In der Natur gibt’s das auch nicht

Zwischen den Pferdeohren hindurchfotografiert: Licht- und Schattenspiel im Wald

„Warum tun wir das eigentlich?“, fragt die Frau, während wir Frau Reitlehrerin im Trab umkreisen, auf die besonders eckige Art, die unsere Zirkel auszeichnet.

„Um den Pfridolin zu gymnastizieren“, antwortet Frau Reitlehrerin. „Durch das gleichmäßige Biegen auf beiden Händen wird er geradegerichtet und wir können übermäßigem Verschleiß entgegenwirken. Außerdem trainiert er dabei seine Bauchmuskeln und die Hinterhand gleich mit.“

„Meine auch“, keucht die Frau mit hochrotem Gesicht und hat Fragen. Zum Beispiel: Muss das so anstrengend sein? Und so furchtbar schwer? Warum sieht das bei anderen so einfach aus? Und warum lasse ich mich eigentlich so quälen? „In der Natur laufen Pferde auch nicht stundenlang im Kreis“, fasst sie schließlich ihren Unmut zusammen. „Zum Biegen müsste doch eine Runde genügen. Und dann wieder geradeaus. Überhaupt ist dieses Dressurreiten nicht gut, das gibt’s in der Natur auch nicht.“

„Definiere Natur“, sagt Frau Reitlehrerin.

„Ja so Freiheit und draußen halt. Mit Wildpferden.“ „In der Natur gibt’s das auch nicht“ weiterlesen

Für euch getestet: OsteoDressage Online-Seminar „Biegung“

Online-Seminar Biegung

„Dieses Reiten ist so entsetzlich schwer“, stöhnt die sogenannte Besitzerin. „An was man dabei alles denken muss! Und dann noch die natürliche Schiefe!“

„Zu welcher Seite ist der Pfridolin denn schief?“, erkundigt sich der Mann, der ebenfalls gerüchteweise von dieser ominösen Schiefe hörte.

„Nach rechts. Oder nach links. Ach, was weiß denn ich. Und dann dieses Geraderichten!“

„Ist es dafür nicht wichtig, dass man weiß, was schief ist und wie man es geraderichtet? Und wie funktioniert das eigentlich?“

„Übers Reiten und Biegen natürlich“, erklärt die sogenannte Besitzerin. „Man reitet da so rum“, sie deutet wahllos auf irgendwelche Bahnpunkte, „und richtet dabei sein Pferd gerade.“

Also was mich betrifft, darf es da auch gerne mal konkreter werden. Mit Rumreiten und irgendwie Geraderichten sind wir gefühlt kein Stück weitergekommen. Auch das spanische Mähnenwunder, das ja angeblich von der sogenannten Besitzerin ausgebildet wird, hat seitdem eine Bewegungslegasthenie, die sich gewaschen hat, und kann nur noch rechtsrum laufen. Linksrum eher nicht. Frau Reitlehrerin gibt sich ja viel Mühe, aber die sogenannte Besitzerin ist einfach ein hartnäckiger Fall und braucht eine Sondereinheit Theorie. Mindestens. Besser noch zwei, drei oder vier. Da kommt uns das Online-Seminar „Biegung“ wie gerufen. Frau Reitlehrerin vergattert die sogenannte Besitzerin zum Gucken und fragt sie hinterher ab und ich mach mir solange eine schöne Zeit 😉 „Für euch getestet: OsteoDressage Online-Seminar „Biegung““ weiterlesen

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„Das hab ich mir jetzt aber anders überlegt!“

Ein schwarzes Pferd streckt die Zunge heraus. Man merkt gleich, dass es sehr klug ist.

„Sollen wir nachher noch ausreiten gehen?“, fragt Horstis Besitzerin, und die Frau stimmt zu. Wir sind ja jetzt die tollkühnen Ausreiter und alle sollen es sehen, jawohl!

Blöd nur, dass zur verabredeten Uhrzeit weit und breit nichts von mir und der sogenannten Besitzerin zu sehen ist. Wir sind nämlich in der Longierhalle, was Frau Horsti durch Zufall herausfindet. „Hab ich mir anders überlegt, sah nach Regen aus“, erwidert die Frau, als Frau Horsti an das Ausreit-Date erinnert.

Und warum das Ganze? Die sogenannte Besitzerin hat ein neues Hirngespinst Wort gelernt. Und zwar „kapriziös“. Ich weiß nicht, wo sie solche Ausdrücke herhat. Findet sie aber mega und will sie total gern sein. Weil es angeblich das Leben bereichert, wenn man jeder Laune spontan nachgibt, vertraut uns die lustige Irre an, zu der unsere Besitzerin mutiert ist. „Das Leben ist nämlich kurz und man muss es bewusst leben.“

Das spanische Mähnenwunder ist schon eingeschlafen und schnarcht leise. Ich bleibe wach und höre weiter zu. Wesentlicher Bestandteil des bewussten Lebens ist ihrer Meinung nach, dass man jeder Laune sofort und bedingungslos nachgibt und sich einen Dreck um Vereinbarungen schert. Sie drückt es anders aus, aber darauf läuft es hinaus. Und sie wäre nicht launisch und unzuverlässig, sondern vielmehr kapriziös und charmant. Also ich nenne das Realitätsverlust und Dachschaden, aber ich bin ja hier nur das Pferd und mich fragt keiner. Jetzt hört sie auf zu sprechen.

* Neue Abgründe aus dem Reiterleben. Und Lösungen für Probleme, von denen man noch gar nicht wusste, dass man sie hat 😉

Der Mann und ich gucken uns an. Ok, sie hat Leckerli in der Tasche, das ist zweifellos eine gute Charaktereigenschaft. Und sie ist wirklich süß, wenn sie sich so aufregt, denke ich mir und beobachte die Hosentasche mit den Leckerli scharf. Ob ihr schon aufgegangen ist, dass man sich sensationell unbeliebt macht, wenn man seine Meinung im Sekundentakt ändert? Noch nicht, vermute ich, aber bestimmt merkt sie es später. Aber der Reihe nach.

Wenig später: Frau Reitlehrerin steht mit suchendem Blick da. Die sogenannte Besitzerin hat nämlich ganz spontan Reitunterricht gebucht. Jetzt ist sie leider nicht mehr da. „Hab ich mir anders überlegt“, teilt sie per WhatsApp mit.

Genau dasselbe, als sie mit ihrer Bald-nicht-mehr-Freundin Frau Horsti verabredet hat, Horsti, mich und das spanische Mähnenwunder nochmal auf die Weide zu stellen. Hat sie sich anders überlegt, kann man nix machen.

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Oder der groß geplante, langfristig angelegte Wechsel der Einstreu von Stroh auf Späne. Weil wir angeblich ein wenig unschlank geworden sind. Genau wie sie. Also karrt der Mann, der es mittlerweile eigentlich besser wissen müsste, einen Haufen Späne an. „Brauchen wir nicht mehr, ich hab mir das anders überlegt. Bis grade eben hat sich das noch gut angefühlt, aber jetzt nicht mehr.“ Ich persönlich finde Späne längst nicht so schmackhaft wie Stroh, von daher habe ich daran ausnahmsweise nichts auszusetzen.

Als nächstes steht der Termin mit dem Hufschmied an, wo sich jeder vernunftbegabte Pferdebesitzer freut, wenn der Hufbearbeiter des Vertrauens halbwegs pünktlich erscheint. Nicht so bei uns: „Das hab ich mir aber anders überlegt“, murmelt die Frau bockig, als der Eisenbieger gerade auf den Hof gefahren kommt. „Jetzt wollte ich lieber ausreiten.“ Das muss sie auch, weil sie der Eisenbieger laut schimpfend vom Hof jagt. Und das spanische Mähnenwunder gleich mit. „Wie ungesittet. Man kann doch mal seine Meinung ändern“, äußert sie beleidigt, als der Mann und ich den Lutschi und sie am nahegelegenen Grünstreifen aufsammeln. „Hmpf.“

Und da haben es der Mann und ich es uns auch anders überlegt und einen herrlich entspannten Männerspaziergang gemacht, mit ganz viel Gras to go und Seele baumeln lassen. Selber hmpf 😛

Bild: Hab ich mir anders überlegt 😛

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Herrlich, dieses Ausreiten!

Ein Pferd wird während eines Ausritts auf der Straße geführt.

Die sogenannte Besitzerin war wieder an den Beruhigungskräutern in der Futterkammer und fühlt sich wie Ingrid Klimke. „Wir gehen ausreiten, der Lutschi muss ja schließlich auch im Gelände ausgebildet werden“, beschließt sie. Der Lutschi ist unser spanisches Mähnenwunder und heißt eigentlich Lucero. Weil er die orale Phase nie so ganz überwunden hat, wird er Lutschi genannt. Aber das wisst ihr ja.

Der Plan sieht so aus: Der Mann lässt sich von mir durch die Wildnis rund um den Hof schaukeln, die Frau – in ihrer Funktion als Ausbilderin und somit ganz wichtig – schwingt sich, mit Sturzhelm und -weste bekleidet, auf den tiefenentspannten Spaniokel, der erstmal aus der Siesta wachgerüttelt werden muss. „Der ist ja noch jung, da weiß man nie“, tönt sie und fällt vor Schreck fast runter, als sich der Lutschi den Kopf am Bein kratzen muss. „Herrlich, dieses Ausreiten!“ weiterlesen

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Für euch gelesen: Die Geschichte der französischen Reitweise

Der Lutschi tut so, als würde er ein Buch lesen. Mit dem Titel "Die Geschichte der französischen Reitweise". In Wirklichkeit guckt er nur die Bilder an.

Man tut ja eigentlich viel zu wenig für die Bildung. Und wo die sogenannte Besitzerin zwischendurch immer mal von Ledscherté faselt, bin ich lieber vorbereitet und ergründe beizeiten, wie in der französischen Reiterei das Eine mit dem Anderen zusammenhängt. Wusstet ihr zum Beispiel, dass die französische Reitweise Weltkulturerbe ist? Wer hätte das gedacht. Also flugs ins kluge Buch geschaut, um noch mehr Erhellendes zu erfahren. Dort sind übrigens auch viele sehr schöne, sehr künstlerische Zeichnungen. Also schon schick. „Für euch gelesen: Die Geschichte der französischen Reitweise“ weiterlesen

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„Ist ja nicht mein Pferd!“

Ein braunes Pferd bewegt sich dynamisch und wirbelt Sand auf.

Neulich auf der Stallgasse.
Miteinstallerin A: „Bei Daisy geht die Boxentür nicht richtig zu.“

Ein leerer Blick ist die Antwort. Und ein achselzuckendes „Ist ja nicht mein Pferd.“ Die Frau, meine sogenannte Besitzerin, hat beschlossen, sich zur Abwechslung nur noch um ihre eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Interessant, das hatten wir noch nie 😛 „„Ist ja nicht mein Pferd!““ weiterlesen

Isidor töltet nicht mehr

Ein isländischer Schimmel, der uns den Hintern zuwendet

„Isidor töltet nicht mehr!“ Seine Besitzerin ist ganz aufgeregt. Isidor hat sonst so zuverlässig wie ein Uhrwerk getöltet und mich mit seinem lauten Takka-Takka das ein oder andere Mal an den Rand des Wahnsinns gebracht. Ich persönlich finde eh, dass Isis waffenscheinpflichtig sind, aber auf mich hört ja keiner.

„Was soll ich denn jetzt tun?“ Mit weit aufgerissenen Augen starrt sie die Frau, meine sogenannte Besitzerin, an. Die ist bekanntlich selbsternannte Pferde-Expertin und amtliches Naturtalent und wirft sich stolz in die Brust. „Ich kann ja mal gucken“, bietet sie an.

Gesagt, getan. Wobei ich nicht weiß, was die kurzsichtige Madame da besichtigen will, der Isidor ist ja tendenziell eher klein. Aber egal. Mit viel „Hm hm“ und „So so“ und gerunzelter Stirn starrt sie auf den Töltverweigerer. „Isidor töltet nicht mehr“ weiterlesen

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Für euch gelesen: Im Gespräch mit wilden Pferden

Ich lese "Im Gespräch mit wilden Pferden" und erzähle euch davon.

„Kommunikation ist doch was wunderbares“, sinniert die sogenannte Besitzerin. „Wäre es nicht toll, wenn ich mit dem Pfridolin kommunizieren könnte?“

„Tust du doch, du redest doch die ganze Zeit mit ihm“, erwidert der Mann.

„Nein, in seiner Sprache.“

„Machst du doch, mit Körpersprache.“

„Das sind doch nur Kunststückchen“, winkt die Frau ab.

Ich glaube, sie hat das Konzept von Bodenarbeit noch nicht verstanden. Und viele andere Dinge auch nicht, wenn ich mir so ihre körpersprachlichen Botschaften angucke. Zum Glück gibt’s was dagegen, und zwar das neue Buch von Tierfilmer Marc Lubetzki. „Für euch gelesen: Im Gespräch mit wilden Pferden“ weiterlesen

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Reiten mit der Kraft der Gedanken

Reiten mit der Kraft der Gedanken - aber am liebsten gar nicht

„Warum lässt du denn den Pfridolin hier grasen? Und sitzt ohne Sattel und Trense auf ihm?“

Fragen über Fragen, die ich gerade nicht beantworten kann, weil ich endlich mal ungestört zum Grasen komme, OBWOHL die sogenannte Besitzerin dabei ist. Die sitzt, wie man schon vermuten konnte, auf mir rum, aber ausnahmsweise fällt sie mir nicht zur Last. Sorry, schlechtes Wortspiel, musste aber sein.

Wie sich schnell herausstellt, spricht Frau Reitlehrerin auch nicht mit mir, sondern mit der Frau, die irgendwas von „Freestyle“ nuschelt und von „Reiten mit der Kraft meiner Gedanken.“ „Reiten mit der Kraft der Gedanken“ weiterlesen

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