Die macht doch garnix!

„Die macht doch gar nix!“

„Genau, das Pferd macht das von ganz alleine. Guck, hast du das gesehen. Die muss einfach nur draufsitzen.“

„Mit DEM Pferd ist es ja einfach. Da kann das ja jeder.“

Um wen geht’s? Um unsere Frau Reitlehrerin. Die reitet ihren Dieter in der Halle, also unter den wachsamen Augen der Reitprofis hinter der Bande. Und mit zum Verrücktwerden dezenter Hilfengebung. Das stört alle, auch die Frau, meine sogenannte Besitzerin.

Frau Reitlehrerin ist inzwischen nach einem besonders schönen Bergaufgalopp abgesessen („Warum denn das? Die sitzt doch erst eine halbe Stunde auf dem Pferd!“) und führt Dieter für den Cool down noch im Schritt, damit sich Puls und Atmung wieder normalisieren und sich die Muskulatur entspannen kann.

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Die sogenannte Besitzerin platzt vor Neugier. Weil Geduld bekanntlich nicht ihre Kernkompetenz ist, ruft sie „Tür frei, bitte!“ und folgt ab dann Frau Reitlehrerin und Dieter wie ein Schatten, wobei sie Frau Reitlehrerin mit Fragen bombardiert. „Wie machst du das, dass der Dieter Seitengänge und eigentlich alles zeigt und du keine Hilfen geben musst? Warum ist der so brav und macht alles von ganz allein? Ist das eine besondere Züchtung? Was kostet sowas? Ich will auch so eins – wo gibt es solche Pferde zu kaufen?“

Frau Reitlehrerin ist eine beinharte Pädagogin und hat zudem ein Herz aus Gold, weshalb sie spontan eine Theoriestunde für schwierige Fälle aus dem Ärmel schüttelt. „Der Dieter war nicht immer so brav, wie du ihn kennst. Als ich ihn gekauft habe, war er gerade angeritten und günstig zu haben, weil er sehr viel Meinung und Temperament hatte. Beim Anreiten ist wohl einiges schiefgegangen, weshalb er anfangs große Vorbehalte gegen das Gerittenwerden hatte.“

„Und was hast du da gemacht?“, staunt die Frau.

„Ich hab einfach noch mal ganz von vorn mit ihm angefangen, ich hatte ja keinen Zeitdruck. Und als das Vertrauen erstmal da war und Dieter gemerkt hat, dass ich auf ihn eingehe, wurde es nach und nach besser.“

„Aber wieso macht der jetzt alles von alleine?“ Das lässt der sogenannten Besitzerin keine Ruhe.

„Ich wirke sehr wohl ein, aber sehr dezent. Und zwar so, wie wir das im Unterricht auch machen, gemäß der Hierarchie der Hilfen nämlich. Erinnerst du dich?“

„Ach“, sagt die Frau unbestimmt, für die alles grauer Nebel ist, was länger als eine halbe Stunde zurückliegt.

„Erst kommt das innere Bild von dem, was ich als nächstes reiten will. Dann kommen meine Sitzhilfen, dann die Schenkelhilfen und dann die Zügel. Meist weiß der Dieter schon bei den Sitzhilfen, was ich gerne möchte. Zum Beispiel, wenn ich den Drehsitz einnehme, weil ich eine Wendung reiten will. Da bringe ich über meine Hüften ja auch meine Oberschenkel in die passende Position, damit ich bei Bedarf mit meinen Unterschenkeln eine Hilfe geben könnte.“

„Ach krass“, kommentiert die sogenannte Besitzerin, für die es jedes Mal aufs Neue überraschend ist, dass in so einem Körper alles miteinander verbunden ist und die Bewegung eines Körperteils oft ganz automatisch und zwangsläufig die Bewegung anderer Körperteile nach sich zieht.

„Und so kann ich den Dieter eigentlich allein über meine Atmung und meinen Sitz reiten“, lächelt Frau Reitlehrerin.

„Wieso denn jetzt die Atmung?“

„Die Atmung kann viele Dinge. Zum Beispiel Einatmen für mehr Körperspannung, also als halbe Parade, ausatmen für Spannung herausnehmen, fürs Durchparieren. Und sie verhilft einem zu mehr Losgelassenheit und bewirkt, dass man am Leben bleibt“, zählt Frau Reitlehrerin auf.

Und da muss die sogenannte Besitzerin selbst erstmal kräftig durchschnaufen, bei so viel Input in ein paar Runden Schritt.

„Dieter kann jetzt auch in den Stall, kommst du mit?“

„Ich muss das erstmal verarbeiten“, winkt die Frau ab.

Und da wollen wir sie nicht bei stören, nicht, dass ihr Kopf noch explodiert. Wer gibt mir dann die Möhren?

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