Angrasen, aber zivilisiert

Ja, genauso habe ich auch geguckt. Das ist doch ein Widerspruch in sich und komplett unmöglich. Wenn Gras, dann reinhauen bis zur Bewusstlosigkeit. Oder bis die sogenannte Besitzerin so laut schimpft, dass einem die Ohren bluten. Begriffe wie „satt“ kommen in meiner Welt nur am Rande vor. Aber wo sie ganz sicher nicht vorkommen, das ist die kleine Welt des spanischen Mähnenwunders, das sich so zügig durch ganze Wiesen fräst, als hätte man in seine Vorfahren Hochleistungsrasenmäher eingekreuzt. „Angrasen, aber zivilisiert“ weiterlesen

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Natürlich passt der Sattel, der hat schließlich immer gepasst

„Jetzt halt doch mal still, ich will dich satteln“, schimpft die Frau, meine sogenannte Besitzerin. Ich stehe am Anbinder und habe trotz aller Bemühungen meinen Anbindeknoten nicht aufbekommen. „Und eine neue Schabracke hab ich auch, die wird dir gefallen.“ Wird sie nicht, da bin ich sicher. Sicherheitshalber gehe ich noch einen Schritt zur Seite.

Die Frau startet einen neuen Versuch und springt mich mit dem Sattel in der Hand an wie eine sehr langsame Löwin. Ich weiche aus und latsche ihr dabei auf den Fuß. „Natürlich passt der Sattel, der hat schließlich immer gepasst“ weiterlesen

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Und übrigens will ich mit Schlaufzügeln reiten

„Und übrigens will ich mit Schlaufzügeln reiten“, verkündet die Frau, meine sogenannte Besitzerin. „Weil der Schlaufzügel, richtig angewendet, für Pferd und Reiter eine große Hilfe darstellt“, zitiert sie die Werbung.

Richtig angewendet heißt für mich, kleingeschnitten über den Restmüll entsorgt. Oder zum Hochbinden von irgendwelchem Grünzeug verwendet. Aber ich bin ja hier nur das Pferd und man sagt mir nach, ich würde lästern. „Und übrigens will ich mit Schlaufzügeln reiten“ weiterlesen

Darum kümmert sich der Tierarzt. Nächsten Monat oder so.

„Darum kümmert sich der Tierarzt. Nächsten Monat oder so, wenn ich wieder Geld habe“, beschließt die Frau, unsere sogenannte Besitzerin, und wirft dem Lutschi, unserem spanischen Mähnenwunder, einen aufmunternden Blick zu. „Bis dahin geht’s auch so.“

Der Lutschi, der seine zwei Gehirnzellen ausnahmslos fürs Mähnenwachstum benötigt, guckt erwartungsvoll zurück.

„Nein, es gibt keine Leckerlis, wir müssen sparen“, weist ihn die Frau zurecht.

Das kleine Licht in seinen Augen erlischt und der Lutschi lässt den Kopf hängen. Wobei er Heu entdeckt. Lecker. „Darum kümmert sich der Tierarzt. Nächsten Monat oder so.“ weiterlesen

Ohne alles

Die Frau, meine sogenannte Besitzerin, war wieder im Internet und hat da was gesehen. Und das will sie jetzt auch. „So schön!“, schwärmt sie Frau Reitlehrerin vor. „Voll harmonisch und schön und überhaupt! Und das mach ich jetzt auch.“

„Und klappt das?“

„Noch nicht so toll“, gibt die Frau zu. „Meistens steht der Pfridolin nur rum und frisst.“ „Ohne alles“ weiterlesen

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Aussitzen um jeden Preis

„Nö, ich bleib aussitzen“, winkt die Frau, meine sogenannte Besitzerin ab, als Frau Reitlehrerin sie zum Leichtraben auffordert.

Und warum? Weil irgendwer mal irgendwo gesagt hat, aussitzen wäre das, was die wirklichen Reitprofis und Reitkünstler tun. Anfänger und hoffnungslose Fälle würden leichttraben. Also die Menschengruppen, zu denen die Frau nie im Leben gehören möchte. Von daher hoppelt sie lieber wie ein epileptisches Känguru auf mir herum anstatt sich zivilisiert und halbwegs kontrolliert ins Leichttraben zu begeben. Die unschönen und schmerzhaften Aspekte dabei verdrängt sie, weil sie mal gelesen hat, dass es völlig normal ist, wenn einem beim Reiten alles wehtut. „Aussitzen um jeden Preis“ weiterlesen

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Reiter sind doch alle gleich

Buh, Reiter, sagen die Spaziergänger, die bei uns am Stall vorbeikommen. Buh, Sportreiter, sagen dagegen die Freizeitreiter, die es differenzierter sehen. Buh, Freizeitreiter, sagen die Sportreiter. Und dann geht es nahtlos weiter mit buh, Gangpferdereiter, die Pferde lahmen doch alle oder buh, Reitkünstler, schwungloses Dahergeschlurfe. Oder buh, andere Sorte Reitkünstler, das sind doch sektenähnliche Strukturen und kein Pferd läuft ohne Not in dieser Haltung. Buh, Springreiter, die heizen doch nur über den Parcours beziehungsweise buh Dressurreiter, die haben alle Angst vor dem Springen. Und dann gibt’s noch buh Rennreiter, das ist doch Kinderarbeit und buh, Westernreiter, die Pferde laufen doch alle auf der Vorhand. „Reiter sind doch alle gleich“ weiterlesen