Das Bein ist immer noch nicht lang und locker

„Das Bein ist lang und locker“, so fängt bei uns fast jede Reitstunde an, und zwar aus Gründen. Weil nämlich die Frau, meine sogenannte Besitzerin, sobald sie im Sattel angekommen ist, als erstes die Sitzposition querschnittsgelähmter Frosch einnimmt und nach Möglichkeit auch beibehält, denn sie ist natürlich weder entspannt noch sonstwie locker. „Das Bein ist lang und locker“ wiederholt Frau Reitlehrerin dann auch gebetsmühlenartig so lange, bis sich das Frauchen endlich entspannt und loslässt.

Manchmal geht das recht schnell, aber heute zum Beispiel dauert es ewig. Weil die sogenannte Besitzerin die von Frau Reitlehrerin verordneten Turnübungen natürlich nicht gemacht hat, denn das sieht erstens uncool aus, macht zweitens keinen Spaß und drittens hat sie schon wieder vergessen, wie die gehen.

„Schlag doch mal die Steigbügel über“, lächelt Frau Reitlehrerin ihr pädagogisches Lächeln.

Die Frau gehorcht widerstrebend, sieht aber ein, dass Frau Reitlehrerin im Moment die besseren Karten hat.

„Und jetzt lässt du die Beine mal so lang herunterhängen, wie es geht. Stell dir vor, deine Beine sind ganz schwer…“

Worauf die Frau schon wieder giftig guckt, weil die es ja nicht so mit inneren Bildern hat.

„… und du isst gerade Schoko-Muffins.“

„Oooooh Schoko-Muffins“, seufzt die Frau und lässt tatsächlich ein bisschen locker.

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„Sehr gut“, lobt Frau Reitlehrerin. „Und jetzt setzt du dich mal übertrieben ins Hohlkreuz.“

Hohlkreuz ist eine unserer leichtesten Übungen. Die Frau gehorcht. Das hat zwar nichts mit ihrem Lebensziel Piaffe zu tun, aber wenn sogar sie merkt, dass ihre Beine immer noch nicht lang und locker sind, ist sie tendenziell kooperativer als sonst.

„Und jetzt machst du einen übertriebenen Buckel und fühlst dich da auch wieder ein paar Sekunden ein.“

Bucklig sitzen kann sie auch gut 😀

„Nun verlässt du auch diese Sitzposition und sitzt ganz normal und entspannt.“

Die Frau macht das und stellt fest, dass sie einen Sitz gefunden hat, der irgendwo zwischen den Extremen liegt, sich dabei aber gut anfühlt. Sie berichtet an Frau Reitlehrerin, die sie für diese Beobachtung lobt und die nächste Anweisung gibt: „Und jetzt fährst du mit deinen Beinen Fahrrad, und zwar ganz normal vorwärts.“

Die Frau sortiert sich, strampelt los und ihre Beine und Hüften lockern sich. Erwähnte ich bereits, dass Frau Reitlehrerin zaubern kann?
Dann darf die Frau ausruhen und ihre Beine wieder hängen lassen. Die sind jetzt schon deutlich länger als vorher und klemmen mich auch nicht mehr so ein.

„Und jetzt kommen wir zum rückwärts-Radfahren, was dir im Trab beim Aussitzen sehr helfen wird“, strahlt Frau Reitlehrerin.

Und zack, schlechte Laune. „Boah nee. Das muss ich nicht mehr machen, das haben wir ja früher schon so oft gemacht“, winkt die Frau ab. „Ich kann das jetzt.“

„Natürlich kannst du das“, bestätigt Frau Reitlehrerin. „Es geht dabei auch gar nicht ums Können, sondern ums Machen. Diese Bewegung ist sehr nützlich, weil sie deine Beine weiter lockert und deine Hüften abwechselnd nach oben und nach unten bewegt, wie du es fürs Aussitzen brauchst. Positiver Nebeneffekt: das Bein wird lang und locker und du kannst dabei das wechselseitige Durchfedern mit den Absätzen einbauen, was deine Schenkellage beim Aussitzen weiter verbessern wird!“

Und ich weiß ja auch nicht, wie sie das macht, aber die sogenannte Besitzerin ist mittlerweile ganz handzahm. Noch weiter verbessern hört sich gut an, findet die jetzt nämlich und schwingt die Haxen. Ich bin die ganze Zeit im Kirmespony-Modus und gehe auf dem ersten Hufschlag Schritt. Frau Reitlehrerin lässt die Frau zwischendurch immer mal pausieren, wo sie ihre Beine dann lang hängen lassen und in sich hineinspüren soll.

Als die Frau meldet, ihre Beine wären jetzt viel lockerer und sie würde gefühlt auch viel tiefer im Sattel sitzen, gibt ihr Frau Reitlehrerin noch einen Tipp: „Öffne deine Knie und gib dem Pfridolin mehr Platz. Wenn du mit den Knien klemmst, klemmt auch die Hüfte.“

„Schon komisch, wie in so einem Körper alles zusammenhängt“, findet die Frau.

Ich weiß ja nicht, wie Frau Reitlehrerin bei sowas ernst bleiben kann, aber sie ist nun mal eine ausgefuchste Pädagogin. Sie lobt die Frau für ihre Erkenntnis – für die ist das ja wirklich neu – und lässt uns antraben, damit die Frau und ich das neue Sitzgefühl noch ein bisschen spüren können. Und tatsächlich fühlt sich die sogenannte Besitzerin wie ausgewechselt. Sie sitzt viel lockerer und vor allem – was neu ist – in der Bewegung. Also Hammer Übung – macht ohne viel Aufwand einen neuen Körper. Also, gefühlt.

Und mit diesem schönen Erfolgserlebnis ist die Reitstunde auch schon um und die Frau verspricht, in Zukunft aber ganz bestimmt zu Anfang einer jeden Reiteinheit ihre Übungen zu machen. Ganz, ganz, ganz bestimmt. Und wir alle wissen, was das heißt: Never nie nicht 😀

Bild: Die Frau ist nicht allein mit ihrem Problem. Pixabay, WikiImages

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