Das Skelett und die Energie oder auch: Ellenbogen ran!

Neulich im Reitunterricht:
„Die Zügelfäuste ausdrehen und aufrecht hinstellen, du schiebst ja keinen Einkaufswagen!“, korrigiert Frau Reitlehrerin.

Wie kann die das nur sehen, wenn ich ganz am anderen Ende der Reithalle bin, fragt sich die Frau und behauptet: „Hab ich doch, die sind tippitoppi aufrecht!“ Weitere Gedanken, die ihr durch ihren Kopf gehen, sind: Wenn ich mal was richtig mache, kriegt es natürlich keiner mit. Am besten reite ich sowieso, wenn keiner guckt. Menno.

„Sind sie nicht“, lächelt Frau Reitlehrerin. „Dann würden deine Ellenbogen am Körper anliegen.“

Immer diese Meckerei, das stört total meinen Flow, denkt die Frau. Laut sagt sie: „Das tun sie doch“, während ihre Arme wie Tassenhenkel vom Körper abstehen. „Das Skelett und die Energie oder auch: Ellenbogen ran!“ weiterlesen

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Der verwahrende Schenkel, das unbekannte Wesen

Zwei Pferde mit Bad Hair Day

„Guck mal, Seitengänge!“, jauchzt die sogenannte Besitzerin, als wir auf dem Zirkel um Frau Reitlehrerin herum schrägeln. „Im Trab und im Galopp!“

„Fehlender äußerer Schenkel“, diagnostiziert Frau Reitlehrerin. „Du reitest ja auf dem Zirkel , um den Pfridolin zu biegen.“

Tue ich das? Ist der Frau zwar neu, aber sie nickt sicherheitshalber.

„Und da biegst du den Pfridolin um den inneren Schenkel.“

„Ganz genau“, strahlt die Frau.

„Und damit er mit der Hinterhand nicht ausweicht – was du für Seitengänge hältst -, benutzt du deinen äußeren Schenkel.“

„Aha.“ Und auf ihrer Stirn steht die Frage: Und was mache ich damit?

„Du legst ihn verwahrend zurück. Und immer, wenn die Hinterhand nach außen ausweichen möchte, übst du Druck aus. Nicht viel, nur als Erinnerung.“

„Verwahrend ist ein blödes Wort“, findet die Frau. „Verwahren, das heißt doch, dass man etwas aufbewahrt.“

„Oder gut darauf aufpasst“, findet Frau Reitlehrerin. „In diesem Fall passt der verwahrende äußere Schenkel auf die Hinterhand auf.“

„Ach so, ja. Und auf was genau passt der da auf?“, fragt die sogenannte Besitzerin, für die alles, was länger als fünf Sekunden zurückliegt, grauer Nebel ist. „Der verwahrende Schenkel, das unbekannte Wesen“ weiterlesen

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Die Frau hat Hände – und irgendwie hängen die Schultern auch mit dran

Hände, die Zügel halten. Außerdem im Bild: eine Schabracke in Pink.

Entgegen aller Wahrscheinlichkeit hat die Frau die Hoffnung auf Piaffe und Passage noch nicht aufgegeben. Neulich im Reitunterricht, als es grad mal wieder nicht so lief, wie sie das wollte (das passiert ja eigentlich dauernd, aber sie kann sich einfach nicht daran gewöhnen), fragte sie Frau Reitlehrerin mit ihrem schönsten Dackelblick, wann es denn endlich an die höheren Lektionen ginge. Das mit dem feinen Reiten hätte sie ja schon ganz gut drauf, da könnte man doch wirklich mal an die Piaffe denken. Sie würde schon so lange reiten, da wäre die doch mittlerweile fällig.

Außerdem ist sie natürlich neidisch auf den Mann, der noch nicht so lange reitet wie sie und schon Traversalen kann. Sie würde das aber nie zugeben 😉

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Neues vom langen Bein

Die arme Frau. Jetzt hat sie die wunderbaren neuen Stiefel, die in etwa so bequem sind wie ein bis zwei Gipsbeine, und trotzdem keinen lockeren Oberschenkel. Wahrscheinlich ist das auch wieder meine Schuld. Ich kenn das schon. Der Mann und ich teilen uns die Schuld an allem, was nicht klappt, vom schlechten Wetter bis zur zu engen Reithose.

Weil die Frau zwischendurch wieder mit den alten Reitstiefeln geritten ist, hatte ich mich schon gefragt, was wohl mit dem neu gekauften langen Bein passiert ist. Vielleicht hat sie es ja in den Schrank gestellt oder in ihrer üblichen Unordnung verschlampt verlegt. Vielleicht ist es auch in Urlaub? Die Frau sagt, im Urlaub hätte sie ein ganz toll langes Bein gehabt. Überhaupt wäre sie im Urlaub toll geritten. Immer dann, wenn grade keiner geguckt hätte. Das wäre bei ihr eigentlich immer so – wenns klappt, guckt keiner. Und wenn jemand zuguckt, klappt natürlich gar nix. Als sie das gesagt hat, hat sie den Mann und Frau Reitlehrerin so komisch von der Seite angeschaut. Aber die beiden kennen sie anscheinend schon länger und tragen es mit Fassung.

Aber man fragt sich schon, wieso nur ein langes Bein und nicht zwei, oder? Also mir ist das natürlich direkt aufgefallen, und ihr wahrscheinlich mittlerweile auch. Na, Hauptsache, das ganze lästige Geld ist erstmal weg, so dass sie in Ruhe auf ein zweites langes Bein sparen kann.

Auf jeden Fall sind ihre Beine mit den neuen Reitstiefeln schön ruhig – kein Rumwackeln mehr, keine hochgezogenen Absätze, die sich in meinen muskulösen Bauch bohren – prima! Das liegt aber nicht etwa daran, dass die Frau ganz plötzlich reiten gelernt hat, sondern es kommt natürlich daher, weil die schicken Dressurstiefel so flexibel und bequem wie Skischuhe sind. Mit Skiern dran.

Aber die Stiefel sind schon auch schön und machen ein elegant schlankes Bein. Von daher hat sich der Kauf irgendwie auf jeden Fall gelohnt. Und damit es noch schöner wird und vielleicht sogar irgendwann auch mit dem Reiten klappt, hat Frau Reitlehrerin der Frau ein neues inneres Bild zum Üben gegeben. Sie soll sich nämlich vorstellen, sie würde beim Reiten nach oben und unten wachsen. Wie ein Baum. Aber schon eher wie eine Pappel, nicht wie so ne Bonsai-Trauerweide. Als die Frau das zum ersten Mal ausprobiert hat, war es irgendwie ein cooles Gefühl. Sie so mit Körperspannung und ich so mit Körperspannung. Das kenn ich sonst gar nicht von uns. Und alles nur, weil sie an einen Baum gedacht hat. Schon toll, oder? Ich probiere das gerade auch aus und denke an Möhren. Bin gespannt, was passiert 🙂

Alles Kopfsache oder: Mentale Hüftschwünge

Ein schwarzer Tinker, der aussieht, als würde er lachen

Als die Frau letztens so dollen Muskelkater vom Wanderreiten (und ihrer chronischen Selbstüberschätzung) hatte, dass sie sogar die wöchentliche Reitstunde verweigerte, hat sie von Frau Reitlehrerin eine Hausaufgabe bekommen. Visualisieren nämlich. Aha, staunte die Frau. Was genau sie sich denn darunter vorstellen solle.

Vorstellen wäre genau das richtige Wort, sagte Frau Reitlehrerin. Dass man sich vorstellen würde, wie man bestimmte Dinge tut, damit man ein inneres Bild davon parat hätte. Das wäre total super und würde einem helfen, seine Ziele zu erreichen. Die Frau sagt nochmal Aha, und für einen kurzen Moment leuchtet das Wort „Piaffe“ in ihren hoffnungsvollen Augen auf. Direkt danach kamen „Einerwechsel“ und „Passage“. Ja, da guckt ihr, was? Genauso hab ich nämlich auch geguckt.

Frau Reitlehrerin ist glücklicherweise wesentlich diplomatischer. Sie schlug nämlich vor, dass die Frau sich erstmal mit ganz normalen Sachen beschäftigen sollte– einem richtig runden Zirkel, beispielsweise. Oder pillegrade die Mittellinie runterreiten – in allen 3 Grundgangarten. Das soll sie sich ganz detailliert vorstellen. Wie sie auf dem Pferd (also mir) sitzt und jeden einzelnen Schritt, Trabtritt oder Galoppsprung bewusst reitet.

Ich würde sagen: Eine interessante Herausforderung. Zum Beispiel Zirkel: Unsere Zirkel sind in der Regel monströse Ostereier mit 2 Ecken. Im Gegensatz zu dem perfekten Kreis, den man gemeinhin damit verbindet. Wo man den Hufschlag für eine Pferdelänge betritt und sofort wieder verlässt, weil es ja um eine kontinuierliche Biegung geht. Und zum Thema „geradeaus“ möchte ich anmerken, dass allen, die meine krumm und schief geschnittene Mähne kennen, natürlich völlig klar ist, dass wir die Erfinder der Hufschlagfigur „an der nächsten langen Seite jeweils einen Meter nach rechts und links schwanken“ sind.

Aber ich schweife ab. Die Frau soll sich also vorstellen, dass sie sowas richtig reitet. Frau Reitlehrerin erklärt ihr auch, dass das durchaus anspruchsvolle Übungen sind. Das Allerschwierigste von allem wäre, gut Schritt zu reiten – nämlich zum Beispiel in einer leichten Anlehnung (!) taktrein (!) schön geradeaus (!) zu reiten. Das hätte die Frau nicht gedacht. Sie findet nämlich, dass eine Piaffe viel mehr hermacht als Schritt. Schritt = voll langweilig, Piaffe = toll.

Sie argumentiert, Schritt reiten wäre doch echt nix Besonderes, das würde sie ja jeden Tag machen. Frau Reitlehrerin lobt sie dafür. Wie jetzt – Lob?, denkt die Frau. Ja, sagt Frau Reitlehrerin, Lob! Schrittreiten würde so oft unterschätzt, und es wäre super, dass die Frau jeden Tag ganz bewusst Schritt reitet. Sie fragt die Frau, wieviele meiner Beine sie denn beim Schrittreiten spüren würde. Zwei, drei oder alle vier?

Die Frau kann das so spontan nicht beantworten. Ich bin nicht überrascht 🙂 Ich fand es nämlich ehrlich gesagt eine lustige Idee von Frau Reitlehrerin, die Worte „Frau“ und „bewusst reiten“ miteinander zu kombinieren. Beim Schritt reiten quatscht sie nämlich meistens. Wenn sie nicht gerade auf die Uhr guckt 🙂 Faxe sagt, das wäre doch schon mal was. Andere würden beim Reiten telefonieren oder WhatsAppen. Das ist jetzt aber ein schwacher Trost, finde ich. Faxe meint, ich würde ein wenig angespannt wirken. Ich sollte es doch auch mal mit diesen inneren Bildern versuchen. Er hätte ein ganz Schönes, das dürfte ich mitbenutzen. Und ein Lied dazu, zum innerlich Singen. Es heißt „Probier’s doch mal mit Gemütlichkeit“ . Und was soll ich sagen – es wirkt 🙂

Aber zurück zur Frau. Die fragt gerade, wie und warum man das denn bitteschön spüren sollte, das mit den Pferdebeinen. Frau Reitlehrerin meint, es wäre doch praktisch, wenn man als Reiter wüsste, wo sich die Beine seines Pferdes gerade befinden, und fürs feine Reiten unverzichtbar. (Pst, ich weiß, was die Frau jetzt denkt. Feines Reiten = Piaffe? 🙂 Aber dieses Fühlen kriegt die Frau ja noch nicht mal bei ihren eigenen Beinen hin!). Das sieht die Frau ein. Frau Reitlehrerin meint, man müsste das erspüren, und es wäre eine tolle Aufgabe für die Frau.

Die fühlt sich jetzt ganz wichtig und will unbedingt auch mal was merken darauf achten. Prima, lobt Frau Reitlehrerin, geritten würde mit dem Hintern, und ohne Fühlen ginge es nicht. Beziehungsweise ohne inneres Bild, mit Fühlen. Die Frau reitet jetzt also innerlich Schritt auf dem Zirkel und versucht, jede Bewegung mitzubekommen. Gleichzeitig soll sie mich biegen und stellen, und zwar mit ganz leichter Anlehnung und mit beweglichen Fingern, wie beim Klavierspielen.Und bloß nicht zu viel am inneren Zügel machen! Als nächstes könnte die Frau ja den Trab dazu nehmen und dann vielleicht noch ein Galöppchen. Und immer schöne Übergänge reiten, mit Großwerden im Sattel und so.

Aufregend! Die Frau hat Blut geleckt. Ihre Augen glänzen, und als sie hört, dass das eine ganz tolle Übung ist, die man auch sehr schön im Büro machen kann, beschließt sie, ihre persönliche Produktivität in den nächsten zwei Wochen auf ein Minimum zu reduzieren und stattdessen lieber mental die Hüften zu schwingen. Mit konzentriertem Gesichtsausdruck und einem gelegentlichen Zungenschnalzen.

Länger hält sie eh nicht durch 😉