„Der will nur spielen“, erklärt der Besitzer des neugierigen Hundes, der dem spanischen Mähnenwunder und mir beim Ausritt um die Beine springt. Also nicht der Besitzer springt. Der Hund hüpft. Und eigentlich ist der Besitzer auch gar nicht da. „Der will nur spielen!“ weiterlesen
Hier erschreckt er sich immer!
„Im Herbst reite ich nicht mehr aus“, verkündet die Frau, meine sogenannte Besitzerin.
„Warum denn nicht?“, erkundigt sich Frau Reitlehrerin.
„Weil der Pfridolin sich da ständig erschreckt und komische Sachen macht.“ Düsterer Blick seitens der Frau.
„Zum Lachen?“
„Nein, die andere Sorte komisch. Die, wo man fast runterfällt.“ „Hier erschreckt er sich immer!“ weiterlesen
The Power of Whoa
Die sogenannte Besitzerin mag nicht mehr ausreiten. Gar kein bisschen. Noch nicht mal die itzi-bitzi-winzige Zehn-Minuten-Runde einmal um den Hof. Anscheinend haben die Beruhigungskräuter aus der Futterkammer ihre Wirkung verloren. Letzte Woche sind wir noch durch die Wälder gebrettert, als gäbe es kein Morgen mehr. Und jetzt? Fehlanzeige. Weil ich möglicherweise letztens zu gut auf uns beide aufgepasst habe. Was soll ich tun, wenn ich nicht gerade Freizeitpferd bin, bin ich Frauchenretter. Und wenn was Gefährliches im Gebüsch lauert, gehe ich kein Risiko ein und bringe uns beide in Sicherheit, ob die Frau das nun will oder nicht. Wenn nichts Gefährliches im Busch lauert, laufe ich allerdings auch schnell wie der Blitz daran vorbei. Ich will ja nicht warten, bis es irgendwann mal gefährlich wird. „The Power of Whoa“ weiterlesen
Nom nom nom
Wir machen jetzt Bodenarbeit, die sogenannte Besitzerin und ich. Weil ich mich möglicherweise bei unserem letzten Ausritt zu sehr um unser gemeinsames Überleben gekümmert habe und das ständige Wegspringen und Weglaufen an den Nerven der sogenannten Besitzerin gezerrt hat. Wie gesagt, möglicherweise. Da kann die Frau nicht gut mit umgehen, obwohl doch ich aufpasse und mögliche Gefahren sichte und nicht sie. Kann sie ja auch gar nicht, mit ihren Blindschleichenaugen und dem kleinen Gehirn. Verstehe ich absolut, weshalb ich mithelfe, wo es nur geht. Ist aber auch irgendwie nicht richtig. „Nom nom nom“ weiterlesen
Läuft bei uns
Da vorn raschelt es unheimlich. Sicherheitshalber bleibe ich stehen. Auf meinem Rücken hält die Frau, meine sogenannte Besitzerin, die Luft an und macht große Augen. Fragt nicht, woher ich das weiß, wir Pferde wissen sowas einfach. Komischerweise trägt das nicht zu meiner Beruhigung bei. Meine Idee war es schließlich nicht, bei windigem Herbstwetter auszureiten, wo ständig irgendwas wackelt und knattert und die wilden Tiere im Laub rascheln. Davon hat die sogenannte Besitzerin natürlich keine Ahnung. Die sitzt nur auf mir rum und zetert, wenn ich stehenbleibe. Wenn ich durchstarte, ist es aber auch irgendwie nicht richtig. Mit anderen Worten: Ich bin hier derjenige, der sich um die basic Sicherheitsmaßnahmen kümmert und für unser Überleben zuständig ist. „Läuft bei uns“ weiterlesen
Der Wald ist schließlich für alle da
„Der Wald ist schließlich für alle da!“, ruft uns die Spaziergängerin böse nach, als meine Reiterin sie – für unsere Verhältnisse untypisch freundlich – darauf aufmerksam macht, dass wir alle uns auf einem Reitweg befinden, aber nur vier davon, nämlich der Lutschi, unser spanisches Mähnenwunder, und ich nebst reitendem Personal – dahin gehören. „Der Wald ist schließlich für alle da“ weiterlesen
Und was kann man hier jetzt Tolles reiten?
„Und was kann man hier jetzt Tolles reiten?“ Missmutig wendet sich die Frau, meine sogenannte Besitzerin, an Frau Reitlehrerin. Eigentlich wollte die Frau ja mehr so natürliche Sachen reiten und nicht immer in der Halle im Kreis. Wo ich auch ganz ihrer Meinung bin. Frau Reitlehrerin findet das auch eine gute Idee und jetzt stehen wir im Wald auf dem Reitweg rum und die sogenannte Besitzerin hat schlechte Laune. Weil möglicherweise schon der Weg in den Wald zu aufregend war, denn die Frau war wieder am Hyperventilieren wie nur was. Anscheinend wirken die Beruhigungskräuter in der Futterkammer nicht mehr. Oder sie braucht die Mischung für nervliche Totalschäden, man weiß es nicht. „Und was kann man hier jetzt Tolles reiten?“ weiterlesen
1 Pferd für 2 Personen – Bereiter oder Reitbeteiligung, das ist hier die Frage
„Nun lass ihn doch nicht immer so daherlatschen, so wird das nie was mit der Piaffe“, zürnt die sogenannte Besitzerin.
„Ich will ja auch gar keine Piaffe reiten“, verteidigt sich der Angesprochene. Es ist der Mann, der mir im Kreuz hockt und eigentlich nur eine entspannte kleine Runde im Gelände drehen wollte. Bis die Frau ihn und mich beim Rumgammeln erwischt hat, wie sie es nennt, und zum Ausgleich hartes Dressurtraining unter ihrer Aufsicht angeordnet hat. „1 Pferd für 2 Personen – Bereiter oder Reitbeteiligung, das ist hier die Frage“ weiterlesen
Früher war mehr OMMM
„Früher war mehr OMMM. Da war alles einfacher“, seufzt die Frau, meine sogenannte Besitzerin. „Man wusste gar nicht, was man alles falsch macht. Da hat das Reiten noch Spaß gemacht.“
„Macht es doch heute auch noch“, antwortet der Mann, der auf die Befindlichkeiten seiner Liebsten eingeht, sofern es ihm möglich ist.
„Ja, weil du gar nicht weißt, was du alles falsch machst“, informiert ihn die Frau mit sorgenvoll gefurchter Stirn. „Früher war mehr OMMM“ weiterlesen
Herrlich, dieses Ausreiten!
Die sogenannte Besitzerin war wieder an den Beruhigungskräutern in der Futterkammer und fühlt sich wie Ingrid Klimke. „Wir gehen ausreiten, der Lutschi muss ja schließlich auch im Gelände ausgebildet werden“, beschließt sie. Der Lutschi ist unser spanisches Mähnenwunder und heißt eigentlich Lucero. Weil er die orale Phase nie so ganz überwunden hat, wird er Lutschi genannt. Aber das wisst ihr ja.
Der Plan sieht so aus: Der Mann lässt sich von mir durch die Wildnis rund um den Hof schaukeln, die Frau – in ihrer Funktion als Ausbilderin und somit ganz wichtig – schwingt sich, mit Sturzhelm und -weste bekleidet, auf den tiefenentspannten Spaniokel, der erstmal aus der Siesta wachgerüttelt werden muss. „Der ist ja noch jung, da weiß man nie“, tönt sie und fällt vor Schreck fast runter, als sich der Lutschi den Kopf am Bein kratzen muss. „Herrlich, dieses Ausreiten!“ weiterlesen
