„Bitte nicht rascheln, ich reite gerade!“

Furchtloser Blick in den Herbstnebel

Herbst, das ist die Jahreszeit, wo sich furchtlose Reiter und noch furchtlosere Reiterinnen auf ihre edlen Rösser schwingen und durch sturmgepeitschte Landschaften galoppieren. Herbst, das ist auch die Jahreszeit, in der meine sogenannte Besitzerin täglich ihre Beruhigungskräuter knabbert und sich zitternd wie Espenlaub in meinen Sattel hievt.
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Die Frau entdeckt die dritte Gangart

Faxe beim Ausritt

Die Frau reitet ja neuerdings regelmäßig aus. Eigentlich nur, weil sie im Stall damit angeben will, wie cool und mutig sie ist. Und weil sie es nicht erträgt, dass der Mann sich beim Dressurreiten so wacker schlägt und ihr jetzt auch noch im Gelände Konkurrenz macht.

Als das mit den Traversalen anfing, hat sie beschlossen, sich das nicht gefallen zu lassen und sich stattdessen wie eine Nacktschnecke an Frau Reitlehrerin geheftet, sobald die Anstalten machte, den Hof zu Pferd zu verlassen. Sie hat sie sogar dazu genötigt, sich Faxe auszuleihen, weil sich die Frau sicherer fühlt, wenn Faxe dabei ist. Verrückt. Als ob ich keine vertrauenswürdige Ausstrahlung hätte! Wenn es hart auf hart kommt, wird so ein verschnarchter Tinker als Erster von den Nordic Walkern oder vom Bus gefressen, während ich die Frau im wilden Zickzackgalopp sicher zum rettenden Reitstall zurückbringe. Aber mich fragt ja keiner.
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Die Frau singt und trabt

Eine Gruppe Reiter bei einem Ausritt

Unsere Ausritte haben sich verändert. Das ist gut, weil wir jetzt öfter rausgehen. Es ist aber auch schlecht, weil Frau Reitlehrerin letztens die tolle Idee hatte, die Frau in unheimlichen Situationen singen zu lassen. Singen wäre nämlich total gut für die Atmung und die Entspannung und vor allem super gegen Angst. Leider hat sie dabei übersehen, dass die Frau zwar laut und gern, aber auch furchtbar falsch singt. Und sich außerdem keine Texte merken kann.

Unheimliche Situationen sind übrigens alle, in denen sich irgendwas bewegt oder komisch anhört.

Mit anderen Worten: Die Frau singt dauernd, und zwar ausgerechnet „Trippel, trappel, Pony“. Wer es nicht kennt, kann sich die nervenzerfetzende Melodie hier anhören. Im Text kommt sie allerdings nie weiter als „Trippel, trappel, trippel, trappel, Pony!“ Da kann das Zuhören auf die Dauer schon anstrengend werden. Glücklicherweise hört sie zwischendurch auch mal auf zu singen, und zwar immer dann, wenn ich trabe. Dann quietscht sie.
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Ausritt mit Tinker

Ein schwarzes Pferd mit offenem Maul. Es sieht aus, als würde es lachen.

Letztens war es wieder soweit – der Regen hatte eine längere Pause eingelegt und die Sonne schien so warm, dass der Frau doch glatt die Argumente ausgingen, weshalb sie angeblich gerade nicht ausreiten könnte. Sie ist ja weder nervenstark noch wetterfest, obwohl sie gern das Gegenteil behauptet. Typischerweise laufen diese Gespräche so ab:
Befreundete Reiterin: „Sollen wir ausreiten?“
„Würd ich total gern, aber dahinten sieht‘s nach Regen aus.“
„Das ist ein klitzekleines weißes Wölkchen am ansonsten knallblauen Himmel.“
„Ja eben.“ Angestrengte Suche nach einem weiteren Hinderungsgrund. „Außerdem müssen wir üben, wir haben in einer Woche wieder Reitunterricht.“
„Oh, aha. Wie oft hast du denn Unterricht?“
„Einmal pro Woche.“
„Dann hattest du also … gestern Unterricht?“
„Jaja, wir müssen viel üben. Zirkel reiten und so. Und vorwärts gehen. Der Pfridolin ist so faul.“
„Oh, aha. Wird das denn besser, wenn man nur Zirkel reitet?“
„Komischerweise nicht.“
„Vielleicht dann doch mal ein kleines Ründchen durchs Gelände…? Wegen der Abwechslung und so?“
„Ich weiß nicht, da sind doch bestimmt ganz viele Trecker unterwegs.“
„Die Ernte ist vorbei und die Felder sind gepflügt.“
„Die Bauern fahren doch auch schon zum Mal zum Spaß Trecker.“
„Ach so?“
„Ja echt. Die tun das nur, um mich zu ärgern.“
„Schon klar. Wusste gar nicht, dass du Angst vor Treckern hast?“
„Ich doch nicht!!! Der Pfridolin ist immer so unsicher im Gelände.“
„Vielleicht fehlt ihm die Erfahrung?“
„Dem fehlt gar nix, der geht ja immer mit dem Mann raus.“
„Hat er da auch Angst vor Treckern?“
„Was ist denn das für eine blöde Frage? Und überhaupt muss ich jetzt ganz dringend mein Sattelzeug putzen.“
„Kein Problem, wir können auch danach noch ausreiten. Nimmst du halt den Lutschi, der ist ne coole Socke.“
„ICH hab überhaupt keine Angst, dass das mal klar ist.“
Später dann: „Na, ist der Sattel sauber? Können wir?“
„Schon, aber du, das mit dem Ausreiten verschieben wir lieber. Es wird ja bald dunkel, in fünf Stunden schon, dann ist das zu gefährlich.“
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Die große, weite Welt

Eine Gruppe Reiter bei einem Ausritt

Unser spanisches Mähnenwunder behauptet, es wäre ein Reitpferd. Im Gelände wäre es auch schon gewesen, jawohl. Und zwar mit der Frau. Mit unserer gemeinsamen, überängstlichen Besitzerin? Glaub ich nicht. Doch, sagt Faxe, er wäre auch dabei gewesen.

Ich erinnere mich. Das war der entsetzlich langweilige Nachmittag, den ich allein mit dem langweiligen Bonito auf dem langweiligen Paddock verbracht habe. Weil nämlich der Mann länger arbeiten musste und nicht mit mir ins Gelände gehen konnte. Mit dem Mann macht ausreiten nämlich noch mehr Spaß als mit der Frau. Die Frau gruselt sich ja immer so und ich muss sie dann beschützen. Vor Menschen, Tieren, Autos, Fahrrädern, tückischen Büschen – ihr wisst, was ich meine. Das ist aufregend und manchmal auch anstrengend. Dem Mann ist sowas egal. Der sitzt auf mir rum, ist tiefenentspannt und muss nicht mal vor Lkws gerettet werden. Er stirbt auch nicht vor Angst, wenn ich mal eine flottere Gangart wähle. Wenn also einer prädestiniert ist, dem Lutschi zu erklären, wie das in der großen, weiten Welt funktioniert, dann bin das ja wohl ich. Mit anderen Worten: Ich werde diskriminiert. Alle haben Spaß außer mir. Und natürlich Bonito, an dem ich meine schlechte Laune ausgelassen habe.

So lustig wäre das gar nicht gewesen, meint Faxe. Er hätte nämlich Frau Reitlehrerin tragen müssen, während der Lutschi die angstschlotternde Frau auf dem Rücken hatte. Mit Frau Reitlehrerin wäre das ein völlig anderes Reitgefühl gewesen. Er wollte nicht ins Detail gehen, erwähnte aber, er habe nicht mehr beim Gehen essen dürfen. Das ist für einen vollschlanken Tinker natürlich ein traumatisches Erlebnis.

Von wegen Gras To Go. Nur noch gehen. Nicht lustig 🙁

Lustig wäre aber gewesen, wie sich die Frau mit grünlicher Gesichtsfarbe auf Lutschis Rücken begeben habe. Nun ist der Lutschi aber so ein Unschuldslamm, dass er das nicht ausgenutzt hat, sondern brav mit ihr durch diverse Bauernhöfe durch und sogar an Nordic Walkern vorbeimarschiert ist, ohne sich zu mucksen. Frau Reitlehrerin hat die ganze Zeit beruhigend auf die Frau eingeredet, und die hat sich aus Versehen sogar entspannt. Faxe meint, die beiden hätten gelacht. Sicherlich über den Lutschi, der gar nicht richtig bergauf und bergab laufen kann, weil er noch so unbalanciert ist.

Angeblich hat der feurige Spanier sogar Fahrräder und Autos mit gleichbleibend guter Laune hingenommen. Sicher waren es auch nur ganz kleine Autos und sehr langsame Fahrräder. Für Anfänger halt 😉

Der Lutschi meint, er hätte vor gar nix Angst gehabt, weil er nämlich ne coole Socke wäre und im Gelände sowieso nur langweilige Dinge passieren würden. Nur komisch, dass die furchtlose coole Socke zuhause immer ganz hektisch wird, sobald der Frontlader vorbeifährt. Ich wette, der Lutschi konnte in Wirklichkeit beim Ausritt nicht um Faxes dicken Hintern herumgucken und weiß gar nicht, wo er war und was da so alles passiert ist 😉

Vom Reiten und Wandern im Urlaub

Gerade eben stand ich noch tiefenentspannt in meiner Chill Out Area auf der Weide. Die Fellpflege mit Stuti war sehr zu meiner Zufriedenheit verlaufen und die Sonne schien mir angenehm auf den Pelz, als sich eine vertraute Stimme den Weg in meine Gehörgänge bahnte. Die Frau! Schwer bepackt mit Möhren, einem schlechten Gewissen und allerlei Leckereien! Große Wiedersehensfreude bei allen Beteiligten!

Zugegeben, ohne Arbeit auf der Wiese rumstehen und grasen war nicht sooo schlimm, aber mit der Frau ist es viel unterhaltsamer. Vor allem hat man mehr zu erzählen.

Ein bisschen habe ich sie nämlich schon vermisst, während langsam die Staubschicht auf meinem Sattel wuchs. Die Frau hatte anscheinend vergessen, den Sattelschoner drauf zu tun. Bei den ganzen Reisevorbereitungen ist das wohl ein wenig in den Hintergrund getreten. Dabei wollte sie nur ein paar Tage wegfahren. Andere treiben so einen Aufwand vor einer Weltreise. Aber man kann ja nicht an alles denken.

Gut sieht sie aus – total entspannt und super gelaunt! Fast hätte ich sie nicht wiedererkannt 😉 Sie will auch erstmal gar nix von mir, sondern führt mich nur breitbeinig wie John Wayne von der Koppel.

Wie ich wenig später erfahre, hat sie tatsächlich wieder dieses Wanderreiten gemacht, und zwar diesmal mit mehr Reiten als Wandern. Die anderen Pferdebesitzerinnen und –besitzer stehen neidisch und beeindruckt um sie herum, als sie in Abenteurerpose von ihrer Expedition in die Wildnis berichtet. Sogar ich bin beeindruckt und hätte ihr fast die verwegene Geländereiterin abgenommen. Und ich kenne sie schließlich.

Faxe murmelt etwas von Karl May, den kenn ich aber nicht. Die Frau erzählt weiter: Ein wenig Muskelkater hätte sie schon, aber eigentlich fast gar nicht. Als trainierte Reiterin hätte man mit sowas ja grundsätzlich kein Problem. Die Reitstunde morgen hat sie aber trotzdem abgesagt. Die in ein paar Tagen sicherheitshalber auch. Ich muss Faxe nachher mal fragen, was der Mann daran so komisch findet.

Dann hat die Frau weitererzählt. Der Mann durfte aber auch mal was sagen, wenn er dazwischengekommen ist. Sie sprechen nämlich noch miteinander – sogar nach dem Urlaub. Faxe meint, das wäre nicht selbstverständlich.

Die Frau ist ja sehr nett und ich mag sie wirklich, aber 24 Stunden können ganz schön lang sein. Ich sehe sie sonst ja nur nachmittags oder abends, aber der arme Mann muss sie sicherlich die ganze restliche Zeit herumschleppen. Ihm scheint es aber Freude zu machen. Ich habe nämlich noch nie gesehen, dass er sie beißen will. Oder weglaufen. Und das, obwohl sie ihn vom Futter her ziemlich knapp hält. Sie selbst hat aber im Urlaub anscheinend wieder doppelt Heu bekommen.

Zum Thema Gepäck meinte der Mann, ihm würde ja eigentlich eine Zahnbürste reichen. Ab in die Satteltasche und fertig. Die Frau findet das natürlich unhygienisch und unzivilisiert. Der Mann gibt zu bedenken, dass das Trossfahrzeug mit ihren zwei Schrankkoffern aber schon ganz schön voll gewesen wäre. Die Frau gibt ihm da Recht, weist aber darauf hin, dass es ja so wunderbar gewesen wäre, sich abends zum Essen umzuziehen. So wunderbar, wirklich. Alle hätten das gemacht, alle. Außer der Rittführerin und dem Mann.

www.reiterreisen.com

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Der Mann steht dazu, unzivilisiert und unhygienisch zu sein und bleibt dabei, dass das Abendessen in Reitklamotten (ungeduscht!!!) genauso lecker gewesen wäre wie beispielsweise im Taucheranzug oder im Smoking. Angeblich hätte der Mann aber doch vom umfangreichen gemeinsamen Gepäck profitiert und wäre zwischendurch ganz froh gewesen, wenn er mal was Sauberes anziehen durfte. Bevor sich Unfrieden anbahnen kann (und weil ich ja wissen will, wie es weiterging), lenke ich auf konstruktive Art und Weise ab – ich beiße in das umfangreiche Hinterteil meiner Boxennachbarin Else.

Plötzlich sind sich beide wieder einig und beteuern unisono, so etwas hätte es auf dem Ritt nicht gegeben. Da wären die Pferde ganz wunderbar erzogen gewesen und hätten in den Pausen auch sehr brav nebeneinander am Anbindebalken gestanden, ohne sich anzugiften oder heimlich die Knoten in den Stricken aufzumachen. Die Pferde dort seien ja auch ausgelastet gewesen, ergänzt die Frau. Trainiert und ausgelastet, sagt sie und jammert leise, wenn sie sich bewegt. Das Gehen und auch das Sitzen scheinen ihr irgendwie unangenehm zu sein. Ich glaube, ich hab sowas auch schon mal gehabt. Es heißt Muskelkater und man bekommt es, wenn man nicht ganz so sportlich ist, wie man denkt. Manche Leute meinen zum Beispiel, nur weil sie zuhause mal ’ne Stunde reiten, wären sie total durchtrainiert und könnten problemlos tagelang im Sattel bleiben. Genau in dieser Sekunde erinnert der Mann die Frau daran, dass sie es war, die während des Rittes nicht soviel laufen und stattdessen mehr reiten wollte. Weil sie anscheinend nur die schicken, aber leider unbequemen Reitschuhe eingepackt hat. Und sicherheitshalber noch ein paar schicke, unbequeme Schuhe zum Wechseln.

Jetzt mache ich mir Sorgen, ob ich vielleicht auch so ein wohlerzogenes Wanderreitpferd werden soll. Ausreiten finde ich ja prima, aber dieses tagelange Rumschleppen hört sich schon ein bisschen anstrengend an. Aber Faxe hat mich beruhigt. Hier bei uns wäre das Ausreitgelände nicht so verlockend, dass die Frau ihre Ängste vor Treckern, LKWs und Außerirdischen überwinden würde. Und bis der Muskelkater weg ist, hat sie schon 5 neue Ideen für unsere reiterliche Zukunft gehabt und wieder verworfen.

Aber toll entspannt ist sie.

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Die Zahnfee

Der Pferdezahnarzt bei der Arbeit

Ich habe die Zahnfee gesehen! Sie war klein und überraschend bärtig, aber der Reihe nach….

Gestern hatte ich den Auftrag, Stuti in der Box Gesellschaft zu leisten. Also leider nicht beide zusammen in einer Box (das wäre zu schön gewesen), aber immerhin waren wir beide zusammen im Stall. Allein. Ihre Besitzerin zählt nicht, die hat uns nämlich nicht gestört. Stuti hatte einen Termin beim Tierarzt, und da sollte sie halt schon bei sich zuhause sein, wenn der Doc eintrifft. Von wegen Pünktlichkeit und so. Als ob Tierärzte pünktlich wären 😉 Weil wir beide uns ja so großartig verstehen, hat die Frau angeboten, dass ich Stuti in der Box „das Händchen halten könnte“. Sie drückt sich oft so albern aus, wenn sie über mich spricht. Peinlich.

Also gingen Stuti und ich gegen Mittag zurück in den Stall. Ich hatte gerade das vierte Frühstück beendet und war dementsprechend entspannt. Stuti war ein wenig nervös, was ich auf ihr Bodenpersonal zurückführte. Ich nenn sie mal die junge Frau, damit man weiß, von wem ich spreche. Und damit sich die Frau ärgert, weil sie immer so toll jugendlich tut. Also: meine Besitzerin ist die Frau, Stutis Besitzerin ist die junge Frau. Klar soweit? 😉

Zu meinem ganz großen Leidwesen wohnen wir ja nicht nebeneinander, Stuti und ich. Aber gestern führte uns das Schicksal in Gestalt der jungen Frau zusammen. Ich weiß nicht, ob sie sich vertan hat oder mir einen Gefallen tun wollte – die junge Frau und ich verstehen uns nämlich gut 😉 – , auf jeden Fall standen wir nun nur noch durch zwei horizontale Gitterstäbe und ein halbhohes Mäuerchen voneinander getrennt. Wow. So nah waren wir uns sonst nur auf der Weide, und da lauerten uns immer Else und Konrad mit ihren blöden Sprüchen auf. So doll habe ich schon lang nicht mehr an unserer Beziehung arbeiten können 😉 Gerade, als es so richtig romantisch werden sollte, stand ein Störenfried auf der Matte – der Tierarzt. Typisch.

Er hatte einen … ich sag mal Werkzeugkoffer auf Rollen dabei und schraubte sich eine Stirnlampe auf den Kopf. Aha, folgerte ich messerscharf, der guckt die Zähne nach. Zähne nachgucken kenn ich ja auch. So ein-, zweimal pro Jahr guckt mir mein Tierarzt in den Mund. Dafür kriege ich eine Spritze und ein grässliches Maulgatter angezogen. Was sonst passiert, weiß ich nicht, weil mich dann immer eine unerklärliche Müdigkeit befällt und ich einschlafe. Hinterher darf ich dann eine Zeitlang nix essen und dann fühlen sich meine Zähne genau richtig an.

Ich fand das sehr praktisch. Nun würde ich endlich erfahren, was so ein Tierarzt in einem Pferdemaul tut. Stuti bekam das Maulgatter angezogen und der Herr Doktor verschwand zur Hälfte in ihrem Mund, wobei er unverständliche Laute von sich gab. Stuti hielt brav still. Sie ist ja so lieb <3

Als nächstes gab es die schon bekannte Spritze. Stuti wurde sehr, sehr müde und schlief ein. Ich auch, denn es war schon ein bisschen langweilig. Bis plötzlich der Herr Tierarzt ein merkwürdiges Gerät anschaltete, das einen Höllenlärm machte, und damit im zarten Mäulchen meiner Liebsten herumfuhrwerkte. Da konnte ich nicht mehr länger zugucken. Ich bin ja nur ein kleines Pferd, was kann ich gegen eine solche Höllenmaschine schon ausrichten? Ich verzog mich also in die andere Ecke der Box, und zwar so weit es ging. Es ist aber maßlos übertrieben und auch nicht ganz wahr, wenn die junge Frau behauptet, ich hätte gezittert wie Espenlaub und wäre förmlich mit der Boxenrückwand verschmolzen. Ich habe mich nur dagegen gedrückt, um zu prüfen, ob die auch stabil ist und habe dabei vor Energie vibriert. So war das nämlich, jawohl.

Endlich war die Prozedur beendet. Der Herr Tierarzt baute seine Gerätschaften ab und drückte der jungen Frau einen von Stutis Milchzähnen in die Hand, der vorher wie eine Hülle auf dem richtigen Zahn gesessen hatte. Zahnkappe heißt sowas anscheinend. Guck an, das war dann wohl die Zahnfee. Ohne Flügelchen, Geld oder Leiter.

Ich gebe zu, ich war ernüchtert. Mit uns Pferden kann man’s ja machen. Ich fühlte mich ein bisschen wie im Dschungelcamp bei den D-Promis. Arme Stuti, da konnte sich ihre Besitzerin noch nicht mal ne richtige Zahnfee leisten, sondern musste die bärtige Aushilfe engagieren.

Die junge Frau erhielt dann noch irgendwelche Anweisungen von wegen „kein Futter“, was mich in eine gewisse Alarmbereitschaft versetzte. Ich bin nämlich gar nicht mehr dick, sondern nur noch „barock“. Es stellte sich aber heraus, dass davon nur Stuti betroffen war, und die konnte eh nix essen, so wie die am Schnarchen war. Ich bezog also meinen Wachtposten an ihrer Seite und schlief aus Sympathie ein bisschen mit, schon, um mein Einfühlungsvermögen zu zeigen. Und was soll ich sagen – als wir später wieder auf der Wiese waren, konnte sie besser und schneller essen als je zuvor. Und Widerristknabbern erst 🙂

Wasser ist (vielleicht) zum Waschen da

Ein See. Blauer Himmel. Im Hintergrund Bäume.

Seit neuestem ist Stuti total furchtlos. Jedenfalls, was Wasser betrifft. Das mag vielleicht auch mit den anhaltend hohen Temperaturen zu tun haben 😉

Bei Pfützen ist sie immer noch ein bisschen zurückhaltend. Da waren Faxe und ich wohl zu überzeugend mit unseren Erzählungen von den Wassermonstern 😉 Aber Regen macht ihr fast gar nichts mehr aus. Oder der Wasserschlauch.

Die Frau kann jetzt nämlich mein Heu nassmachen, während Stuti danebensteht, ohne dass sie Schnappatmung kriegt. Also Stuti, nicht die Frau. Die kriegt höchstens Schnappatmung, wenn wir ausreiten. Oder sie die Sattelkammer aufräumen muss.

Und Stutis Besitzerin kann sie sogar jetzt abduschen. Ganz normal, mit dem Schlauch. Nicht mehr mit dem ganz leicht angefeuchteten Schwämmchen wie früher. Stuti beißt dann ganz mutig in den Wasserstrahl. So nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung, und wenn ich dich zuerst beiße, kannst du mich nicht mehr beißen, ätsch 😛 Gleichzeitig übt sie Ohren anlegen und böse gucken. Sie ist ja sehr lieb und kann das deshalb noch nicht so richtig.

Im Moment sieht sie ungefähr so bedrohlich aus wie ein Gummibärchen. Davor hat das Wasser aber komischerweise keine Angst und es geht auch nicht weg, und Stuti kommt gar nicht mehr aus dem Nicht-sehr-böse-gucken und Ins- Wasser- beißen raus. Faxe und ich könnten uns das stundenlang angucken 😀

Für den Fall, dass Stuti irgendwann merkt, dass das alles nicht gegen das Abgeduschtwerden hilft, möchte ich aber betonen, dass es ganz allein Faxes Idee war, ihr das mit dem Wasserbeißen zu erzählen und dass das gegen das Abgeduschtwerden hilft. Ich hab damit nix zu tun 😉

Hasenherz on tour

Faxe beim Ausritt

Letztens war Stallausritt. Offensichtlich ist die Frau nicht an Stutis Beruhigungskräuter rangekommen, denn ich durfte nicht mitmachen. Stuti schon. Else auch, Faxe, Konrad – irgendwie jeder außer mir. Dabei brauch gar nicht ich die Beruhigungskräuter, sondern die Frau.

Die hatte aber leider tausend Gründe, warum sie nicht mitmachen konnte. Sie hat es eigentlich ganz geschickt angefangen, als sie sich als Trossfahrer und allgemeines Bodenpersonal eingetragen hat. Es sollte nämlich unterwegs eine Pause mit Essen geben – darauf hatte sich Faxe besonders gefreut. Für die Menschen sollte es auch etwas geben, und dafür war die Frau zuständig. Ich weiß nicht, was an Gras falsch ist, aber Menschen wollen ja immer ihre Extrawürste. Da die anderen Menschen genauso gern essen und trinken wie die Frau, dabei aber schlanker geblieben sind, fanden anscheinend alle, dass das eine tolle Idee wäre.

Sie wurde sogar dafür bedauert, dass sie sich „aufgeopfert und für die Stallgemeinschaft auf die aktive Teilnahme am Ritt verzichtet hat“ – so jedenfalls die offizielle Version. Und das hatte rein gar nichts damit zu tun, dass sie schon Schnappatmung bekommt, wenn sie nur ans Ausreiten in einer größeren Gruppe denkt. Nein, nein, überhaupt nicht 😉

Stattdessen wurden weitere Gründe gesucht, warum sie leider nicht mitkonnte. Zum Beispiel, dass ich nicht trittsicher wäre – klar, die höchsten Berge am Stall sind um die 50 Meter hoch, da kann man schnell mal einen Höhenkoller kriegen. Auch meine zarte Gesundheit wurde erwähnt und ihre Sorge, dass ich einen so langen Ritt konditionell nicht überstehen würde. Hallo – die Rede war von 2 Stunden, nicht von 2 Jahren! Außerdem wäre ich zu wild (aha) und schlecht erzogen (wessen Schuld ist das bitte?) und die anderen Pferde wären viel zu langsam für mich (gerade eben war ich doch noch so schwach und hinfällig?)

Sie hat ja ein solches Hasenherzchen. Nur schade, dass sie das nicht zugibt und mich stattdessen bei den Kumpels in Verruf bringt und so meine Autorität in der Herde untergräbt. Also nicht, dass ich der Chuck Norris unter den Pferden bin, aber schon so mittleres Mittelfeld, und das würde ich auch ganz gern bleiben. Um die Gerüchte über meine schwächliche Konstitution und allgemeine Ängstlichkeit wieder aus der Welt zu kriegen, musste ich dieses Mal auf der Wiese richtig die Sau rauslassen, damit mich wenigstens Stuti und die Jungpferde ernst nehmen. Und mein von der Frau angeschafftes neues rosa Fliegenhäubchen ist auch nicht unbedingt imagefördernd.

Nur gut, dass Faxe sich bei uns in der Gegend auskennt und der Mann zur Not eine Landkarte lesen kann – wenn wir auf furchtlose Entdeckernaturen wie die Frau angewiesen wären, würden wir heute noch auf dem Parkplatz stehen und auf meine Reiterin warten, die vor lauter Aufregung noch 20 x aufs Klo muss… Vielleicht denkt die Frau auch, dass auf dem Platz rumreiten fast schon ein Ausritt ist, weil es unter freiem Himmel stattfindet. Also quasi in der Wildnis. Es würde mich nicht wundern 😉

P.S.: Das auf dem Foto ist übrigens Faxe. Das wundert euch jetzt nicht mehr, stimmts? 😉

Alles relativ

Heute war Weltuntergang. Schwarzer Himmel und Regen und Hagel. Es gibt ja nur eins, wovor die Frau noch mehr Angst hat als vor dem Ausreiten, und das ist Ausreiten bei schlechtem Wetter 🙂

Sonst reißt sie sich immer zusammen und stellt sich ihrer Angst, das heißt, sie schnauft wie ein asthmatischer Mops, sobald wir gesittet im Schritt den Hof verlassen. Unter Stress –also zum Beispiel, sobald wir um die nächste Ecke gebogen sind – erhöht sich ihre Atemfrequenz und sie schüttet eimerweise Stresshormone aus. Eigentlich albern, weil ich doch da bin und auf sie aufpasse. Sie weiß doch, dass ich schnell laufen kann und unsichtbare Aliens schon von weitem wittere. Und dass ich sie vor tückischen Lkws beschütze, die einem am Straßenrand auflauern. Vertraut sie mir etwa nicht?

Na ja. In Anbetracht des Wetters hat die Frau heute dankenswerterweise auf unseren Ausritt verzichtet. Stattdessen ging es in die Halle, Kringel laufen. Das ist super, weil sie es immer erst hinterher merkt, wenn ich sie wieder mal ausgetrickst habe. Zum Beispiel hat sie jahrelang gedacht, es wäre normal, dass sie meinen Kopf tragen müsste, weil ich mich unauffällig auf den Zügel gelegt habe 🙂

Heute hatte ich viel Spaß beim falsch angaloppieren. Das merkt sie – wie eigentlich alles – immer viel zu spät 🙂 und macht dann erst mal eine Schrittpause, „um sich zu sortieren“. Muss ich noch erwähnen, dass ich kein feuchtes Haar am Körper hatte, sie aber eine Abschwitzdecke brauchte? 😉

Bin ich jetzt eigentlich Diätassistent, wo ich ihr so lieb beim Abnehmen helfe?