach außen stelle. Komisch, sonst wollen sie immer, dass ich kaue und den Unterkiefer entspanne.

Unsere Weihnachtsquadrille macht trotz aller Bemühungen meiner Reiterin Fortschritte. Meine Ex-Freundin Else ist meine Quadrillenpartnerin. Wir beide sind für den dynamischen Teil zuständig, weil wir zwischendurch immer mal was auszudiskutieren haben und die Frau bekanntlich nicht so ganz auf der Höhe ist, wenn es um vernünftiges Reiten ums Reiten geht. Wie man an meiner Mähne sieht, kann sie auch nicht geradeaus gucken, von daher wundern mich ihre Lenkmanöver fast gar nicht mehr 😉

Faxe dagegen bildet die Nachhut und versucht halbherzig, mit Lotta, einer kugeligen Ponydame, Schritt zu halten. Lotta ist Faxe von der Figur her sehr ähnlich, aber wesentlich schneller als er. Zuerst hat er sich noch mehr Mühe gegeben, mit ihr mitzuhalten, aber jetzt vertritt er öffentlich die Theorie, seiner Partnerin würde es an der nötigen inneren Ruhe und vor allem am Geist der Weihnacht fehlen, was auch immer das ist. Also schnauft er wie eine kleine Lokomotive hinter der flotten Lotta her, was ihn aber nicht daran hindert, Else feurige Blicke zuzuwerfen. Weihnachten, das Fest der Liebe. Ich bin mir aber sicher, dass Else nur mich liebt, denn sie hat mir gerade zugezwinkert. Faxe meint, sie hätte in Wirklichkeit nur was im Auge gehabt. Er ist manchmal so unromantisch.

Was unsere Ausstattung betrifft, ist laut Frau Reitlehrerin Rot-Weiss angesagt. Also nicht fürs Üben, sondern für die große Show am ersten Weihnachtsfeiertag. Beim Üben dürfen wir alles tragen, was wir unsere Reiterinnen wollen. Alles, das heißt alles außer den Glöckchendingern, die mir beim Anprobieren soviel Spaß gemacht, aber die anderen fast in den Wahnsinn getrieben haben. Schade, denn beim Probelauf bin ich damit so wunderbar beschwingt umhergetanzt, dass Totilas ein Nichts dagegen war. Der Frau wurde es daraufhin ganz anders und sie hat beschlossen, dass ihre schwachen Nerven so ein Gehopse nicht vertragen dass das Glöckchengebimmel die anderen Reiter und Pferde zu sehr irritieren würde. Ich musste habe das eingesehen und bin froh, dass man die Frau (und die anderen Quadrillenreiter) so leicht glücklich machen kann 🙂

Vielleicht ist das der wunderbare Geist der Weihnacht? Es macht nämlich Spaß, andere glücklich zu machen, und deshalb mache ich jetzt mit euch weiter!

Also schnell kommentieren oder das Kontaktformular benutzen, damit ihr eure Adventsgeschenke bekommt! Faxe und ich drücken euch die Hufe <3

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Die Weihnachtsquadrille und der Kamm

Die Frau und ich von hinten.

Else und ich verbringen neuerdings mehr Zeit miteinander, wenn auch gezwungenermaßen. Wegen der Weihnachstquadrille nämlich. Die studieren wir frühzeitig ein, weil Frau Reitlehrerin eine Zeitlang sehr humorlos war, weil letztes Jahr alles schief gegangen ist brav und gewissenhaft wie wir sind.

Kennt ihr Quadrille? Das ist so ähnlich wie Pas de deux, nur mit ganz vielen. Man reitet meist nebeneinander her oder durcheinander durch, und das ganze zu passender Musik. Also organisiertes Chaos. Frau Reitlehrerin hat sich eine komplizierte Choreographie ausgedacht und die Reiter – allen voran die Frau – geben sich wie immer größte Mühe, alles durcheinander und Frau Reitlehrerin zur Verzweiflung zu bringen.

Was mir daran besonders gut gefällt, ist, dass wir feste Partner haben. Ich bin also zumindest für die Dauer der Quadrille nicht mehr Single. Else, meine Ex, muss jetzt neben mir herlaufen. Sie denkt allerdings, es wäre umgekehrt und ich müsste mich nach ihr richten. Lustig, was die Mädels immer so meinen 😉

Faxe ist auch dabei. Nachdem er Else letztens schamlos auf dem Paddock angeflirtet hatte, während ich einen Termin bei Frau Schmied hatte, konzentriert er sich jetzt zur Abwechslung auf Lotta, seine Quadrillenpartnerin. Lotta ist eine Welsh Cob-Stute, also auch eher knubbelig und flauschig. Die beiden können sich bestimmt prima über Essen und Haare unterhalten.

Pferdefreundliche Pflege und Putzzeug *

So, und was ist jetzt mit dem Kamm in der Überschrift? Wie man auf dem Foto sehr schön sehen kann, haben die Frau und ich beide ein Frisurenproblem, aber darum geht es jetzt ausnahmsweise nicht. In der Quadrille ist der Kamm eine Figur, bei der sich alle Reiter und Pferde auf der Mittellinie treffen, aber nur fast. Man sagt auch „gegeneinander aufmarschieren“ dazu. Die eine Hälfte der Quadrillenpaare (also zum Beispiel Else) ist auf der gegenüberliegenden langen Seite, und die andere Hälfte (also zum Beispiel ich) auf der anderen. Auf ein Zeichen hin laufen alle mehr oder weniger koordiniert aufeinander zu und (ganz wichtig!) auf Höhe der Mittellinie geradeaus durcheinander durch. Im Idealfall bewegt man sich auf einer geraden Linie und erreicht gemeinsam mit allen anderen aus der Gruppe die gegenüberliegende lange Seite. Es ist also quasi wie Plätze tauschen.

Worauf man achten muss:
1. Dass man sich nicht gegenseitig über den Haufen reitet.
2. Dass man mit seiner Gruppe halbwegs gleichzeitig die Mittellinie erreicht und den entgegenkommenden Pferden (also Else) soviel Platz lässt, dass sie geradeaus an einem vorbei können.
3. Dass manche Pferde wegen bestimmter figürlicher Besonderheiten mehr Platz als andere brauchen. Else zum Beispiel. Oder Faxe und Lotta, die beiden Kugelblitze.
4. Dass man anderen Pferden nicht so auf den Pelz rückt, dass sie es persönlich nehmen. Ich spreche da aus Erfahrung 😉
6. Und dass man sich vorher darüber einigt, in welcher Richtung es auf der anderen Seite (nach Überquerung der Mittellinie) weitergeht
7. Siehe Erstens.

Viel Spaß beim Üben!

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Romantik und Frisur

Else und ich haben miteinander gesprochen. Am Paddockzaun. Sie auf der einen Seite und ich auf der anderen, und sie hat gar nicht über meine Figur gelästert. Ich aber auch nicht über ihre. Wie so’n Liebespaar.

Was man an dieser Stelle vielleicht noch erwähnen sollte: Wir tragen natürlich beide unsere Paddockdecken, so dass man Elses barocke Formen ohnehin nur erahnen kann. Da reißt auch der angeblich schlankmachende Rallyestreifen nix raus, den Elses Besitzerin ihr geschoren hat. Scheren kennt ihr, ne? Das ist wie Rasieren, nur mit mehr Möglichkeiten, sich zu vertun. Man macht das, weil unsereiner manchmal einen ganz außerordentlichen Winterpelz entwickelt, sich aber trotzdem bewegen muss (wegen Lunge, Stoffwechsel und so). Da ist es ganz praktisch, wenn einem nicht sofort der Schweiß ausbricht.

Die Frau hat mir auch schon mit zitternder Hand die schrecklichsten Muster ins Fell gefräst, ich weiß also, wovon ich spreche. Es fängt normalerweise damit an, dass sie die Kreide vergessen hat und so keine Linien vorzeichnen kann. Dann kriegt sie (natürlich) die Schermaschine nicht in Gang. Ich habe mich durchgesetzt und den Kauf einer akkubetriebenen Maschine angeordnet, weil die Frau und ich beide Angst vor Stromkabeln haben. Da ist es natürlich günstig, wenn man vor dem Scheren den Akku aufgeladen hat 😉

Na ja, und dann ist der Katastrophe Tür und Tor geöffnet. Andere Pferde bekommen gerade Linien und schwungvolle Kurven geschoren, so dass in der Sattellage oder auf dem Rücken oder manchmal zusätzlich noch am Hals das Winterfell stehen bleibt. Ein zusätzlicher Bonus ist es, wenn beide Seiten gleich aussehen. Manche Pferde bekommen sogar ein Sternenmuster auf den Hinterschinken. Oder einen Drachen. Das sieht dann aus wie ein Tattoo. Drachen sind toll, die heben die Laune und man fühlt man sich auch gleich viel männlicher, wenn man einen Drachen auf dem Hintern hat. (Auf dem Rücken hab ich ja ohnehin schon einen sitzen 🙂 )

Und dann gibt’s da noch den Rallyestreifen. Das ist so ein Querstreifen, der seitlich am Pferdekörper geschoren wird. Auch das kann man sehr schön und ordentlich machen. Ich weiß das, weil ich es schon bei anderen gesehen habe. Bei Else zum Beispiel. Gut, der Querstreifen macht nicht unbedingt schlank – aber wenigstens ist er gerade und nicht so eine zittrige, schiefe Schlangenlinie wie bei mir im Plüsch. Das kann einen schon depressiv machen.

Aber genug gejammert. Was Else und mich im Moment vereint, ist unsere gemeinsame Abneigung Skepsis dem Neuen gegenüber. Bonito. Er weigert sich, von Else gemobbt zu werden, was ich grundsätzlich schon mal charakterstark und mutig finde. Andererseits ist Else ja auch meine Boxennachbarin und ich habe mich von daher gezwungenermaßen freiwillig bereit erklärt, ihr mit Bonito zu helfen. Sie hat gedroht, mich sonst die ganze Nacht über zu ärgern, und ich bin bekanntlich jemand, der vernünftigen Argumenten zugänglich ist.

Wir passen jetzt also gemeinsam auf ihn auf und ich kann ihn angiften. Aus sicherer Entfernung, versteht sich. Das ist schon fast so wie in einer Beziehung, glaube ich. Ich fühle mich auch ein bisschen romantisch, jetzt, wo sie auf mich angewiesen ist und ihr Freund, das Sportpferd Konrad, woanders auf dem Paddock steht 🙂 Jetzt glauben alle, Else wäre in mich verliebt, weil wir so lange am Zaun nebeneinander stehen. Ich weiss auch gar nicht, wie Konrad das findet. Nicht, dass Else wegen mir Beziehungsstress bekommt 🙂

Neues vom langen Bein

Die arme Frau. Jetzt hat sie die wunderbaren neuen Stiefel, die in etwa so bequem sind wie ein bis zwei Gipsbeine, und trotzdem keinen lockeren Oberschenkel. Wahrscheinlich ist das auch wieder meine Schuld. Ich kenn das schon. Der Mann und ich teilen uns die Schuld an allem, was nicht klappt, vom schlechten Wetter bis zur zu engen Reithose.

Weil die Frau zwischendurch wieder mit den alten Reitstiefeln geritten ist, hatte ich mich schon gefragt, was wohl mit dem neu gekauften langen Bein passiert ist. Vielleicht hat sie es ja in den Schrank gestellt oder in ihrer üblichen Unordnung verschlampt verlegt. Vielleicht ist es auch in Urlaub? Die Frau sagt, im Urlaub hätte sie ein ganz toll langes Bein gehabt. Überhaupt wäre sie im Urlaub toll geritten. Immer dann, wenn grade keiner geguckt hätte. Das wäre bei ihr eigentlich immer so – wenns klappt, guckt keiner. Und wenn jemand zuguckt, klappt natürlich gar nix. Als sie das gesagt hat, hat sie den Mann und Frau Reitlehrerin so komisch von der Seite angeschaut. Aber die beiden kennen sie anscheinend schon länger und tragen es mit Fassung.

Aber man fragt sich schon, wieso nur ein langes Bein und nicht zwei, oder? Also mir ist das natürlich direkt aufgefallen, und ihr wahrscheinlich mittlerweile auch. Na, Hauptsache, das ganze lästige Geld ist erstmal weg, so dass sie in Ruhe auf ein zweites langes Bein sparen kann.

Auf jeden Fall sind ihre Beine mit den neuen Reitstiefeln schön ruhig – kein Rumwackeln mehr, keine hochgezogenen Absätze, die sich in meinen muskulösen Bauch bohren – prima! Das liegt aber nicht etwa daran, dass die Frau ganz plötzlich reiten gelernt hat, sondern es kommt natürlich daher, weil die schicken Dressurstiefel so flexibel und bequem wie Skischuhe sind. Mit Skiern dran.

Aber die Stiefel sind schon auch schön und machen ein elegant schlankes Bein. Von daher hat sich der Kauf irgendwie auf jeden Fall gelohnt. Und damit es noch schöner wird und vielleicht sogar irgendwann auch mit dem Reiten klappt, hat Frau Reitlehrerin der Frau ein neues inneres Bild zum Üben gegeben. Sie soll sich nämlich vorstellen, sie würde beim Reiten nach oben und unten wachsen. Wie ein Baum. Aber schon eher wie eine Pappel, nicht wie so ne Bonsai-Trauerweide. Als die Frau das zum ersten Mal ausprobiert hat, war es irgendwie ein cooles Gefühl. Sie so mit Körperspannung und ich so mit Körperspannung. Das kenn ich sonst gar nicht von uns. Und alles nur, weil sie an einen Baum gedacht hat. Schon toll, oder? Ich probiere das gerade auch aus und denke an Möhren. Bin gespannt, was passiert 🙂

Die Frau kauft sich ein langes Bein

Das mit dem langen, ruhigen Bein macht der Frau schon länger zu schaffen. Also dass sie keines hat, meine ich natürlich 😉

Zum einen sieht es auf den Videos und Fotos, zu deren Anfertigung sie den Mann nötigt, nicht schön aus, zum anderen klappt’s halt auch mit dem Reiten nicht so gut, wenn man ständig treibt und mit dem Bein herumwackelt. Auch Frau Reitlehrerin meint, es wäre ungünstig, wenn man dauernd den Absatz hochzieht und sich damit den Sitz versaut. Außerdem würden Pferde es ja bekanntlich auch mitbekommen, wenn eine Fliege auf ihnen herumkrabbelt, da müsste man also logischerweise davon ausgehen, dass ihnen ein ständig treibender Schenkel kolossal unangenehm ist (Thema Losgelassenheit und so). Von daher wäre jedes Pferd sensibel am Schenkel. Wenn man es nur lässt.

Habe ich euch schon erzählt, dass Frau Reitlehrerin toll ist? Ja, habe ich schon? Ich dachte, ich hätte es vielleicht vergessen.

Die Frau findet natürlich, dass ihr unruhiger Sitz meine Schuld ist. Ich wäre so unbequem und würde auch nicht vorwärtsgehen. Dabei verschweigt sie aber, dass wir intern mal die Abmachung getroffen hatten, dass ich möglichst langsam auf dem Reitplatz herumeiere, damit sie sich nicht so doll am Zügel festhalten muss und ich bloß keine schwungvollen Gänge entwickele, weil dieser schreckliche Schwung ja so anstrengend zu sitzen ist. (Übrigens habe ich gehört, dass man dafür Bauchmuskeln braucht. )

Mal ganz ehrlich: Warum soll ich mir das Leben schwermachen und freudigen Vorwärtsdrang zeigen, wenn ich doch nur mit dem Zügel im Maul gestört werde? Eben, das macht man ein paarmal und findet dann Alternativen 😉

Frau Reitlehrerin ist glücklicherweise ganz meiner Meinung. Zum einen wäre das Festhalten am Zügel verdammungswürdig, zum anderen würde sich die Frau durch ihre Herumwackelei jegliche Möglichkeit der zielgerichteten, feinen Einwirkung nehmen. Was eigentlich schade ist, denn sie würde so gern Piaffe Passage halbwegs nett reiten können.

Was also tun? Frau Reitlehrerin vertritt die Ansicht, a) die Frau sollte weiter Bauchmuskeltraining machen und b) das Bein sollte locker herunterhängen. Dann sähe es optisch schon mal länger aus. Und jetzt locker nach unten durchfedern. Locker, locker, locker. Das Bein wäre nämlich nicht zum Treiben da, sondern zum Beispiel für die Biegung. Echt jetzt? Die Frau will das nicht glauben. Man müsste doch mit dem Schenkel treiben? Ja schon, aber nicht mit dem hochgezogenen Absatz. Die Frau fühlt sich ertappt, traut sich aber nicht zu widersprechen und setzt stattdessen einen fragenden Blick auf.

Frau Reitlehrerin versteht und erklärt das mit den treibenden Hilfen nochmal ganz genau. Man würde nämlich einmal leicht mit der flachen Wade drücken, bis Pferd und Reiter in der gewünschten Gangart sind. Danach wäre es die Aufgabe des Pferdes, das Tempo beizubehalten. Das hört sich nach Arbeit an. Ich bin kurzfristig entsetzt.

Zur Not hätte die Frau ja eine Gerte dabei, mit der man das Pferd (mich!) mit zunehmender Intensität touchieren könnte. An diesem Punkt ihrer Ausführungen habe ich Frau Reitlehrerin nicht mehr ganz so lieb.

Der Pfridolin wäre ja so ein kluges, sensibles Tier, sagt sie, während sie mich in die Bahnmitte bittet und krault. So ein wunderbares Pferd wäre ich, dass ich dieses System sofort verstehen würde, so dass die Frau schon mit einem leichten Touchieren den gewünschten Effekt hätte. Ich nicke geschmeichelt. Jaja, klug und sensibel, das stimmt schon. Und wenn dafür die ständige Absatzbohrerei in meinem Bauch aufhört, ist es ja eigentlich doch keine so schlechte Idee.

*

Weil die Frau sich weigert, ihre Beine entspannt runterhängen zu lassen, zieht Frau Reitlehrerin ein bisschen daran herum und dreht ihr die Oberschenkel so ein, dass die Beine mit der flachen Wade an mir anliegen. So, und jetzt damit einmal leichten Druck ausüben – fertig. Wie – mehr nicht?, fragt die Frau. Nee, mehr Kraft bräuchte man da nicht. Und wenn der kluge, sensible Pfridolin darauf nicht reagieren würde, könnte die Frau ihn leicht mit der Gerte touchieren und dann – siehe oben. Ich habe genug gehört und setze mich in Bewegung. Die Frau jubelt, Frau Reitlehrerin grinst.

Das hat die Frau sehr beeindruckt. Um aber auf Nummer Sicher zu gehen und weil sie gern shoppen geht, mussten jetzt neue Reitstiefel her, und zwar möglichst hohe und möglichst enge, wegen der schicken Dressuroptik. Die alten Stiefel wären schon oll und ausgeleiert, da wäre es ja kein Wunder, wenn nix klappt und das Bein so furchtbar wackelt.

Jetzt hat die Frau sehr elegante Dressurstiefel, in denen sie ihre Beine nicht bewegen kann – also insofern Ziel erreicht. Leider kann sie damit außer Rumsitzen auch nicht viel tun, geschweige denn Herumlaufen, weil die Stiefel so wunderbar neu und unbequem sind. Aber das würde sie niemals zugeben. Sie sagt dann immer, sie würde die neuen Stiefel schonen 😉

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Herbst

Rosas Decke im Härtetest

Pünktlich zur Paddocksaison fängt der Herbst an. Komisch, wie das immer so auskommt.
Gestern war noch Sommer und wir hatten ganz viel Platz und nicht mehr ganz so viel Gras, heute gibt’s Paddock und Heu, aber so viel, dass Faxe und ich den ganzen Paddock damit dekorieren konnten. Also von daher: coole Sache. Bei Faxe besteht ja immer die Gefahr, dass er aufgrund seiner Tinkerhaftigkeit zum Staubsauger mutiert und alles isst, was er findet. Er sagt dann immer, bei uns könnte man vom Boden essen, es läge ja genug rum 😉 Da kann er sich aber jetzt auf dem Paddock ranhalten und es bleibt immer noch genug für die Frau übrig. Zum Selberessen Aufräumen.

Die Frau ist sich treu geblieben und hat die Gelegenheit genutzt, auf einen Satz mehrere Paddockdecken für mich zu kaufen. Anscheinend hat sie eine Pferdedecken-Flat. Die braucht sie auch, weil mir entweder zu kalt oder zu warm ist – ihr kennt das.

Wir sind jetzt auch alle im Qualitätsmanagement tätig und testen unsere Decken regelmäßig auf Reißfestigkeit. Rosas Lieblingsdecke (ihr seht sie auf dem Foto, und ich soll euch ausrichten, dass die Farbe Berry heisst und total in ist) ist anscheinend ziemlich unverwüstlich. Else hat auch eine Decke in der Farbe. Um ihr zartes, mädchenhaftes Wesen zu betonen, sagt sie. Ja sicher, wenn Else mal grade niemanden durch die Gegend jagt, ist sie wirklich kuschelig und anschmiegsam. Da muss man sich aber beeilen, damit man’s mitkriegt 😉 Ich würde mich auch nicht trauen, sowas zu schreiben, wenn ich nicht genau wüsste, dass Else und ich durch 10.000 Volt getrennt sind 😉

Else und Bonito stehen nämlich auf dem Nachbarpaddock, und Faxe und ich haben ein Paddock nur für uns. Bonito ist neu. Er wohnt erst seit ein paar Wochen bei uns, und in seinem alten Stall war er Herdenchef. Davon merkt man im Moment aber nix, denn die zarte und mädchenhafte Else mobbt ihn. Er hätte die falsche Farbe und man würde sich ja eigentlich gar nicht kennen, meint sie. Da wäre es doch ein bisschen viel verlangt, wenn man so einfach zwangsverpartnert würde. Eigentlich lustig, denn bei Konrad hat sie sich nicht so angestellt. Der hat sie mit seinem gesamten muskelbepackten Körper angelächelt und BAM! war sie hin und weg. Aber jetzt tut sie ganz entrüstet und scheucht Bonito übers Paddock. Der kann ihrer geballten Masse Kraft Anmut nicht wirklich was entgegensetzen und ist beeindruckt. Faxe hat er wohl gesagt, er täte das nur, um ihr Selbstbewußtsein aufzupolieren, aber ich glaube, er lügt. Elses Selbstbewußtsein ist nämlich genauso groß und stark wie Else selbst.

Das war aber nicht immer so. Als sie zu uns kam, kannte sie nur ihre Box und im Sommer mal eine Stunde Einzelweide. Wegen der Verletzungsgefahr und weil sie anscheinend so teuer war, dass ihre früheren Besitzer kein Geld mehr für den Tierarzt übrig hatten. Und jetzt hat sie so viel Spaß – zwar auf Bonitos und meine Kosten, aber wir tun es ja gern irgendwas ist ja immer.

Bonito muss also ganz schön viel laufen, weil Else ihn mobbt. Und wenn ich nicht aufpasse, will Faxe ihn auch jagen. Daran erkennt man, dass ich Chef bin. Nämlich daran, dass ich aufpasse und Faxe abschirme. Der gehört nämlich mir und hat sich nicht mit den Nachbarn zu unterhalten.

Leider ist dieses Chefsein und Aufpassen ganz schön anstrengend – damit hatte ich nicht gerechnet. Ich bin auch ein bisschen entsetzt, wie dynamisch Faxe mit einem Mal ist. So kenne ich ihn gar nicht. Nicht, dass er aus Versehen noch abnimmt 😉 Ich bin auf jeden Fall nach 2 Tagen Chefsein urlaubsreif. Nicht, dass ICH noch abnehme!

Interview für die Pferdeflüsterei – sensationelle Enthüllung: Pferde können doch lesen und schreiben

Als Popstar hat man’s schwer – dauernd Autogrammwünsche und Interviews geben. Ihr kennt das.

Ich bin ja sonst sehr zurückhaltend, fast schüchtern, was Meinungsäußerungen im Internet betrifft, aber für die Pferdeflüsterei habe ich eine Ausnahme gemacht, weil Petra so nett gefragt hat. Dabei hat es fast gar keine Rolle gespielt, dass von Möhren (vielen Möhren!) die Rede war und sie mich mit meiner Fernverlobten in Andalusien gelockt hat – die gehört nämlich ihr.

Das Interview findet ihr hier – schaut doch mal rein!

Irgendwie mehr Sport

Frau Reitlehrerin hatte eine gute und eine schlechte Nachricht für mich. Die gute: Ich habe Bauchmuskeln. Die schlechte: Ich muss sie benutzen. Der Frau geht’s anders, aber ähnlich: Sie hat keine Bauchmuskeln, soll sie aber trotzdem benutzen.

Und jetzt? Wird ganz tief in die Kiste mit den guten Vorsätzen gegriffen und festgestellt, dass man ja eigentlich immer schon irgendwie mehr Sport treiben wollte. Außerdem hat die Frau gelesen, dass alle richtig tollen Reiter angeblich nebenbei noch eine andere Sportart betreiben. Sie hat daraus messerscharf gefolgert, dass sie automatisch besser reitet, wenn sie nebenbei was anderes sportelt. Auch wichtig: dass dabei tüchtig Kalorien verbrannt werden. Jetzt, wo die Tage kürzer werden und man immer soviel Hunger hat, spannt nämlich ihr Hosenbund ein wenig. Ich sag ihr das schon lange, aber ich werd hier ja unterdrückt. Gottseidank hat sie es selbst gemerkt 🙂 Einmal hat der Mann den Fehler gemacht und ihre Frage „Bin ich dick?“ spaßeshalber mit „Ja“ beantwortet. Hui, da war was los.

Jetzt beginnt die Suche nach der richtigen Sportart. Das ist nämlich gar nicht so einfach. Es soll nach Möglichkeit nix kosten, nicht anstrengend sein, aber effektiv, und zusätzlich auch noch Spaß machen. Und Bauchmuskeln.

Langweilige Sit-ups vor dem Fernseher fallen damit schon mal weg. Muckibude? Nee, so viele Muskeln will sie dann doch nicht. Schwimmen? Dauert viel zu lang. Radfahren? Ist fast genauso schlimm. Fussball? Zu anstrengend. Zumba? Zu schwierig. Aikido? Siehe Zumba.

Ich hätte da ja einen Vorschlag: Powermisting. Dem Mann hat es nämlich sichtlich gut getan, dass sich die Frau in der letzten Zeit so oft vor dem Ausmisten gedrückt hat. Er macht einen ziemlich fitten Eindruck, und ich glaube, Bauchmuskeln hat er jetzt auch. Daneben sieht die Frau mit ihrem Waschbärbäuchlein nicht mehr ganz so sportlich aus.

Womit man auch total viele Kalorien verbrennt, ist hügelige Weiden abäppeln, also quasi Extrem-Schubkarren-Schiebing. Auch das hat die Frau schon lange nicht mehr gemacht. Der Mann kann es mittlerweile ziemlich gut und behauptet, es wäre ein Supertraining für die tiefe Bauchmuskulatur.

Ich glaube aber, die allermeisten Kalorien verbraucht man, wenn man versucht, ein unternehmungslustiges Pferd auf der Weide einzufangen. Man hat eine gute Motivation und zusätzlich wird die Lunge schön frei. Wenn es dann noch ein bisschen bergauf, bergab geht, ist das toll zum Abnehmen und gibt vielleicht keine Bauchmuskeln, aber doch zumindest ’ne knackige Hinterhand 😉

Also habe ich gemeinsam mit meiner Vielleicht – bald – nicht – mehr – Ex – Freundin Else (Zitat Else: „Du hast mich heute noch gar nicht geärgert. Ist irgendwas?“ Für Else fand ich das schon sehr romantisch.) ein ausgefuchstes Fitnessprogramm entwickelt. Eigentlich haben wir nichts anderes als sonst gemacht: Ich ärgere Else solange, bis sie mich jagt, aber Fitnessprogramm hört sich cooler an 🙂

Ich kann jetzt also guten Gewissens von mir behaupten, dass ich Gazellen-Gene habe. Oder zumindest wieselflink und wendig bin. Für die Frau reicht‘s jedenfalls. Die hat noch gar nicht versucht, mich zu fangen, und schnauft jetzt schon.

Außerdem hab ich Bauchmuskeln und sie nicht. Ätsch 😛

Alles Kopfsache oder: Mentale Hüftschwünge

Ein schwarzer Tinker, der aussieht, als würde er lachen

Als die Frau letztens so dollen Muskelkater vom Wanderreiten (und ihrer chronischen Selbstüberschätzung) hatte, dass sie sogar die wöchentliche Reitstunde verweigerte, hat sie von Frau Reitlehrerin eine Hausaufgabe bekommen. Visualisieren nämlich. Aha, staunte die Frau. Was genau sie sich denn darunter vorstellen solle.

Vorstellen wäre genau das richtige Wort, sagte Frau Reitlehrerin. Dass man sich vorstellen würde, wie man bestimmte Dinge tut, damit man ein inneres Bild davon parat hätte. Das wäre total super und würde einem helfen, seine Ziele zu erreichen. Die Frau sagt nochmal Aha, und für einen kurzen Moment leuchtet das Wort „Piaffe“ in ihren hoffnungsvollen Augen auf. Direkt danach kamen „Einerwechsel“ und „Passage“. Ja, da guckt ihr, was? Genauso hab ich nämlich auch geguckt.

Frau Reitlehrerin ist glücklicherweise wesentlich diplomatischer. Sie schlug nämlich vor, dass die Frau sich erstmal mit ganz normalen Sachen beschäftigen sollte– einem richtig runden Zirkel, beispielsweise. Oder pillegrade die Mittellinie runterreiten – in allen 3 Grundgangarten. Das soll sie sich ganz detailliert vorstellen. Wie sie auf dem Pferd (also mir) sitzt und jeden einzelnen Schritt, Trabtritt oder Galoppsprung bewusst reitet.

Ich würde sagen: Eine interessante Herausforderung. Zum Beispiel Zirkel: Unsere Zirkel sind in der Regel monströse Ostereier mit 2 Ecken. Im Gegensatz zu dem perfekten Kreis, den man gemeinhin damit verbindet. Wo man den Hufschlag für eine Pferdelänge betritt und sofort wieder verlässt, weil es ja um eine kontinuierliche Biegung geht. Und zum Thema „geradeaus“ möchte ich anmerken, dass allen, die meine krumm und schief geschnittene Mähne kennen, natürlich völlig klar ist, dass wir die Erfinder der Hufschlagfigur „an der nächsten langen Seite jeweils einen Meter nach rechts und links schwanken“ sind.

Aber ich schweife ab. Die Frau soll sich also vorstellen, dass sie sowas richtig reitet. Frau Reitlehrerin erklärt ihr auch, dass das durchaus anspruchsvolle Übungen sind. Das Allerschwierigste von allem wäre, gut Schritt zu reiten – nämlich zum Beispiel in einer leichten Anlehnung (!) taktrein (!) schön geradeaus (!) zu reiten. Das hätte die Frau nicht gedacht. Sie findet nämlich, dass eine Piaffe viel mehr hermacht als Schritt. Schritt = voll langweilig, Piaffe = toll.

Sie argumentiert, Schritt reiten wäre doch echt nix Besonderes, das würde sie ja jeden Tag machen. Frau Reitlehrerin lobt sie dafür. Wie jetzt – Lob?, denkt die Frau. Ja, sagt Frau Reitlehrerin, Lob! Schrittreiten würde so oft unterschätzt, und es wäre super, dass die Frau jeden Tag ganz bewusst Schritt reitet. Sie fragt die Frau, wieviele meiner Beine sie denn beim Schrittreiten spüren würde. Zwei, drei oder alle vier?

Die Frau kann das so spontan nicht beantworten. Ich bin nicht überrascht 🙂 Ich fand es nämlich ehrlich gesagt eine lustige Idee von Frau Reitlehrerin, die Worte „Frau“ und „bewusst reiten“ miteinander zu kombinieren. Beim Schritt reiten quatscht sie nämlich meistens. Wenn sie nicht gerade auf die Uhr guckt 🙂 Faxe sagt, das wäre doch schon mal was. Andere würden beim Reiten telefonieren oder WhatsAppen. Das ist jetzt aber ein schwacher Trost, finde ich. Faxe meint, ich würde ein wenig angespannt wirken. Ich sollte es doch auch mal mit diesen inneren Bildern versuchen. Er hätte ein ganz Schönes, das dürfte ich mitbenutzen. Und ein Lied dazu, zum innerlich Singen. Es heißt „Probier’s doch mal mit Gemütlichkeit“ . Und was soll ich sagen – es wirkt 🙂

Aber zurück zur Frau. Die fragt gerade, wie und warum man das denn bitteschön spüren sollte, das mit den Pferdebeinen. Frau Reitlehrerin meint, es wäre doch praktisch, wenn man als Reiter wüsste, wo sich die Beine seines Pferdes gerade befinden, und fürs feine Reiten unverzichtbar. (Pst, ich weiß, was die Frau jetzt denkt. Feines Reiten = Piaffe? 🙂 Aber dieses Fühlen kriegt die Frau ja noch nicht mal bei ihren eigenen Beinen hin!). Das sieht die Frau ein. Frau Reitlehrerin meint, man müsste das erspüren, und es wäre eine tolle Aufgabe für die Frau.

Die fühlt sich jetzt ganz wichtig und will unbedingt auch mal was merken darauf achten. Prima, lobt Frau Reitlehrerin, geritten würde mit dem Hintern, und ohne Fühlen ginge es nicht. Beziehungsweise ohne inneres Bild, mit Fühlen. Die Frau reitet jetzt also innerlich Schritt auf dem Zirkel und versucht, jede Bewegung mitzubekommen. Gleichzeitig soll sie mich biegen und stellen, und zwar mit ganz leichter Anlehnung und mit beweglichen Fingern, wie beim Klavierspielen.Und bloß nicht zu viel am inneren Zügel machen! Als nächstes könnte die Frau ja den Trab dazu nehmen und dann vielleicht noch ein Galöppchen. Und immer schöne Übergänge reiten, mit Großwerden im Sattel und so.

Aufregend! Die Frau hat Blut geleckt. Ihre Augen glänzen, und als sie hört, dass das eine ganz tolle Übung ist, die man auch sehr schön im Büro machen kann, beschließt sie, ihre persönliche Produktivität in den nächsten zwei Wochen auf ein Minimum zu reduzieren und stattdessen lieber mental die Hüften zu schwingen. Mit konzentriertem Gesichtsausdruck und einem gelegentlichen Zungenschnalzen.

Länger hält sie eh nicht durch 😉

Vom Reiten und Wandern im Urlaub

Gerade eben stand ich noch tiefenentspannt in meiner Chill Out Area auf der Weide. Die Fellpflege mit Stuti war sehr zu meiner Zufriedenheit verlaufen und die Sonne schien mir angenehm auf den Pelz, als sich eine vertraute Stimme den Weg in meine Gehörgänge bahnte. Die Frau! Schwer bepackt mit Möhren, einem schlechten Gewissen und allerlei Leckereien! Große Wiedersehensfreude bei allen Beteiligten!

Zugegeben, ohne Arbeit auf der Wiese rumstehen und grasen war nicht sooo schlimm, aber mit der Frau ist es viel unterhaltsamer. Vor allem hat man mehr zu erzählen.

Ein bisschen habe ich sie nämlich schon vermisst, während langsam die Staubschicht auf meinem Sattel wuchs. Die Frau hatte anscheinend vergessen, den Sattelschoner drauf zu tun. Bei den ganzen Reisevorbereitungen ist das wohl ein wenig in den Hintergrund getreten. Dabei wollte sie nur ein paar Tage wegfahren. Andere treiben so einen Aufwand vor einer Weltreise. Aber man kann ja nicht an alles denken.

Gut sieht sie aus – total entspannt und super gelaunt! Fast hätte ich sie nicht wiedererkannt 😉 Sie will auch erstmal gar nix von mir, sondern führt mich nur breitbeinig wie John Wayne von der Koppel.

Wie ich wenig später erfahre, hat sie tatsächlich wieder dieses Wanderreiten gemacht, und zwar diesmal mit mehr Reiten als Wandern. Die anderen Pferdebesitzerinnen und –besitzer stehen neidisch und beeindruckt um sie herum, als sie in Abenteurerpose von ihrer Expedition in die Wildnis berichtet. Sogar ich bin beeindruckt und hätte ihr fast die verwegene Geländereiterin abgenommen. Und ich kenne sie schließlich.

Faxe murmelt etwas von Karl May, den kenn ich aber nicht. Die Frau erzählt weiter: Ein wenig Muskelkater hätte sie schon, aber eigentlich fast gar nicht. Als trainierte Reiterin hätte man mit sowas ja grundsätzlich kein Problem. Die Reitstunde morgen hat sie aber trotzdem abgesagt. Die in ein paar Tagen sicherheitshalber auch. Ich muss Faxe nachher mal fragen, was der Mann daran so komisch findet.

Dann hat die Frau weitererzählt. Der Mann durfte aber auch mal was sagen, wenn er dazwischengekommen ist. Sie sprechen nämlich noch miteinander – sogar nach dem Urlaub. Faxe meint, das wäre nicht selbstverständlich.

Die Frau ist ja sehr nett und ich mag sie wirklich, aber 24 Stunden können ganz schön lang sein. Ich sehe sie sonst ja nur nachmittags oder abends, aber der arme Mann muss sie sicherlich die ganze restliche Zeit herumschleppen. Ihm scheint es aber Freude zu machen. Ich habe nämlich noch nie gesehen, dass er sie beißen will. Oder weglaufen. Und das, obwohl sie ihn vom Futter her ziemlich knapp hält. Sie selbst hat aber im Urlaub anscheinend wieder doppelt Heu bekommen.

Zum Thema Gepäck meinte der Mann, ihm würde ja eigentlich eine Zahnbürste reichen. Ab in die Satteltasche und fertig. Die Frau findet das natürlich unhygienisch und unzivilisiert. Der Mann gibt zu bedenken, dass das Trossfahrzeug mit ihren zwei Schrankkoffern aber schon ganz schön voll gewesen wäre. Die Frau gibt ihm da Recht, weist aber darauf hin, dass es ja so wunderbar gewesen wäre, sich abends zum Essen umzuziehen. So wunderbar, wirklich. Alle hätten das gemacht, alle. Außer der Rittführerin und dem Mann.

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Der Mann steht dazu, unzivilisiert und unhygienisch zu sein und bleibt dabei, dass das Abendessen in Reitklamotten (ungeduscht!!!) genauso lecker gewesen wäre wie beispielsweise im Taucheranzug oder im Smoking. Angeblich hätte der Mann aber doch vom umfangreichen gemeinsamen Gepäck profitiert und wäre zwischendurch ganz froh gewesen, wenn er mal was Sauberes anziehen durfte. Bevor sich Unfrieden anbahnen kann (und weil ich ja wissen will, wie es weiterging), lenke ich auf konstruktive Art und Weise ab – ich beiße in das umfangreiche Hinterteil meiner Boxennachbarin Else.

Plötzlich sind sich beide wieder einig und beteuern unisono, so etwas hätte es auf dem Ritt nicht gegeben. Da wären die Pferde ganz wunderbar erzogen gewesen und hätten in den Pausen auch sehr brav nebeneinander am Anbindebalken gestanden, ohne sich anzugiften oder heimlich die Knoten in den Stricken aufzumachen. Die Pferde dort seien ja auch ausgelastet gewesen, ergänzt die Frau. Trainiert und ausgelastet, sagt sie und jammert leise, wenn sie sich bewegt. Das Gehen und auch das Sitzen scheinen ihr irgendwie unangenehm zu sein. Ich glaube, ich hab sowas auch schon mal gehabt. Es heißt Muskelkater und man bekommt es, wenn man nicht ganz so sportlich ist, wie man denkt. Manche Leute meinen zum Beispiel, nur weil sie zuhause mal ’ne Stunde reiten, wären sie total durchtrainiert und könnten problemlos tagelang im Sattel bleiben. Genau in dieser Sekunde erinnert der Mann die Frau daran, dass sie es war, die während des Rittes nicht soviel laufen und stattdessen mehr reiten wollte. Weil sie anscheinend nur die schicken, aber leider unbequemen Reitschuhe eingepackt hat. Und sicherheitshalber noch ein paar schicke, unbequeme Schuhe zum Wechseln.

Jetzt mache ich mir Sorgen, ob ich vielleicht auch so ein wohlerzogenes Wanderreitpferd werden soll. Ausreiten finde ich ja prima, aber dieses tagelange Rumschleppen hört sich schon ein bisschen anstrengend an. Aber Faxe hat mich beruhigt. Hier bei uns wäre das Ausreitgelände nicht so verlockend, dass die Frau ihre Ängste vor Treckern, LKWs und Außerirdischen überwinden würde. Und bis der Muskelkater weg ist, hat sie schon 5 neue Ideen für unsere reiterliche Zukunft gehabt und wieder verworfen.

Aber toll entspannt ist sie.

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