Natürlich passt der Sattel, der hat schließlich immer gepasst

„Jetzt halt doch mal still, ich will dich satteln“, schimpft die Frau, meine sogenannte Besitzerin. Ich stehe am Anbinder und habe trotz aller Bemühungen meinen Anbindeknoten nicht aufbekommen. „Und eine neue Schabracke hab ich auch, die wird dir gefallen.“ Wird sie nicht, da bin ich sicher. Sicherheitshalber gehe ich noch einen Schritt zur Seite.

Die Frau startet einen neuen Versuch und springt mich mit dem Sattel in der Hand an wie eine sehr langsame Löwin. Ich weiche aus und latsche ihr dabei auf den Fuß.

„Böser Pfridolin!“, schimpft sie.

„Was hat er denn?“, erkundigt sich unsere Frau Reitlehrerin, deren geheime Superkraft es ist, überall dort aufzutauchen, wo es gerade spannend wird.

„Keine Ahnung, ich glaube, er mag die Schabracke nicht“, kichert die Frau.

„Oder den Sattel“, überlegt Frau Reitlehrerin.

„Das kann nicht sein, der passt.“

Frau Reitlehrerin guckt zweifelnd.

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„Natürlich passt der Sattel, der hat schließlich immer gepasst“, echauffiert sich die sogenannte Besitzerin.

„Pferde verändern sich aber, und dann passt der Sattel irgendwann nicht mehr.“

„Und wie findet man das heraus?“

„Zum Beispiel, wenn sich das Pferd nicht mehr gern satteln lassen will“, antwortet Frau Reitlehrerin. „Wir gucken jetzt erstmal, wie der Sattel liegt.“

Tun wir das? Soso. Was wir alles können. Die sogenannte Besitzerin staunt.

Währenddessen entfernt Frau Reitlehrerin die Schabracke vom Sattel und legt mir das Untersuchungsobjekt auf den Rücken. Ihr vertraue ich, deshalb mache ich mit. Bei der Frau bin ich grundsätzlich vorsichtiger. Da weiß man nie, auf was für Schnapsideen sie kommt. Ich sage nur Piaffe 😉

Jetzt macht Frau Reitlehrerin verschiedene Dinge. Erst versucht sie, den Sattel nach vorn und hinten zu kippeln, dann fährt sie mit der Hand zwischen dem Sattelblatt und meinen Schultern entlang und drückt danach leicht auf die Sitzfläche. Als nächstes schließt sie den Sattelgurt und schaut, wieviel Platz zwischen meinem Widerrist und dem Sattel ist. „Das fühlt sich schon mal gut an, der Sattel scheint ganz gut zu liegen und vorne klemmt auch nichts“, erklärt sie und bittet die sogenannte Besitzerin, einen Hocker zu holen.

Nach langem Hin- und Herüberlegen bringt die Frau einfach ihren Putzkasten, der einen stabilen Eindruck macht. Frau Reitlehrerin stellt ihn an mein hinteres Ende, klettert darauf und guckt von hinten, ob zwischen meiner Wirbelsäule und dem Sattel Luft ist. „Denn wenn der Sattel auf der Wirbelsäule aufliegt, ist das schlecht und sehr schmerzhaft“, erklärt sie. „Das muss natürlich auch so sein, wenn jemand im Sattel sitzt.“

„Klar“, nickt die sogenannte Besitzerin. „Und wie findet man das heraus?“

„Indem du dich in den Sattel setzt.“

„Ach so.“ Die Frau klettert auf meinen Rücken und quetscht am vorderen Ende des Sattels („Das ist der Vorderzwiesel“, erläutert Frau Reitlehrerin) ihre Finger in die Kammer. „Da passen drei Finger rein“, meldet sie. Als nächstes legt sie am hinteren Ende des Sattels, dem Hinterzwiesel („Alberne Bezeichnungen sind das“, findet die Frau), die Finger in den Kissenkanal und stellt fest, dass auch da unter Belastung noch genug Luft ist, weil die Finger nicht gequetscht werden.

„Das ist gut“, freut sich Frau Reitlehrerin. Die Frau darf wieder absitzen. Aber Frau Reitlehrerin ist noch nicht fertig. Sie zaubert einen Stift aus ihrer Tasche und legt ihn oben auf die Sitzfläche. Der Stift kullert zum tiefsten Punkt und bleibt da liegen.

„Der tiefste Punkt des Sattels ist zu weit hinten“, diagnostiziert sie. „Dadurch bekommt der Pfridolin zu viel Druck an eine Stelle seines Rückens, die darauf nicht eingerichtet ist. Normalerweise sollte der tiefste Punkt des Sattels in der Mitte der Sitzfläche liegen.“

„Und jetzt?“, fragt die Frau.

„Jetzt rufst du den Sattler an und machst einen Termin mit ihm. Der Sattel muss überprüft und wahrscheinlich nachgepolstert werden. Ich glaube, an der Schulter ist er ok und er liegt auch flächig auf, das ist schon mal wichtig. Außerdem ist die Wirbelsäule frei und bekommt keinen Druck durch den Sattel, das wäre nämlich ein absolutes No Go.“

„Und wie reite ich jetzt?“, überlegt die Frau.

„Wenn, dann lieber mit dem Reitpad als mit dem unpassenden Sattel“, lächelt Frau Reitlehrerin pädagogisch.

„Mit dem Reitpad? Och nö.“ Die anfängliche Begeisterung ist anscheinend schnell verflogen.

„Wir können auch Longieren am Kappzaum üben“, schlägt Frau Reitlehrerin vor. „Dann wirst du sehen, dass man zum Longieren überhaupt keine Hilfszügel braucht.“

Bei Frau Reitlehrerin und ihrem Dieter sieht das immer so gekonnt aus. Das will die sogenannte Besitzerin auch und ist sofort einverstanden. Und ich? Ich hab jetzt erstmal reitfrei. Coole Sache, das.

Bild: Pixabay

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