„Darum kümmert sich der Tierarzt. Nächsten Monat oder so, wenn ich wieder Geld habe“, beschließt die Frau, unsere sogenannte Besitzerin, und wirft dem Lutschi, unserem spanischen Mähnenwunder, einen aufmunternden Blick zu. „Bis dahin geht’s auch so.“
Der Lutschi, der seine zwei Gehirnzellen ausnahmslos fürs Mähnenwachstum benötigt, guckt erwartungsvoll zurück.
„Nein, es gibt keine Leckerlis, wir müssen sparen“, weist ihn die Frau zurecht.
Das kleine Licht in seinen Augen erlischt und der Lutschi lässt den Kopf hängen. Wobei er Heu entdeckt. Lecker.
„Jaaaaa, voll schlimm, wie teuer der Tierarzt geworden ist“, meint Boxennachbarin Eins. „Ich ruf den gar nicht mehr, weil ich das meiste selbst behandeln kann, mit Hausmitteln und so. Bei Kolik zum Beispiel gibt’s ‘nen Jägermeister und gut ist.“
„Oder Schlundverstopfung. Einfach den Wasserschlauch ins Maul halten und fertig“, bestätigt Boxennachbarin Zwei, die ebenfalls einen rustikaleren Ansatz pflegt.
„Oder Einschuss. Das ist erst schlimm, wenn Fieber dazukommt.“ Das ist wieder Boxennachbarin Eins. „Alkohol drauf und kühlen reicht. Was hat der Lutschi denn?“
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„Och, den juckts irgendwie. Der schubbert sich die Mähne. Bisschen Fell ist auch schon weg.“
„Mit Alkohol einreiben“, empfiehlt Boxennachbarin Eins, die bekennende Alkoholfreundin. „Alkohol hilft gegen alles.“
„Schwefelblüte füttern“, schlägt Boxennachbarin Zwei vor.
„Oder vielleicht doch beizeiten den Tierarzt rufen, bevor der Lutschi den Pfridolin und andere Pferde angesteckt hat“, empfiehlt Frau Reitlehrerin, die mit einem Mal auf der Stallgasse aufgetaucht ist. Wer sie kennt, weiß, dass das ihre geheime Superkraft ist. „Juckreiz im Winter kann alles sein – von Pilz bis Haarlingen.“
„Igitt, Haarlinge“, gruselt sich die sogenannte Besitzerin.
„Und auch wenn es nur Juckreiz ist und nichts Schlimmeres, so ist das doch für die Pferde so unangenehm, dass manche sich blutig scheuern. Das kann jeder nachvollziehen, der im Sommer von Mücken zerstochen wird.“
Boxennachbarin Eins und Zwei erinnern sich an den Sommer und nicken.
„Ganz anders ist es bei einer Kolik. Da können Hausmittel helfen, das muss aber nicht klappen. Zum Beispiel, wenn es eine Anschoppungskolik oder eine Verlagerung von Darmschlingen ist. Das merkt man für gewöhnlich daran, dass das Pferd trotz Jägermeister stirbt. Und vielleicht ist es auch keine Kolik, sondern das Krampfige kommt vom Magen, da ist Schnaps natürlich der Burner. Nicht.“
Boxennachbarin Eins hat plötzlich ganz woanders zu tun und entfernt sich unauffällig.
„Ein Einschuss – der Tierarzt nennt es Phlegmone – ist in der Regel nicht lebensbedrohlich. Aber unbehandelt kann so etwas sehr schnell chronisch werden, dann behält das Pferd zeitlebens ein Elefantenbein. Oder es bilden sich Abszesse, die ohne Behandlung zu einer tödlichen Blutvergiftung führen können.“ Frau Reitlehrerin sieht sich um. Boxennachbarin Eins ist allerdings schon außer Sicht – und Hörweite. Aber Frau Reitlehrerin ist noch nicht fertig. „Bei einer Schlundverstopfung besteht die Gefahr, dass bei der Beseitigung der verstopften Stelle in der Speiseröhre Futterreste in die Lunge gelangen und sich daraus eine Lungenentzündung entwickelt. Deshalb wird in der Regel prophylaktisch ein Antibiotikum verordnet. Und zwar vom Tierarzt, der sich mit sowas auskennt. Hausmittel helfen da eher nicht.“
Auch Boxennachbarin Zwei muss mit einem Mal dringend weg.
Zurück bleibt nur die Frau, die sich bei Frau Reitlehrerin nach der Telefonnummer des Tierarztes erkundigt. „Und bitte schnell, es ist ein Notfall!!!“
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