Vorsicht, der issn Killer

„Vorsicht, der issn Killer“, knurrt der fremde Mann.

„Wer?“, fragt die Frau, meine sogenannte Besitzerin.

Ich stehe gerade auf der Stallgasse und werde geputzt, was die sogenannte Besitzerin mittlerweile richtig gut hinkriegt. Nicht nur so gefühllos schrubben und einem dabei fast das Fell abziehen, nein, ganz nett. Mal mit mehr Druck, mal mit weniger Druck, so wie ich es gerade angenehm finde. Um uns herum andere Pferde und Menschen. Vor allem Menschen.

Cindy, die nette Rappstute von schräg gegenüber, hat nämlich Besuch. Nicht nur von ihrer Besitzerin, sondern von der ganzen Familie. Mutter, Vater, Opa, Oma und mehrere Kinder sind da. Und die wuseln nicht nur um Cindy herum, die das gewöhnt ist, sondern um uns alle. Eins krabbelt gerade bei Haflinger Horsti unterm Bauch durch, ein anderes steckt Cindy den Finger in die Nase und ein drittes kitzelt mich mit den Fingern am Maul, bis ich dann rein aus Reflex einmal schnappe. Nicht böse, ich hatte auch keinen Finger im Maul, ich schwöre.

Es ist aber trotzdem die Hölle los. Opa und Oma haben mir zeitgleich im Gesicht herumgefummelt, so dass sich ein generationen-übergreifendes Geschrei erhebt.

„Der issn Killer, den können Sie doch hier nicht rumstehen lassen! Richtich gefährlich is der!“, tönt Opa und nimmt seine Hände von meinem Kopf.

Hier gehts zu den sehr empfehlenswerten Online-Kursen von Delightful Riding by OsteoDressage, wo ihr mit dem Gutscheincode PFRIDOLIN10 zehn Prozent sparen könnt. Auch bei den Trainingsplänen! (leider nicht mit anderen Rabatten kombinierbar)**

Auch Oma ist erschrocken. „Da rechnet man ja nicht mit, dass man hier angegriffen wird!“

Ich habe ehrlich gesagt auch nicht damit gerechnet, dass mich fremde Leute angreifen und mir ungefragt zu Dritt im Gesicht rumrühren. Nur das Kind hat sich schnell von dem Schrecken erholt, aber nichts daraus gelernt, denn es kitzelt mich schon wieder an den Nüstern.

„Wollen Sie da nichts machen? Nicht, dass das gefährliche Pferd noch jemanden anfällt!“

Die sogenannte Besitzerin entwickelt in letzter Zeit soziale Kompetenzen und hat sich das geraume Zeit angeguckt. Aber jetzt platzt ihr der Kragen. „Das gefährliche Pferd steht hier angebunden und wird von mir geputzt. Alles, was dafür an Anfassen nötig ist, erledige ich schon selbst, herzlichen Dank. Den Kindern sollten Sie vielleicht erklären, dass man fremde Tiere nicht einfach so anfasst und ihnen auch nicht unter dem Bauch durchläuft, denn das kann ganz böse enden und das ist nicht die Schuld der Pferde. Ich fasse Ihnen ja auch nicht einfach so ins Gesicht, weil das grob übergriffig ist.“

Opa guckt verständnislos. Die Frau grabscht mit der Hand in Richtung seines Gesichts. Ah, das meint sie. Man kann richtig sehen, wie sich die Erkenntnis durch sein Gehirn kämpft.

Die Frau ist jetzt im Erklärbär-Modus. „Und wenn man mit den Fingern an Maul und Nüstern eines Pferdes herumspielt, ist das in der Pferdesprache entweder ein No Go, weil diese Bereiche sehr sensibel sind, oder aber die Aufforderung zu einem Schnappspiel, wie es der Pfridolin gerade gezeigt hat. Wenn Sie als Mensch aber gar nicht wissen, was Sie da tun, ist es nicht die Schuld des Pferdes, wenn es seiner Natur gemäß reagiert.“
Und besser hätte ich es auch nicht formulieren können. Gutes Frauchen!

Aber eins muss die Frau noch loswerden: „Aber wo sie sich so für Pferde interessieren, kann ich ihnen jemand empfehlen, der großartigen theoretischen Unterricht gibt. Praktischen auch.“

Unsere Frau Reitlehrerin nämlich. Die hat bei der sogenannten Besitzerin ganz ungeahntes Wissen freigesetzt♥️

Bild: Pexels, Christina & Peter

* = Das ist ein Affiliate Link. Wenn ihr hierdrauf klickt und etwas kauft, kostet es euch nicht mehr, aber ich bekomme ein paar Cent für Möhren. Was toll wäre, weil dieses Schreiben nämlich saumäßig anstrengend ist ❤️

Teilen mit: