Wasser marsch!

Jetzt bin ich ganz sicher: Die Frau hat es auf mich abgesehen. Sie hatte nämlich die irrwitzige Idee, auf mir im Regen rumreiten zu wollen mich bei Regen reiten zu wollen. Das ist doch bestimmt verboten, oder?

Was sage ich, Regen – eine Sintflut war es. Ein nasser Weltuntergang. Die Niagara-Fälle höchstpersönlich. Faxe sagt, er hätte nur darauf gewartet, dass Noah mit der Arche um die Ecke käme. Noah kenn ich, das ist ein Mini-Shetty bei uns im Stall, aber was ist eine Arche?

Keine Zeit zum Nachdenken, die Frau war nicht zu bremsen in ihrem blinden Aktionismus. Sie sattelte und trenste mich, während der Regen nur so aufs Stalldach prasselte, und meinte mit einem schelmischen Augenzwinkern, wir könnten dann wohl loslegen. Meinen entsetzten Blick quittierte sie mit einem Kichern. Immerhin bekam ich ein klitzekleines Regendeckchen übergezogen. Aber nicht aus Sorge um mein Wohlergehen, nein. Es ging nur darum, dass der Sattel nicht nass wird. Sie selbst hüllte sich in ihren geräumigsten Regenmantel und zerrte mich vor die Tür. Mein Hinweis, ich wäre eigentlich gar nicht wasserfest und auch sehr sensibel, wurde geflissentlich ignoriert.

Wir machten uns also auf den endlosen Weg in die Reithalle. Das sind bestimmt mindestens 500 Meter! Wenn es hart auf hart käme, könnte ich gar nicht so weit schwimmen. Dann müsste die Frau mich retten, so Baywatch-mäßig. Ich will aber nicht von ihr beatmet werden, lieber von jemand, der hübsch und nett ist 😉

Unterwegs kam uns Treibholz entgegen. Kleine Flöße und Boote mit Tieren darauf auch 🙁 Das war ihr aber alles egal, sie kannte kein Erbarmen. So kam es, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben freudig (!) in die Reithalle GETRABT bin. Da seht ihr mal, was eine grausame Besitzerin aus einem machen kann.

So richtig schön war es in der Halle dann auch nicht, weil sie sich zügig auf meinen Rücken (und in den trockenen Sattel) geschwungen hat und partout Kringel reiten wollte. Ich meine natürlich, an Stellung und Biegung arbeiten, auf großen und kleinen gebogenen Linien 😉 Es wurden dann aber doch nur misslungene und insgesamt sehr unschöne Kringel in verschiedenen Größen, wobei sie es sich mit der Lenkung ziemlich einfach gemacht hat.

Frau, Frau, Frau! Am inneren Zügel ziehen ist keine korrekte Hilfengebung! Schon mal was von innerer Schenkel, äußerer Zügel gehört? Und am Zügel ZIEHEN geht ja nun mal gar nicht – die Hand bewegt sich nach vorn, seitwärts oder auch nach oben, aber niemals rückwärts. Wieder nicht aufgepasst, gell? Gottseidank war Frau Reitlehrerin nicht anwesend, sonst hätte sie einen Abriss bekommen, der sich gewaschen hat.

Zum Glück hält der Arbeitseifer der Frau nie lange an, so dass wir nach nicht allzu langer Zeit wieder durch den Schütteregen in Richtung Box und Abendessen marschierten. Und da hatte die arme Frau doch tatsächlich das Pech, in eine richtig, richtig tiefe Pfütze reinzupatschen, durch die ich nicht gehen wollte. Ich gebe zu, ich hatte darauf spekuliert, dass sie vorgehen würde, um mir zu zeigen, dass ich mich anstelle und dass das Wasser gar nicht tief ist. Jetzt sucht sie nach trockenen Schuhen zum Wechseln 🙂

Die Zahnfee

Der Pferdezahnarzt bei der Arbeit

Ich habe die Zahnfee gesehen! Sie war klein und überraschend bärtig, aber der Reihe nach….

Gestern hatte ich den Auftrag, Stuti in der Box Gesellschaft zu leisten. Also leider nicht beide zusammen in einer Box (das wäre zu schön gewesen), aber immerhin waren wir beide zusammen im Stall. Allein. Ihre Besitzerin zählt nicht, die hat uns nämlich nicht gestört. Stuti hatte einen Termin beim Tierarzt, und da sollte sie halt schon bei sich zuhause sein, wenn der Doc eintrifft. Von wegen Pünktlichkeit und so. Als ob Tierärzte pünktlich wären 😉 Weil wir beide uns ja so großartig verstehen, hat die Frau angeboten, dass ich Stuti in der Box „das Händchen halten könnte“. Sie drückt sich oft so albern aus, wenn sie über mich spricht. Peinlich.

Also gingen Stuti und ich gegen Mittag zurück in den Stall. Ich hatte gerade das vierte Frühstück beendet und war dementsprechend entspannt. Stuti war ein wenig nervös, was ich auf ihr Bodenpersonal zurückführte. Ich nenn sie mal die junge Frau, damit man weiß, von wem ich spreche. Und damit sich die Frau ärgert, weil sie immer so toll jugendlich tut. Also: meine Besitzerin ist die Frau, Stutis Besitzerin ist die junge Frau. Klar soweit? 😉

Zu meinem ganz großen Leidwesen wohnen wir ja nicht nebeneinander, Stuti und ich. Aber gestern führte uns das Schicksal in Gestalt der jungen Frau zusammen. Ich weiß nicht, ob sie sich vertan hat oder mir einen Gefallen tun wollte – die junge Frau und ich verstehen uns nämlich gut 😉 – , auf jeden Fall standen wir nun nur noch durch zwei horizontale Gitterstäbe und ein halbhohes Mäuerchen voneinander getrennt. Wow. So nah waren wir uns sonst nur auf der Weide, und da lauerten uns immer Else und Konrad mit ihren blöden Sprüchen auf. So doll habe ich schon lang nicht mehr an unserer Beziehung arbeiten können 😉 Gerade, als es so richtig romantisch werden sollte, stand ein Störenfried auf der Matte – der Tierarzt. Typisch.

Er hatte einen … ich sag mal Werkzeugkoffer auf Rollen dabei und schraubte sich eine Stirnlampe auf den Kopf. Aha, folgerte ich messerscharf, der guckt die Zähne nach. Zähne nachgucken kenn ich ja auch. So ein-, zweimal pro Jahr guckt mir mein Tierarzt in den Mund. Dafür kriege ich eine Spritze und ein grässliches Maulgatter angezogen. Was sonst passiert, weiß ich nicht, weil mich dann immer eine unerklärliche Müdigkeit befällt und ich einschlafe. Hinterher darf ich dann eine Zeitlang nix essen und dann fühlen sich meine Zähne genau richtig an.

Ich fand das sehr praktisch. Nun würde ich endlich erfahren, was so ein Tierarzt in einem Pferdemaul tut. Stuti bekam das Maulgatter angezogen und der Herr Doktor verschwand zur Hälfte in ihrem Mund, wobei er unverständliche Laute von sich gab. Stuti hielt brav still. Sie ist ja so lieb <3

Als nächstes gab es die schon bekannte Spritze. Stuti wurde sehr, sehr müde und schlief ein. Ich auch, denn es war schon ein bisschen langweilig. Bis plötzlich der Herr Tierarzt ein merkwürdiges Gerät anschaltete, das einen Höllenlärm machte, und damit im zarten Mäulchen meiner Liebsten herumfuhrwerkte. Da konnte ich nicht mehr länger zugucken. Ich bin ja nur ein kleines Pferd, was kann ich gegen eine solche Höllenmaschine schon ausrichten? Ich verzog mich also in die andere Ecke der Box, und zwar so weit es ging. Es ist aber maßlos übertrieben und auch nicht ganz wahr, wenn die junge Frau behauptet, ich hätte gezittert wie Espenlaub und wäre förmlich mit der Boxenrückwand verschmolzen. Ich habe mich nur dagegen gedrückt, um zu prüfen, ob die auch stabil ist und habe dabei vor Energie vibriert. So war das nämlich, jawohl.

Endlich war die Prozedur beendet. Der Herr Tierarzt baute seine Gerätschaften ab und drückte der jungen Frau einen von Stutis Milchzähnen in die Hand, der vorher wie eine Hülle auf dem richtigen Zahn gesessen hatte. Zahnkappe heißt sowas anscheinend. Guck an, das war dann wohl die Zahnfee. Ohne Flügelchen, Geld oder Leiter.

Ich gebe zu, ich war ernüchtert. Mit uns Pferden kann man’s ja machen. Ich fühlte mich ein bisschen wie im Dschungelcamp bei den D-Promis. Arme Stuti, da konnte sich ihre Besitzerin noch nicht mal ne richtige Zahnfee leisten, sondern musste die bärtige Aushilfe engagieren.

Die junge Frau erhielt dann noch irgendwelche Anweisungen von wegen „kein Futter“, was mich in eine gewisse Alarmbereitschaft versetzte. Ich bin nämlich gar nicht mehr dick, sondern nur noch „barock“. Es stellte sich aber heraus, dass davon nur Stuti betroffen war, und die konnte eh nix essen, so wie die am Schnarchen war. Ich bezog also meinen Wachtposten an ihrer Seite und schlief aus Sympathie ein bisschen mit, schon, um mein Einfühlungsvermögen zu zeigen. Und was soll ich sagen – als wir später wieder auf der Wiese waren, konnte sie besser und schneller essen als je zuvor. Und Widerristknabbern erst 🙂

Schubskarre

Schubkarre auf Stallgasse

Die Frau hat gesagt, sie käme eigentlich nur wegen der Schubkarren in den Stall. Sie würde sich schon den ganzen Tag darauf freuen, endlich ausmisten zu dürfen und große Mengen Pferdeäppel auf Wiese und Paddock aufzusammeln. Und aufs Schubkarrefahren. Das wäre überhaupt das Beste. Dabei hat sie mich so komisch angeguckt.

Schade. Und ich hab gedacht, sie kommt wegen mir hierhin 🙁 Wie man sich so täuschen kann. Ihr kennt das: Man steht so rum und knabbert Gras und plötzlich fährt IHR Auto auf den Hof. Nun ist es ja nicht so, dass ich der allermotivierteste Arbeiter oder gar Sportler wäre, aber ich hab sie schon ganz gern und begrüße sie immer. Sogar dann, wenn sie nur eine ganz, ganz klitzekleine Möhre für mich mitgebracht hat und keinen ganzen Eimer voll 😉

Und was passiert? Sie steigt aus und fängt an, meine Box auszumisten. Kein freundliches „Hallo, mein wunderbares Lieblingsroß, du hast mir so gefehlt“ oder „Wie geht’s?“ oder „Darf ich dir diese köstlichen Möhren aufdrängen?“ Oder auch „Darf ich dich mit meinen jetzt noch sauberen Fingernägeln am Hals kratzen?“ Ganz zu schweigen von „Darf ich mit den Zähnen stundenlang deinen Widerrist beknabbern?“ Man wird ja wohl noch träumen dürfen….

Ich fühle mich vernachlässigt. Sie kann doch nicht einfach so Schubkarre fahren, ohne mich zu beachten. Und dann braucht sie immer so lang! Das ist total egoistisch. Immer denkt sie nur an ihr Vergnügen.

Bestimmt quatscht sie. Ich kenn sie doch. Mit anderen Menschen oder Pferden. Statt sich um MICH zu kümmern. Ich warte übrigens immer noch auf sie.

Gerade fällt mir auf, dass Warten langweilig ist. In der Box gibts auch immer so leckeres Futter. Das hätt ich jetzt gern.

Wo ich hier so rumstehe und immer noch warte, sehe ich, dass die anderen Menschen auch Schubkarre fahren. Das scheint irgendwie ansteckend zu sein. Hoffentlich bin ich dagegen geimpft. Obwohl – gegen Rosa-Allergie wurde ich auch nicht geimpft. Vielleicht konnte der Mann sich durchsetzen und sie muss jetzt sparen. Aber doch nicht am falschen Ende! Rosa-Allergie ist kein Zuckerschlecken. Ich mach das doch nicht zum Spaß!

Ich warte jetzt auf der Wiese direkt am Tor. Boah langweilig.

Wenn man soviel Zeit zum Nachdenken hat wie ich, weil sich nämlich keiner um einen kümmert, dann kommen einem ziemlich viele gute Ideen. Ich habe mir zum Beispiel gerade überlegt, dass ich ihr die Schubkarre umwerfe, wenn sie zum Abäppeln auf die Wiese kommt. Dann kann sie sich noch mehr mit der Schubkarre beschäftigen. Bestimmt gefällt ihr das 🙂 Und heute Nacht werde ich in der Box ALLES geben. Ich meine, ich steh hier eh nur rum und warte, da kann ich ihr auch noch eine zusätzliche Freude machen.

Bestimmt wird es gleich dunkel. Ich war noch nie im Dunkeln draußen. Gibt es hier eigentlich Wölfe?

Oh, ich glaube, da kommt sie. Das wurde ja auch Zeit… Heißt es eigentlich Schubkarre oder Schubskarre? 😉 Bin mir da gar nicht so sicher, aber ich erweitere meinen Wortschatz ja täglich. Ich bin schon gespannt auf ihre Freudenschreie 🙂

Null Null Pfridolin

Herrgott, was für ein Durcheinander. Jetzt habe ich gerade Faxe gebändigt und ihm seine fixe Idee ausgeredet, in meinem noch zu schreibenden Krimi als ultimativer Oberschurke aufzutreten, da kommt auch schon Stuti an und will geheimnisvolle Geheimagentin sein. Und Else hat ein Nüsternnetz und behauptet allen Ernstes, das würde sie zur Banditin qualifizieren. Faxe hat sich übrigens nur darauf eingelassen, die Rolle des attraktiven Bösewichts freizugeben, wenn ich ihn Detektiv sein lasse. Na klasse.

Leute, so geht das nicht. Das Leben ist doch kein Ponyhof Wunschkonzert.

Also nochmal zum Mitschreiben: Es gibt keinen attraktiven Bösewicht, sondern einen attraktiven Detektiv, und das bin ich. Ok, ok, ich gebe zu, das war auch mal anders. Auch ich habe darüber nachgedacht, attraktiv und böse zu sein, weil mir eine kluge Freundin gesagt hat, die Mädchen würden den Bösewicht mögen. Das hat mich innerlich eine Zeitlang ins Wanken gebracht, aber jetzt ist mir klar, dass ich der Detektiv bin, weil der nämlich gewinnt.

Und wenn die Frau solange die Finger von meiner Mähne lässt, bin ich auch attraktiv und kann die hübschen Mädels abgreifen. So einfach ticken wir Männer 😉

Stuti und Else dürfen gern in geheimnisvoller Art und Weise meinen Weg kreuzen, aber (und das ist wichtig!) sie müssen mich gewinnen lassen. Und Faxe kann meinetwegen gutaussehender Meisterdieb sein, so Ocean’s 11 12 13 –mäßig, muss dann aber in einem anderen Buch mitspielen.

Das hört sich jetzt hart an, aber so ganz unter uns: Seine kriminelle Energie beginnt beim Öffnen der Boxentür und hört bei Jackentaschen auf. Gut, das ist respektabel, aber für einen internationalen Krimi-Bestseller reicht das nicht aus. Wenn er die Tür der Futterkammer aufbekommt UND die einzelnen Futtertonnen, können wir gern noch einmal darüber reden. Ich bin sachlichen und vernünftigen Argumenten durchaus zugänglich 😉

Oh, und außerdem mag ich Stutis Spezialfutter. Es steht, wenn man in die Futterkammer reinkommt, direkt links in der grünen Tonne. Das ist die, die so schwer aufgeht 😉

Die Frau, der Schlangenmensch

Die Frau und ich in der Reithalle. Sie sitzt auf mir drauf. An der Wand ein schöner Lichteffekt.

Die Frau kann sich vielleicht verrenken. Unsere Reitlehrerin wundert sich auch immer wieder. Ich muss das kurz erklären: Eigentlich kriegt nur die Frau Unterricht, ich kann das ja schon alles 😉

Es gibt genau eine Möglichkeit, es richtig zu machen, und ungefähr eine Million viele Möglichkeiten, es nicht hinzukriegen, und die Frau kennt sie ALLE. Ich kann auch schon alle Korrekturen auswendig. Meist fängt es an mit „innerer Schenkel, äußerer Zügel“. Danach kommt „langes Bein“. Da kann Frau Reitlehrerin aber sagen, was sie will, die Stummelbeine der Frau wachsen einfach nicht mehr. Die bleiben so kurz.

Dann hätte ich noch „nicht ziehen“ und „weiche Zügelverbindung. Weich! Noch weicher!!“ Spätestens jetzt kriegt die Frau einen komischen Gesichtsausdruck und vergisst zu atmen. 🙂 Wenn sie wieder Luft kriegt, fängt sie an zu schimpfen, dass sie nur deshalb so unkoordiniert wäre, weil sie sich beim Ausmisten so angestrengt hätte und ich ein solches Ferkel wäre. Frau Reitlehrerin geht nicht darauf ein.

Inzwischen sind die Absätze wieder hochgewandert. Jetzt kommt “Absatz tief“. Ok. Absätze sind tief, dafür ist sie jetzt in der Hüfte eingeknickt und hat zusätzlich die Schultern verdreht. Wir sind übrigens immer noch im Schritt 😉

Also: Pause und einmal den Körper durchsortieren. Ich schlafe währenddessen. Ach so, es geht weiter. Nee, doch nicht. Frau Reitlehrerin demonstriert, wie sich die Anlehnung anfühlen soll. Zügelgewicht, mehr nicht. Ich traue mich nicht, weiterzuschlafen, weil Frau Reitlehrerin direkt neben mir steht.

Achtung, jetzt geht’s wirklich weiter. Wir kommen zu Rechts- und Linksstellung. Meine Augenlider werden schwerer und schwerer. Und die Hinterbeine erst! Frau Reitlehrerin hat es leider gemerkt (die Frau nicht ;)) Frau Reitlehrerin weist die Frau darauf hin, dass sie mehr Körperspannung braucht. Finde ich auch. Sie fühlt sich an wie ein nasser Mehlsack. Jetzt wird es etwas besser. Ach nee, sie hat nur wieder vergessen zu atmen 😉

Oh. Die nächste Korrektur: „Leicht die flache Wade ans Pferd legen!“ Weil die Frau sich heimlich schon wieder verdreht hat, wird wieder angehalten und der Körper durchsortiert. Ich döse kurz weg. Frau Reitlehrerin zeigt der Frau, wie das Bein liegen und wieviel Druck ausgeübt werden soll. Ok, Anreiten. Jetzt ist sie nicht mehr locker, Frau Reitlehrerin und ich beschließen aber, das zu ignorieren. Wenn ich nämlich tagsüber so viel rumstehe und schlafe, krieg ich nachts kein Auge zu 😉

Und so geht’s weiter. Wir kommen auch in jeder Stunde zu Trab und Galopp, aber verbunden mit soviel Erklär- und Sortierpausen, dass ich nicht ernstlich ins Schwitzen komme. Dressurunterricht bei Frau Reitlehrerin ist toll 🙂

Jetzt überlege ich, ob man die besonderen Talente der Frau nicht noch anders nutzen könnte. Vielleicht kann ich sie an eine Pferdeshow verkaufen? Als Clown? 😉

Schöner wohnen oder Feng Shui für die Pferdebox

Faxe hat mich schon oft gefragt, wie ich es schaffe, dass meine Box so saumäßig spektakulär aussieht. Ich habe mich jetzt entschlossen, mein Geheimnis zu lüften, weil es außer uns sicher noch viele Pferde und Ponies gibt, die ihre Besitzer lange gesund und glücklich erhalten wollen, und das mit Hilfe einer simplen Pferdebox.

Für euch gibt es hier wertvolle Tipps zur Umgestaltung eures Zuhauses. In sechs einfachen Schritten erkläre ich, wie ihr eure Schlafstelle nachhaltig so zurichtet, dass eure Besitzer beim Ausmisten zu koordinativen Höchstleistungen gefordert werden. Gleichzeitig ist das ein schönes Ausdauertraining und somit wichtig für Herz und Kreislauf. Schließlich wollt ihr ja noch lange was von eurem Bodenpersonal haben 😉 In der letzten Phase des Ausmistens ist eine meditative Komponente vorgesehen, die keinesfalls mit einer Schockstarre oder einem resignierten Erschöpfungszustand des armen Schweins, dass eure Box ausmisten muss Besitzers verwechselt werden sollte, da dieser in diesem Augenblick wirklich ganz im Hier und Jetzt ist und somit ganz, ganz kurz vor der Erleuchtung steht.

Die nachfolgenden Ratschläge beziehen sich auf Strohboxen. Solltet ihr stattdessen auf Leinstroh, Spänen oder ähnlichem untergebracht sein, so empfehle ich, diese Einstreu im Beisein eurer Service-Fachkräfte mit Genuss zu verspeisen (wenn es zu schrecklich schmeckt: trotzdem Begeisterung heucheln, so lange jemand zuguckt). Oft klappt es dann mit dem Wechsel zur Stroheinstreu. Aber sagt nicht, von wem ihr den Tipp habt 😉

Also. Wegen mir kanns losgehen.

1. Einige Male dynamisch im Kreis drehen. Damit sollte die Einstreu grob von unten nach oben umgerührt sein, so dass das Chi besser fließen kann. Das ist wichtig für die energetische Optimierung.

2. Heu essen. Falls es nicht lecker genug ist: durchs Stroh ziehen und damit vermischen.

3. Stroh essen 🙂 Aber nicht zuviel, sonst bekommt ihr eine Kolik und der Tierarzt muss kommen und unaussprechliche Sachen mit euch tun. Außerdem braucht ihr noch etwas davon für 5.

4. Äppeln. Hier sind kreative Techniken gefragt. Warum nicht mal im Kreis oder im Quadrat äppeln – mal rechtsrum, mal linksrum? Oder an ungewöhnlichen Orten, zum Beispiel in Ecken, die man bisher vernachlässigt hat. Das schult eure Zielgenauigkeit und trainiert die Auge-Hand-Koordination eurer Besitzer. Und immer schön ans Chi denken!

5. Für Fortgeschrittene: Dreidimensionale Strukturen erschaffen. Durch intuitive Vor- und Zurück-Bewegungen könnt ihr Strohrollen bilden, in denen sich sauberes und schmutziges Stroh abwechseln. Ich finde es immer schön, wenn die äußerste Schicht sauber ist. Erstens macht das Feng Shui-mäßig mehr her und zweitens kann man besser den Kopf darauf ablegen.

6. Immer mal 1. wiederholen.

Viel Erfolg! Und achtet darauf, dass ihr zufällig gerade auf der Weide oder dem Paddock seid, wenn euer Bodenpersonal nichtsahnend mit der Schubkarre zur Box fährt. Die Frau kann zum Beispiel ziemlich laut meckern, das will man gar nicht aus der Nähe hören. Sie meint das aber gar nicht so. Sie freut sich mehr so innerlich und kann das nur nicht so zeigen 😉