Irgendwie mehr OMMM

„Boah furchtbar. Immer so schlechtes Wetter!“, schimpft die Frau, meine sogenannte Besitzerin. „Doofer Regen! Und immer ist es dunkel!“

Oder die doofe Sonne scheint oder der doofe Wind weht, könnte ich ergänzen, aber ich bin ja hier nur das Pferd und man sagt mir nach, ich würde lästern.

„Und immer liegt hier am Putzplatz was rum, furchtbar!“ Da sind wir nämlich gerade, weil gleich Reitstunde ist. Und das meiste, was hier rumliegt, gehört der sogenannten Besitzerin. Aber die hat noch eine Rechnung mit dem Universum offen. „Und immer regnet es. Und das Paddock ist auch nicht abgeäppelt. Und der Mann hat nur die Hälfte eingekauft, jetzt muss ich selber noch mal los. Im Regen. Und dunkel ist es auch. Und kalt.“ Kurze Pause. Dann: „Und zugenommen hab ich, furchtbar. Und der Pfridolin erst!“

Hier muss ich kurz korrigieren: Ich bin ein Energiesparwunder, das ist wichtig für Herbst und Winter. Da kommt es auf jedes Hälmchen Heu an. Und außerdem bin ich nicht dick, ich bin nur nicht leicht zu übersehen.

„Wieviel hat denn der Pfridolin zugenommen?“, fragt unsere Frau Reitlehrerin, die gerade vorbeikommt.

„Ein Gurtloch!“, schnauft die Frau empört.

„Dann führ ihn mal zehn Minuten Schritt“, schlägt Frau Reitlehrerin vor. „Ich könnte mir vorstellen, dass der Sattelgurt dann wieder ins gewohnte Loch passt.“

Gesagt, getan. Wir betreten die Reithalle und drehen im Schritt unsere Runden. Dann Gurtet die Frau nach und schwingt sich an der Aufsteighilfe auf meinen Rücken. Zumindest mein Gewicht steht aktuell nicht mehr zur Debatte.

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„Wenn das bei mir doch auch so einfach wäre“, meint die Frau. „Zehn Minuten Schritt und die Hose passt wieder. Wieso hat eigentlich alles Kalorien? Das ist doch gemein. Und irgendwie geht alles schief und alles ist doof. Und diese Dunkelheit immer, furchtbar! Da steht man morgens doch schon mit schlechter Laune auf, oder? Und diese ganze negative Energie. Das nervt voll.“

„Negative Energie ist nicht schön“, bestätigt Frau Reitlehrerin mit ihrem einfühlsam-pädagogischen Lächeln. „Auch die Pferde mögen es lieber, wenn ihre Menschen gut gelaunt sind.“

„Kein Problem, ich kann gut schauspielern. Wenn ich daran denke.“

„Das hilft weder dir noch den Pferden. Die durchschauen das sofort. Sie lesen deine Körpersprache und deine Ausstrahlung und kennen dich wahrscheinlich besser als du dich selbst. Was dir helfen kann, ist ein anderer Umgang mit den negativen Gefühlen. Die sind ja nun mal da und man kann sie nicht einfach ignorieren, sonst suchen sie sich ein anderes Ventil. Gib deinem Gehirn zwischendurch immer wieder eine Pause von der Außenwelt und kümmere dich um dein Innenleben. Zum Beispiel mit Meditation, vielleicht in der Mittagspause. Es gibt da schöne Videos, zehn oder zwanzig Minuten lang, mit denen du dich entspannen und deinem Gehirn etwas Ruhe gönnen kannst.“

„Und das hilft?“

„Nicht sofort“, schränkt Frau Reitlehrerin ein. „Aber du hast sofort ein gutes Gefühl, weil du dir etwas Gutes getan hast. Und mit der Zeit ruhst du immer mehr in dir und bist nicht mehr so leicht zu erschüttern.“

Die Frau hat verträumt zugehört. „Mehr OMMM, das gefällt mir! Mir geht es vom Zuhören schon besser.“

„Mehr OMMM klingt wie ein guter Plan“, bestätigt Frau Reitlehrerin.

Und das finde ich auch. Mehr OMMM und mehr Kekse.

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