Sommerpause, coole Sache. Ich wollte euch ja noch erzählen, wie es gekommen ist, dass das spanische Mähnenwunder und ich so lässig-verwildert aussehen wie wir halt aussehen. Weil nämlich die Frau, unsere sogenannte Besitzerin, dringend Urlaub brauchte. Also braucht sie ja gefühlt immer, aber macht sie nie. Weil ja irgendwas passieren könnte – mit uns, mit der Wohnung, auf der Arbeit, wo auch immer. Ohne sie geht es nämlich nicht. Findet sie jedenfalls.
Deshalb gibt es keinen Urlaub und deshalb wird sie immer wahnsinniger. Weil – ist ja klar: Man hat Dauerstress und ist genervt, und alle anderen um einen herum sind davon auch genervt. Das findet keiner schön, weshalb die Stimmung immer schlechter wird.
Fragt mich nur, ich kenn mich damit aus. Meistens sind der Mann und ich an allem schuld, daran, dass das Futter alle ist, dass das Lieblingshalfter weg ist und wahrscheinlich auch an der Erderwärmung. Der Lutschi dagegen, was unser spanisches Mähnenwunder ist, der Lutschi ist ein kleiner Heiliger. Der kann rein gar nichts dafür, wenn er der Frau in die Tasche beißt, dem Schmied das Messer aus der Schürze klaut oder auf dem Fuß der Frau Piaffe übt.
Aber wenn sogar der heilige Lutschi für Missverständnisse im Umgang Ärger kriegt – Missverständnis, so nennt sie das nämlich, wenn er nicht das tut, was sie will – , dann ist es schlimm. Und wenn sie so laut schimpft, dass es Frau Reitlehrerin in der Longierhalle hört, dann ist es wirklich schlimm.
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Frau Reitlehrerin drückt es natürlich diplomatischer aus und spricht von der Wichtigkeit von Pausen und davon, wie gut es tut, wenn man loslässt und sich Ruhe gönnt.
„Aber die Pferde! Wer kümmert sich um die Pferde?“, fragt die Frau.
„Die werden vom Stall versorgt und zusätzlich kümmere ich mich und die beiden“, beruhigt Frau Reitlehrerin.
„Aber die sind von der Fütterung so speziell!“
„Dann bereitest du Futterpöttchen vor oder schreibst mir genau auf, was ich tun soll.“
„Und wenn irgendwas ist?“
„Wenn ich es nicht selbst behandeln kann, rufe ich den Tierarzt.“
„Und die Arbeit! Wie soll das nur gehen!“
Spoiler: Es ging dann doch. Termine können verschoben werden und man muss nicht alles selbst und persönlich machen.
Nach mehreren ähnlichen Gesprächen war es so weit und Mann und Frau sind weggefahren, um sich auf Werkseinstellung zurücksetzen zu lassen. Der Lutschi und ich sind in der Zwischenzeit komplett verwildert und mussten einfach nur Pferd sein, außer, wenn Frau Reitlehrerin was Tolles mit uns gemacht hat. Und die Welt ist auch nicht untergegangen. Also, bis auf das Wetter. Wetter hatten wir jede Menge, vor allem warmes. Aber! Auch Schatten, und so konnten wir schön chillen.
Aber leider ist die Wildpferdezeit jetzt vorbei, weil das Frauchen wieder da ist. Wobei – ist sie das wirklich? Aus dem bekannten Auto steigt eine Fremde, der Glück und Entspannung aus jeder Pore trieft und die mit Leckerlis nur so um sich schmeißt. Rein äußerlich ähnelt sie der sogenannten Besitzerin, aber vom Verhalten her kein Vergleich.
„Was haben Sie mit meiner Besitzerin gemacht“, will ich die Fremde fragen, aber ich komme nicht dazu, weil die Leckerli großartig schmecken. Man kann ja nicht an alles denken. Und soooo schlimm war es auf der Weide und mit Frau Reitlehrerin auch nicht 😉
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