„Bitte nicht rascheln, ich reite gerade!“

Furchtloser Blick in den Herbstnebel

Herbst, das ist die Jahreszeit, wo sich furchtlose Reiter und noch furchtlosere Reiterinnen auf ihre edlen Rösser schwingen und durch sturmgepeitschte Landschaften galoppieren. Herbst, das ist auch die Jahreszeit, in der meine sogenannte Besitzerin täglich ihre Beruhigungskräuter knabbert und sich zitternd wie Espenlaub in meinen Sattel hievt.
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Tante Jenny muss weg

Ein bockender Fast-Hengst

„Hilfe, mein Pferd mag die Urlaubsvertretung lieber als mich!“

Wisst ihr, warum die Frau so selten in Urlaub fährt? Nicht, weil sie das spanische Mähnenwunder und mich so liebt, dass sie sich nicht von uns trennen kann. Auch nicht, weil sich außer ihr keiner vernünftig um uns kümmern kann oder sie sich Sorgen macht, was uns in ihrer Abwesenheit alles zustoßen könnte.

Nein, der Grund ist ein anderer, und zwar schlichte Eifersucht. Sie gönnt es uns einfach nicht, dass wir auch mal Spaß haben.
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Das Shetty-Kaltblutmix oder: Die Pferderettung

Die Frau will jetzt auch mal was Gutes tun und Pferde retten. Am liebsten mehrere. Weil die ja so dankbar sind. Vorwurfsvoller Blick zum spanischen Mähnenwunder und mir.

„Ohhh was für ein süßes Fohlen! Und guck nur mal, wie süß es guckt!“ Aufgeregt wedelt sie mit ihrem Smartphone vor der Nase von Frau Reitlehrerin herum. Die muss wohl oder übel einen Blick riskieren und zuckt zurück.

„Süß, gell?“ beharrt die Frau auf einer zweiten Meinung zum unscharfen Foto einer Pferdenase. „Und soooo günstig! Ist ein Shetty- Kaltblutmix.“
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Frau Reitlehrerin goes Guru

Man hört ja überall von diesen Gurus. Die Frau auch. Ständig liest man was von Guru X, der das Reiten erfunden hat und von Guru Y, dass Guru X alles falsch macht und Guru Y das einzig wahre Reiten erfunden hat. Nur blöd, dass Guru Z das einzige wirklich wahre Reiten erfunden hat und die Pferde gleich mit. Guru Z ist auch ganz allgemein im Besitz der allein seligmachenden Wahrheit und verlangt von seinen Anhängern, dass sie jegliche Denktätigkeit einstellen und nur noch die Wahrheit erspüren sollen. Und wenn sie die nicht von allein erspüren, sagt er sie ihnen schon. Denn ihm können sie vertrauen. Nur ihm, sonst niemandem. Die anderen Leute haben nämlich a) keine Ahnung, b) böse Gedanken oder c) von ihm abgeguckt. Also Vorsicht vor Außenstehenden!

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Fellwechsel is coming

Meine Besitzerin hat einen niedlichen Teddyplüsch im Gesicht, meine Haut fühlt sich an wie Frikassee und mir tut jedes einzelne Haar weh. Und warum? Weil die Frau beschlossen hat, mein Fellwechsel müsste heute stattfinden. Erwähnte ich bereits, dass Geduld nicht ihre größte Stärke ist? Warum also wochenlang täglich flauschige Fellbällchen aus mir herausstriegeln, wenn man mir doch hier und jetzt alles auf einmal ausreißen kann und die Haut gleich mit?

Bei der Umsetzung dieses teuflischen Planes kommen diverse Mordwerkzeuge zum Einsatz, allen voran der Furminator. Das spricht sich so ähnlich wie Terminator und genauso wirkt es auch. Dann gibt es noch den Federstriegel (geht so. Ruppig und pieksig.), den Nadelstriegel (bei richtiger Anwendung ganz angenehm. Aber in den zwei linken Händen der Frau? Vergesst es!) und den Gummistriegel (fühlt sich bei geschicktem Einsatz an wie Fellchenkraulen mit den Zähnen. Bei uns also eher nicht.)

Kann mal bitte jemand meiner empathiefreien Eigentümerin sagen, dass Haareausreißen weh tut? Und dass es weniger mit Fellpflege als mit Flächenakupunktur zu tun hat, was diese Mordinstrumente mit meiner zarten Haut veranstalten? Überhaupt finde ich es grob fahrlässig, solche Enthaarungsartikel ohne Waffenschein an Grobmotoriker wie mein reizendes, aber ungeschicktes Frauchen auszuhändigen. So. Das musste mal gesagt werden.
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Irgendwas mit Pferden

Da lacht sogar der Lutschi!

Wie immer, wenn meine Besitzerin nichts mit sich anzufangen weiß, will sie ein neues Leben anfangen. Dieses Mal mit einem neuen Beruf.

Was sie sich denn da so vorstellen würde, fragt der Mann, denn natürlich hat sie laut gedacht.

Irgendwas mit Pferden!, kommt wie aus der Pistole geschossen die Antwort.

Ah ja, nickt der Mann schicksalsergeben.

Immer im Büro rumsitzen, das könnte ja nicht alles sein. Sie müsste sich verwirklichen, und sie würde ganz deutlich spüren, dass es was mit Pferden sein muss. Und ohne Büro.

Das wären ja schon sehr konkrete Vorstellungen, merkt der Mann an.
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Die Frau will zurück zur Natur

Die Frau will mal wieder ihr Leben ändern und zurück zur Natur. Sie hat ja letztens schon festgestellt, dass sie ein Naturtalent ist. Was liegt also näher, als da noch einen draufzusetzen und alles Unnatürliche aus ihrem (und unserem) Leben zu verbannen?

Es fing eigentlich ganz harmlos an, und zwar mit selbstgebackenen Pferdeleckerli voller gesunder und naturbelassener Zutaten. Liebevoll zusammengerührt und eigenhändig im Backofen bis zur Ungenießbarkeit verbrannt. Tolerant, wie wir nun einmal sind, haben der Lutschi und ich das sonderbare Backwerk gegessen und uns innerlich für das gewappnet, was da noch kommen sollte. Und es war einiges.
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Die Frau, das Naturtalent

Ein Porträt von Pfridolin Pferd

Wir brauchen jetzt keinen Unterricht mehr, hat die Frau beschlossen. Weil sie nämlich ein Naturtalent ist. Und unglaublich einfühlsam, weshalb sie genau weiß, was wann zu tun ist. Intuitiv und so.

Mir fällt da spontan unser letzter Ausritt ein, bei dem sie nach dem zweiten Windstoß intuitiv beschlossen hatte, sich an den Zügeln festzuhalten und mich anzuschreien, ich sollte mich gefälligst nicht so erschrecken. Aber vielleicht war das ja eine dieser Lernerfahrungen, von denen sie neuerdings oft spricht. Ich weiß ja nicht, wo sie ihre lustigen Ideen herbekommt, habe aber ganz stark ihre Wendy-Hefte Pferdezeitschriften im Verdacht. Jetzt ist sie also Pferdeflüsterin mit Bauchgefühl.
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Die Rübe muss runter!

Ein Pferd von schräg-hinten

Wusstet ihr schon, dass ich Bauchmuskeln habe? Und die Frau auch? Ja, da hab ich auch gestaunt.

Aber der Reihe nach. Wir eiern gerade vorderlastig über den Reitplatz, als sich Frau Reitlehrerin vorsichtig lächelnd in die Mitte stellt und die Frau fragt, was sie da gerade reiten würde.

Vorwärts-abwärts natürlich, antwortet die. Siehst du doch.

Tendenziell schon, antwortet Frau Reitlehrerin, inhaltlich wäre aber noch viel Luft nach oben, und die Ausführung stünde dann noch auf einem ganz anderen Blatt.
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