Wegen WM geschlossen

Ein Deutschland-Fähnchen über einem rosa Fliegenhäubchen für Pferde

Dieses Fußballdingsda ist irgendwie toll. Die Frau ist noch verwirrter als sonst und meist auch zu müde, um irgendwas mit mir zu machen, außer meine Box auszumisten. Glücklicherweise hat sie deshalb so dermaßen Schuldgefühle, dass es mir futtertechnisch und auch sonst an nichts mangelt außer an sportlicher Betätigung und am Ausreiten, aber ich bin ja schon ein großer Junge und kann damit umgehen. Außerdem hält sich meine Trauer darüber, dass ich im Moment nicht mit pausenlosen Übergängen und misslungenen Seitwärtsbewegungen (von Seitengängen kann man da nicht sprechen) gepiesackt werde, in Grenzen 😉

Ich hab ihr auch nicht erzählt, dass sie mit den schwarz-rot-goldenen Streifen im Gesicht relativ albern aussieht. Der Mann kann sowas viel besser tragen 😉

Überhaupt, der Mann. Er benimmt sich auch anders. Er wollte mich in den WM-Trubel einbeziehen und mir Bier geben (Faxe sagt, das kann man ruhig annehmen) und für mich ein Deutschland-Trikot kaufen. Da war die Frau aber ganz komisch eigensinnig und hat behauptet, wir müssten sparen. Bestimmt nur, weil es die nicht in rosa gibt 😛

Egal, Fußball-WM ist toll. Wegen mir könnte die noch ewig gehen. Faxe sagt, wir müssten aber Deutschland die Hufe drücken, sonst wäre die WM für uns schnell vorbei und wir müssten wieder mehr tun. Aber nicht so Pferde-Korso, nee nee, richtig arbeiten, sagt Faxe.

Also: Deutschland vor, noch ein Tor! Und: Finale, ohooooo 🙂

Schubskarre

Schubkarre auf Stallgasse

Die Frau hat gesagt, sie käme eigentlich nur wegen der Schubkarren in den Stall. Sie würde sich schon den ganzen Tag darauf freuen, endlich ausmisten zu dürfen und große Mengen Pferdeäppel auf Wiese und Paddock aufzusammeln. Und aufs Schubkarrefahren. Das wäre überhaupt das Beste. Dabei hat sie mich so komisch angeguckt.

Schade. Und ich hab gedacht, sie kommt wegen mir hierhin 🙁 Wie man sich so täuschen kann. Ihr kennt das: Man steht so rum und knabbert Gras und plötzlich fährt IHR Auto auf den Hof. Nun ist es ja nicht so, dass ich der allermotivierteste Arbeiter oder gar Sportler wäre, aber ich hab sie schon ganz gern und begrüße sie immer. Sogar dann, wenn sie nur eine ganz, ganz klitzekleine Möhre für mich mitgebracht hat und keinen ganzen Eimer voll 😉

Und was passiert? Sie steigt aus und fängt an, meine Box auszumisten. Kein freundliches „Hallo, mein wunderbares Lieblingsroß, du hast mir so gefehlt“ oder „Wie geht’s?“ oder „Darf ich dir diese köstlichen Möhren aufdrängen?“ Oder auch „Darf ich dich mit meinen jetzt noch sauberen Fingernägeln am Hals kratzen?“ Ganz zu schweigen von „Darf ich mit den Zähnen stundenlang deinen Widerrist beknabbern?“ Man wird ja wohl noch träumen dürfen….

Ich fühle mich vernachlässigt. Sie kann doch nicht einfach so Schubkarre fahren, ohne mich zu beachten. Und dann braucht sie immer so lang! Das ist total egoistisch. Immer denkt sie nur an ihr Vergnügen.

Bestimmt quatscht sie. Ich kenn sie doch. Mit anderen Menschen oder Pferden. Statt sich um MICH zu kümmern. Ich warte übrigens immer noch auf sie.

Gerade fällt mir auf, dass Warten langweilig ist. In der Box gibts auch immer so leckeres Futter. Das hätt ich jetzt gern.

Wo ich hier so rumstehe und immer noch warte, sehe ich, dass die anderen Menschen auch Schubkarre fahren. Das scheint irgendwie ansteckend zu sein. Hoffentlich bin ich dagegen geimpft. Obwohl – gegen Rosa-Allergie wurde ich auch nicht geimpft. Vielleicht konnte der Mann sich durchsetzen und sie muss jetzt sparen. Aber doch nicht am falschen Ende! Rosa-Allergie ist kein Zuckerschlecken. Ich mach das doch nicht zum Spaß!

Ich warte jetzt auf der Wiese direkt am Tor. Boah langweilig.

Wenn man soviel Zeit zum Nachdenken hat wie ich, weil sich nämlich keiner um einen kümmert, dann kommen einem ziemlich viele gute Ideen. Ich habe mir zum Beispiel gerade überlegt, dass ich ihr die Schubkarre umwerfe, wenn sie zum Abäppeln auf die Wiese kommt. Dann kann sie sich noch mehr mit der Schubkarre beschäftigen. Bestimmt gefällt ihr das 🙂 Und heute Nacht werde ich in der Box ALLES geben. Ich meine, ich steh hier eh nur rum und warte, da kann ich ihr auch noch eine zusätzliche Freude machen.

Bestimmt wird es gleich dunkel. Ich war noch nie im Dunkeln draußen. Gibt es hier eigentlich Wölfe?

Oh, ich glaube, da kommt sie. Das wurde ja auch Zeit… Heißt es eigentlich Schubkarre oder Schubskarre? 😉 Bin mir da gar nicht so sicher, aber ich erweitere meinen Wortschatz ja täglich. Ich bin schon gespannt auf ihre Freudenschreie 🙂

Die Frau, der Schlangenmensch

Die Frau und ich in der Reithalle. Sie sitzt auf mir drauf. An der Wand ein schöner Lichteffekt.

Die Frau kann sich vielleicht verrenken. Unsere Reitlehrerin wundert sich auch immer wieder. Ich muss das kurz erklären: Eigentlich kriegt nur die Frau Unterricht, ich kann das ja schon alles 😉

Es gibt genau eine Möglichkeit, es richtig zu machen, und ungefähr eine Million viele Möglichkeiten, es nicht hinzukriegen, und die Frau kennt sie ALLE. Ich kann auch schon alle Korrekturen auswendig. Meist fängt es an mit „innerer Schenkel, äußerer Zügel“. Danach kommt „langes Bein“. Da kann Frau Reitlehrerin aber sagen, was sie will, die Stummelbeine der Frau wachsen einfach nicht mehr. Die bleiben so kurz.

Dann hätte ich noch „nicht ziehen“ und „weiche Zügelverbindung. Weich! Noch weicher!!“ Spätestens jetzt kriegt die Frau einen komischen Gesichtsausdruck und vergisst zu atmen. 🙂 Wenn sie wieder Luft kriegt, fängt sie an zu schimpfen, dass sie nur deshalb so unkoordiniert wäre, weil sie sich beim Ausmisten so angestrengt hätte und ich ein solches Ferkel wäre. Frau Reitlehrerin geht nicht darauf ein.

Inzwischen sind die Absätze wieder hochgewandert. Jetzt kommt “Absatz tief“. Ok. Absätze sind tief, dafür ist sie jetzt in der Hüfte eingeknickt und hat zusätzlich die Schultern verdreht. Wir sind übrigens immer noch im Schritt 😉

Also: Pause und einmal den Körper durchsortieren. Ich schlafe währenddessen. Ach so, es geht weiter. Nee, doch nicht. Frau Reitlehrerin demonstriert, wie sich die Anlehnung anfühlen soll. Zügelgewicht, mehr nicht. Ich traue mich nicht, weiterzuschlafen, weil Frau Reitlehrerin direkt neben mir steht.

Achtung, jetzt geht’s wirklich weiter. Wir kommen zu Rechts- und Linksstellung. Meine Augenlider werden schwerer und schwerer. Und die Hinterbeine erst! Frau Reitlehrerin hat es leider gemerkt (die Frau nicht ;)) Frau Reitlehrerin weist die Frau darauf hin, dass sie mehr Körperspannung braucht. Finde ich auch. Sie fühlt sich an wie ein nasser Mehlsack. Jetzt wird es etwas besser. Ach nee, sie hat nur wieder vergessen zu atmen 😉

Oh. Die nächste Korrektur: „Leicht die flache Wade ans Pferd legen!“ Weil die Frau sich heimlich schon wieder verdreht hat, wird wieder angehalten und der Körper durchsortiert. Ich döse kurz weg. Frau Reitlehrerin zeigt der Frau, wie das Bein liegen und wieviel Druck ausgeübt werden soll. Ok, Anreiten. Jetzt ist sie nicht mehr locker, Frau Reitlehrerin und ich beschließen aber, das zu ignorieren. Wenn ich nämlich tagsüber so viel rumstehe und schlafe, krieg ich nachts kein Auge zu 😉

Und so geht’s weiter. Wir kommen auch in jeder Stunde zu Trab und Galopp, aber verbunden mit soviel Erklär- und Sortierpausen, dass ich nicht ernstlich ins Schwitzen komme. Dressurunterricht bei Frau Reitlehrerin ist toll 🙂

Jetzt überlege ich, ob man die besonderen Talente der Frau nicht noch anders nutzen könnte. Vielleicht kann ich sie an eine Pferdeshow verkaufen? Als Clown? 😉

Schöner wohnen oder Feng Shui für die Pferdebox

Faxe hat mich schon oft gefragt, wie ich es schaffe, dass meine Box so saumäßig spektakulär aussieht. Ich habe mich jetzt entschlossen, mein Geheimnis zu lüften, weil es außer uns sicher noch viele Pferde und Ponies gibt, die ihre Besitzer lange gesund und glücklich erhalten wollen, und das mit Hilfe einer simplen Pferdebox.

Für euch gibt es hier wertvolle Tipps zur Umgestaltung eures Zuhauses. In sechs einfachen Schritten erkläre ich, wie ihr eure Schlafstelle nachhaltig so zurichtet, dass eure Besitzer beim Ausmisten zu koordinativen Höchstleistungen gefordert werden. Gleichzeitig ist das ein schönes Ausdauertraining und somit wichtig für Herz und Kreislauf. Schließlich wollt ihr ja noch lange was von eurem Bodenpersonal haben 😉 In der letzten Phase des Ausmistens ist eine meditative Komponente vorgesehen, die keinesfalls mit einer Schockstarre oder einem resignierten Erschöpfungszustand des armen Schweins, dass eure Box ausmisten muss Besitzers verwechselt werden sollte, da dieser in diesem Augenblick wirklich ganz im Hier und Jetzt ist und somit ganz, ganz kurz vor der Erleuchtung steht.

Die nachfolgenden Ratschläge beziehen sich auf Strohboxen. Solltet ihr stattdessen auf Leinstroh, Spänen oder ähnlichem untergebracht sein, so empfehle ich, diese Einstreu im Beisein eurer Service-Fachkräfte mit Genuss zu verspeisen (wenn es zu schrecklich schmeckt: trotzdem Begeisterung heucheln, so lange jemand zuguckt). Oft klappt es dann mit dem Wechsel zur Stroheinstreu. Aber sagt nicht, von wem ihr den Tipp habt 😉

Also. Wegen mir kanns losgehen.

1. Einige Male dynamisch im Kreis drehen. Damit sollte die Einstreu grob von unten nach oben umgerührt sein, so dass das Chi besser fließen kann. Das ist wichtig für die energetische Optimierung.

2. Heu essen. Falls es nicht lecker genug ist: durchs Stroh ziehen und damit vermischen.

3. Stroh essen 🙂 Aber nicht zuviel, sonst bekommt ihr eine Kolik und der Tierarzt muss kommen und unaussprechliche Sachen mit euch tun. Außerdem braucht ihr noch etwas davon für 5.

4. Äppeln. Hier sind kreative Techniken gefragt. Warum nicht mal im Kreis oder im Quadrat äppeln – mal rechtsrum, mal linksrum? Oder an ungewöhnlichen Orten, zum Beispiel in Ecken, die man bisher vernachlässigt hat. Das schult eure Zielgenauigkeit und trainiert die Auge-Hand-Koordination eurer Besitzer. Und immer schön ans Chi denken!

5. Für Fortgeschrittene: Dreidimensionale Strukturen erschaffen. Durch intuitive Vor- und Zurück-Bewegungen könnt ihr Strohrollen bilden, in denen sich sauberes und schmutziges Stroh abwechseln. Ich finde es immer schön, wenn die äußerste Schicht sauber ist. Erstens macht das Feng Shui-mäßig mehr her und zweitens kann man besser den Kopf darauf ablegen.

6. Immer mal 1. wiederholen.

Viel Erfolg! Und achtet darauf, dass ihr zufällig gerade auf der Weide oder dem Paddock seid, wenn euer Bodenpersonal nichtsahnend mit der Schubkarre zur Box fährt. Die Frau kann zum Beispiel ziemlich laut meckern, das will man gar nicht aus der Nähe hören. Sie meint das aber gar nicht so. Sie freut sich mehr so innerlich und kann das nur nicht so zeigen 😉