Bei Isländern ist das so, du hast ja keine Ahnung

„Bei Isländern ist das so, du hast ja keine Ahnung!“ kommentiert die Frau, meine sogenannte Besitzerin. Was ist passiert? Sie hat einen Reiturlaub auf Isis gemacht und dabei neue Freundinnen gefunden, die schon original auf Island geritten sind, „und zwar in einem Profistall! Nicht so touri- oder freizeitmäßig, nein, richtig professionell. Und original auf Island. Bei isländischen Profis.“ Für den Fall, dass jemand das nicht sofort versteht.

Und deshalb ist die Frau jetzt selbsternannte Isi-Expertin, denn wer schon mal in einem Profistall geritten ist, ist damit quasi selbst auch Profi. Und wer solche Leute kennt, auch. Aus diesem Grund kann sie jetzt auch jedem, der unserer neuen Einstallerin mit ihrem Isländer zuguckt, genau erklären, warum Isis anders als andere Pferde sind. Und vor allem, was die neue Einstallerin alles falsch macht.

Das fängt schon mal damit an, dass Isis nicht gymnastiziert werden müssen. „Die Profis auf Island machen das auch nicht!“ Die neuen Freundinnen, die auf Island schon mal in einem Profistall geritten sind, behaupten außerdem, dass Isis total unkompliziert zu reiten sind. Für Tölt muss man dem Isi einfach ein bisschen Stress machen. Hinten drücken und vorn die Hände hoch nehmen und zack, Tölt. Die Profis auf Island machen das nämlich auch alle so. Alle.

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So einfach kann es sein – keine schlechte Laune durch nörgelnde Reitlehrerinnen! Seitenblick auf Frau Reitlehrerin, aber an deren Gute-Laune-Beschichtung perlt sowas ab. Keine doofen Sitzkorrekturen. Kein Meckern an der Hilfengebung. Ein Traum, findet die sogenannte Besitzerin.„Also für mich sieht diese Reitweise sehr unphysiologisch aus, nach herausgedrücktem Unterhals und weggedrücktem Rücken“, kommentiert unsere Frau Reitlehrerin, aber die hat ja auch keine Ahnung.

Keiner hat hier Ahnung außer der sogenannten Besitzerin und ihren Profi-Freundinnen. Noch nicht mal die neue Einstallerin mit ihrem Isi, die ganz langweilig und korrekt doofe Dressursachen reitet, und zwar mit sehr feiner Hilfengebung, wie Frau Reitlehrerin lobend erwähnt. Aber wie gesagt, die haben ja beide keine Ahnung.

Zudem sind Isis gemäß den Insider-Informationen durch die Profi-Freundinnen, die auf Island schon in einem Profi-Stall geritten sind, Gewichtsträger. Weil da eben auch Männer und große, starke Frauen reiten. Vielleicht haben Isis andere Knochen und Gelenke, vielleicht sind sie auch nur besonders leidensfähig. Aber auf Island machen die Profis das so, meinen die Möchtegern- Profi-Freundinnen. Und dann muss der Sattel halt auch mal ein bisschen auf der Niere liegen, weil die großen starken Menschen sonst nicht in die Sitzfläche desselbigen passen. Eine größere Sitzfläche braucht nun mal mehr Platz auf dem Pferderücken, und der ist bei Isis meist nicht vorhanden. Deshalb haben die Profi-Freundinnen beschlossen, dass Isis das problemlos abkönnen. Die müssen geschrubbt werden, dann sind sie glücklich. Und wenn die Isis dann mal nicht mehr können, weil sie alt, krank oder beides sind, dann isses halt doof. Dann schlägt die Stunde der lieben, gewissenhaften Menschen, die sie versorgen – mit Physiotherapie, Heucobs, Medikamenten oder was der Isi so braucht.

Das ist dann aber nicht mehr cool oder spektakulär und hat auch nur einen sehr geringen Spaßfaktor, weshalb die schicken Profi-Freundinnen in diesem Bereich nicht anzutreffen sind, sondern andere Leute. Nämlich die lieben, gewissenhaften Menschen. Oder „die Loser“, wie die Profi-Freundinnen sagen. Und Frau Reitlehrerin. Die ist auch da.

Warum Frau Reitlehrerin, fragt sich die Frau. „Die Oldies werden doch nicht mehr sportlich geritten?“

„Weil die Oldies besondere Fürsorge und Aufmerksamkeit verdient haben und weil man ihnen mit angepasster Bewegung sehr viel Gutes tun kann“, sagt Frau Reitlehrerin. „Und eigentlich hat jedes Pferd es verdient, dass es bestmöglich versorgt wird und seine Bedürfnisse befriedigt werden. Auch junge und gesunde.“ Und da hilft sie gern und will dafür auch kein Geld, weil das Herzenssache ist und sie sich freut, wenn sich die Menschen gut um ihre Pferde kümmern. Und dann sagt sie noch: „Nur weil man einmal in einem Profistall war, weiß man noch lange nicht, wie gutes, pferdegerechtes Reiten geht. Profis haben meist viele Pferde, die sie trainieren, da wird auch schon mal das ein oder andere schlicht verheizt, weil ja genug andere da sind. Auch wenn man weiß, wie es eigentlich richtig wäre. Andererseits: Nur weil man selbst es nicht mitbekommt, heißt das nicht, dass die Profis nicht auch ihre Isis geraderichten. Und wahrscheinlich auch gymnastizieren.“

„Aber…“ will die Frau dazwischengrätschen, aber Frau Reitlehrerin ist noch nicht fertig. „Dann ist da natürlich noch das liebe Geld – bei den Profis muss es oft schnell gehen. Viel schneller als im Freizeitbereich, wo die Pferde den Zeitplan bestimmen. Mit den langfristigen Folgen muss man sich als Profi meist nicht herumschlagen, weil das betreffende Pferd längst in anderen Händen ist. Bei den Isis und bei anderen Pferderassen auch. Und da bin ich doch lieber im Bereich Freizeitreiten unterwegs, wo sich die Besitzer in erster Linie gut um ihre Pferde kümmern wollen.“ Seitenblick zur sogenannten Besitzerin, die mit einem Mal sehr nachdenklich wird.

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