Warum?

„Warum tun wir das eigentlich?“, fragt die sogenannte Besitzerin, während sie sich zu ihrem rechten Fuß hinabbeugt.

„Damit du lockerer wirst“, antwortet Frau Reitlehrerin. „Und jetzt zur anderen Seite!“

„Nein, das meine ich nicht. Ui, das ist aber schwierig. Moment, ich habs gleich.“ Mit einem Ächzen richtet sie sich wieder auf.

„Sehr gut“, lobt Frau Reitlehrerin. „Und jetzt versuchst du mal, mit deinen Füßen Achten zu zeichnen.“

„Das geht nicht. Dafür sind die nicht gemacht“, verweigert sich die Frau, lässt sich dann aber doch zu einem Versuch überreden. „Nein, ich meine – warum machen wir das eigentlich, diese ganze Quälerei? Turnen auf dem Pferd, sich in der vollen Reithalle zum Affen machen… dieses ganze Reitunterrichts-Gedöns halt?“ „Warum?“ weiterlesen

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Schwer in Ordnung – Gymnastik aus dem Punkteparadies

Im Test: „Gymnastik für den Reiter- fit für den Sattel“ von Hippovital

Alle machen Produkttests – wir auch! Eigentlich war es ja meine Idee, aber Faxe tut so, als wäre er darauf gekommen. Dabei hat er nur den Vorschlag gemacht, ein billiges preisgünstiges Produkt zu testen, damit mehr Geld für Möhren übrigbleibt. Was ja eigentlich keine sooo schlechte Idee ist.

Die nächste Frage war, was wir testen. Faxe war für Möhren. Ich auch. Problem: Wir hatten keine. Da kam Frau Reitlehrerin ins Spiel. Die hatte zwar auch keine Möhren, aber einen Auftrag für die Frau: Beckenmobilisierung. Bisher hatte die Frau im Unterricht auf sehr meditative Art auf mir herumgeturnt und immer mal wieder versprochen, auch ohne mich und Frau Reitlehrerin Sport zu treiben. Es blieb aber beim guten Vorsatz. Das sollte sich jetzt ändern, und zwar, weil die Frau mal wieder ein neues Leben beginnen wollte und sich dafür einen pinken Gymnastikball gekauft hat.

Sie hat das schon mal, ungefähr zweimal pro Woche. Dann fängt sie ein neues Leben ohne Süßigkeiten an. Oder ohne Fleisch oder ohne Kaffee. Diesmal sollte es ein neues Leben „mit“ sein. Mit Sport nämlich. Sowas hatten wir auch schon (siehe oben), das fand aber mehr so innerlich statt und hielt maximal eine halbe Stunde an. Aber jetzt sollte alles anders werden, und zwar wegen des Gymnastikballs.

Die Frau ist nämlich leicht zu konditionieren: Pink = toll. Sie würde also, so unsere messerscharfe Schlussfolgerung, jetzt zur begeisterten Turn-Elfe werden. Damit war sie die ideale Testperson für ein Gymnastik-Video, und zwar das von Hippovital. Passenderweise gehört es zur Serie „Schwer in Ordnung“. Faxe und ich fanden das nur angemessen, weil die Frau ja kein Leichtgewicht ist 😉

Frau Reitlehrerin hat uns unterstützt und darauf hingewiesen, dass so ein Gymnastikball zahlreiche Vorzüge hat. Zum einen lebt er nicht und zum anderen kann man ihn überallhin mitnehmen, sogar ins Büro. Aber dazu später mehr.

Eine Turnmatte hat die Frau auch. Es konnte also losgehen. Weil Frau Reitlehrerin neugierig war (wir auch 🙂 ), fand die erste Übungseinheit auf dem Reitplatz statt. So richtig strebermäßig, wie im Video. Die Frau kam sich ganz wichtig vor, weil sie Frau Reitlehrerin zeigen konnte, was für einen tollen pinken Gymnastikball sie hat und wie großartig sie damit umgehen kann. Sie hatte natürlich auch schon heimlich geübt und sich professionell aufgewärmt (zwei Runden um den Platz gejoggt und keuchend aufgegeben). Als ihr Gesicht dann nicht mehr ganz so rot war, ging es mit lässigen Stretchingübungen weiter. Faxe und ich fanden, dass ihr cooler Gesichtsausdruck die mangelnde Beweglichkeit (geschmeidig wie ein Sack Möhren, meinte Faxe) gut überspielt. Frau Reitlehrerin war ganz schön beeindruckt, das konnte man sehen.

Dann kam die Kür: der pinke Gymnastikball. Faxe und ich haben sehr gelacht. Unsere Lieblingsübung heißt „Galionsfigur“. Dabei springt die Frau von vorne/oben auf den Ball (na ja, meistens daneben) und bleibt dann wie ein großes, dickes Häschen dort sitzen. Oder auch nicht. Weil sie dabei gequietscht und immer weitergemacht hat, haben wir uns aber gedacht, dass es Spaß macht.

Na ja, und was soll ich sagen: Reiterlich hat sie sich tatsächlich verbessert. Das leidige Hohlkreuz ist so gut wie weg und sie ist fast so locker wie eine brasilianische Sambatrommel. Frau Reitlehrerin sagt, die Frau nimmt den Gymnastikball jetzt immer mit ins Büro und kuschelt dort mit ihm. Sieht bestimmt total bescheuert aus, macht aber anscheinend locker und glücklich 😉

Zum Produkt: Das Video ist Teil einer Serie, die „Schwer in Ordnung“ heißt. Es geht darin um Gymnastik für Pferd und Reiter. Ich finde den Namen eigentlich sehr schön und passend, aber Faxe hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass damit möglicherweise nicht die Frau gemeint ist, sondern die gepunkteten Noriker von Hippovital.

Das Video kostet 6,90 EUR und ist im Direkt-Download erhältlich, also gut für Ungeduldige geeignet. Es ist ca. 11 Minuten lang, was der Aufmerksamkeitsspanne der Frau zugute kommt. Inhaltlich werden nicht nur Stretching- und andere Gymnastikübungen gezeigt, sondern auch Infos über muskuläre Zusammenhänge und die Auswirkungen der Pferde-Anatomie auf den Sitz des Reiters gegeben.

Pro: Die Übungen haben uns gut gefallen. Es sieht lustig aus, wenn die Frau vom Gymnastikball fällt. Ein weiterer Vorteil: Sie turnt jetzt auf dem Gymnastikball und nicht mehr auf mir.
Die Frau im Video spricht österreichisch, was der Frau gut gefällt. Auch der Preis hat ihr gefallen und dass sie jetzt einen pinken Gymnastikball hat. Am tollsten fand sie aber die Infos über den Pferdekörper und wie der sich auf den korrekten Sitz auswirken kann. Mit anderen Worten: es liegt natürlich wieder mal an mir, wenn was nicht klappt. Das kenn ich aber schon und trage es mit Fassung.

Contra: Man muss tatsächlich regelmäßig üben. Außerdem kann die Frau immer noch nicht Hohe Schule reiten, was aber wahrscheinlich nicht am Video liegt. Die Übungen kommen zügig hintereinander, es fehlen aber Angaben dazu, wie lang und wie oft etwas geturnt werden sollte. Außerdem scheint die nette österreichische Frau dieselbe Rechts-Links-Schwäche wie die Frau zu haben, weil sie die Beckenuhr falsch herum erklärt. Die Frau fand das übrigens nicht schlimm, weil es ihr gar nicht aufgefallen ist. Vielleicht ist das aber auch ein Hinweis darauf, dass man diese Übung in beide Richtungen machen sollte 😉

Fazit: Gute Tipps für kleines Geld!

Die Frau macht Hula-Hoop

Ein schwarzes Pferd mit offenem Maul. Es sieht aus, als würde es lachen.

Die Frau ist ja eher so’n Steifftier. Damit sie wenigstens ein klein bisschen Gefühl für ihre Kehrseite bekommt (und besser damit denken lernt), macht Frau Reitlehrerin mit ihr Sitzübungen. Ich bin wie immer unersetzlich und muss sie dabei rumschleppen, weil der Lutschi noch zu unreif für so wichtige Aufgaben ist.

Als erstes kommt die Zifferblattübung. Sie soll sich vorstellen, sie würde mitten auf einem Zifferblatt sitzen und soll dann das Becken auf die 12 kippen oder auf die 3 oder die 6. Manchmal wird auch gekreist, immer ringsum. In der Zeit hab ich frei und kann an Stuti denken. Das ist also ziemlich ok.

Natürlich hat die Frau hieran was zu meckern. Wie könnte es auch anders sein ^^. Ihre Beschwerden zielen hauptsächlich darauf ab, dass sie mir meine Freizeit mißgönnt und denkt, die Bewegungsanteile wären ungleich verteilt. Außerdem meint sie (völlig zu Recht), sie sähe blöd aus, wenn sie die Hüften so schwingt. Zitat: Wie eine Samba-Tänzerin mit Bauchschmerzen. Da muss sogar Frau Reitlehrerin lachen. Das hilft der Frau aber nicht, sie muss weiter Tschakka-Lakka mit dem dicken Hintern machen ihr Becken mobilisieren.

Die Frau findet das doof und will mit Frau Reitlehrerin diskutieren. Das tut sie ja oft, wenn irgendwas nicht klappt – also eigentlich ständig. Wozu das denn überhaupt gut wäre. Sie würde reiten wollen und sich nicht hüftenschwingend lächerlich machen. Piaffe, Passage und solche Dinge. Oder Garrocha!

Frau Reitlehrerin erklärt zum fünfundachtzigtausendsten Mal – aber immer noch sehr geduldig, wie ich finde –, dass richtiges Reiten halt nur aus einem korrekten Sitz heraus funktionieren würde. Der Sitz wäre die Basis für alles andere. Die Frau nörgelt, das würde sich aber ganz schön ziehen. Sie würde bestimmt schon seit einem Jahr ganz viel auf mir rumturnen, wann denn nun endlich der korrekte Sitz da wäre? Das wäre ein Dauerprojekt, erwidert Frau Reitlehrerin. Am Sitz müsste man immer arbeiten. Auch die Profis? fragt die Frau bang. Auch die Profis, nickt Frau Reitlehrerin.

Seufzend fügt sich die Frau ins Unvermeidliche und fragt, ob sie denn außer Reiten noch etwas tun könnte, um lockerer zu werden. Klar, meint Frau Reitlehrerin. Wie wäre es denn mit Hula Hoop? Die Frau kichert, Hula Hoop hätte sie als Kind viel gemacht. Das wär ja total einfach! Na dann, lächelt Frau Reitlehrerin und stellt reiterliche Erfolge in Aussicht. Die Frau hat Blut geleckt und kauft sich bei nächster Gelegenheit so ein Gerät.

In der nächsten Reitstunde hat sie sich dann darüber beschwert, dass die heutigen Hula-Hoop-Reifen alle nix taugen würden. Die würden ja dauernd runterfallen. Der Plan wäre eigentlich gewesen, den Reifen gefühlte Ewigkeiten um ihre biegsamen Hüften tanzen zu lassen und nicht, sich dauernd zu bücken. Unverschämtheit, sowas.

Frau Reitlehrerin sagt dazu erstmal nix und wartet ab, ob die Frau vielleicht auch alleine darauf kommt, dass sie als Kind lockerer war als heute, wo sie ein mittelalterliches Steifftier ist. Und ich freu mich schon darauf, dass sie das quietschbunte Ding demnächst in den Stall mitbringt und mit dem Lutschi Halsringreiten macht. Für was anderes würde es ja nach ihrer Ansicht nicht taugen. Ich habe glücklicherweise einen eigenen Halsring, und zwar in dezenter Farbgebung, aber zum Lutschi passt der pinke Plastikreifen perfekt.
Barbie-Pony 😉

Turnstunde für Steifftiere

Ich wälze mich im Sand. Das ist irgendwie auch Turnen. auch

Bei uns wird jetzt geturnt. Ich hoffe, die Frau verletzt sich nicht. Sie hat doch so gar keine Körperkontrolle, wie leicht tut man sich da weh.

Frau Reitlehrerin hat nämlich beschlossen, dass die Frau, die ja bekanntlich ein Bewegungswunder ist, zumindest ein rudimentäres Körpergefühl entwickeln sollte, das heißt, sie sollte im Ansatz wissen, wo sich ihre Körperteile gerade aufhalten, und zwar nicht nur beim
Auf-dem-Sofa-sitzen, nein, auch beim Reiten. Auf einem sich bewegenden Pferd. Eventuell sogar im Trab und Galopp 🙂

Sie behauptet immer, das käme vom Büro. Sie würde den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen und am PC und gleichzeitig telefonieren und dann wäre man halt so steif wie sie. Komisch nur, dass andere Reiterinnen, die auch im Büro arbeiten, nicht ganz soviel Eigendynamik in ihren Armen und Beinen haben. Das sind übrigens die, die nicht die ganze Zeit an den Zügeln rumzuppeln und die Beine einfach nur ruhig runterbaumeln lassen 😉

Faxe sagt, die Dinosaurier hatten zwei Gehirne – eins im Kopf und eins im Schwanz. Weil die ihren Körper ansonsten gar nicht hätten bewegen können. Vielleicht wäre das ja was für die Frau – ein Extragehirn für die Arme und eins für die Beine ?

Bis es soweit ist, wird aber geturnt. Glücklicherweise macht sie das meiste ohne mich und ich muss nur bei wenigen Übungen mithelfen, zum Beispiel beim Radfahren. Dabei sitzt sie auf mir drauf und strampelt mit den Beinen wie beim Radfahren, vorwärts und rückwärts. Die anderen Pferde haben vielleicht geguckt, als sie das gesehen haben. Peinlich, sag ich euch. Jetzt hab ich ja glücklicherweise ein weißes Bein und bin erstmal vom Turnunterricht befreit 🙂