Mach dat Hü mal ei

Ich bin ja gern berühmt, so ist das nicht. Aber wenn Spaziergänger an unserer Koppel verbeikommen und die Mutter zu ihren Kindern sagt: „Mach dat Hü mal ei“, dann ist irgendwo eine Grenze überschritten. Zunächst mal grammatikalisch und dann überhaupt.

Zuallererst bin ich kein Hü, sondern fast ein Hengst, und zweitens lass ich mich nicht von wildfremden Menschen anfassen. Ich möchte vorher um Erlaubnis gefragt werden, und da bin ich sehr wählerisch. Der Tierarzt zum Beispiel darf noch so sehr betteln, den lass ich nicht 😉 Und wenn, dann schon gar nicht im Gesicht. Ich glaube, Mutti würde auch nicht wollen, dass ihr wildfremde Leute im Gesicht rumstreicheln, warum sollte das dann für meinereinen das Höchste der Gefühle sein? 😉

Die Mutter hat es aber nicht verstanden oder es ist ihr egal. Sie nötigt das Kind, unter dem Zaun durchzukrabbeln, um näher an die Pferdchen zu kommen. Das macht es sehr geschickt, das muss ihm der Neid lassen. Es ist fast so gelenkig wie Faxe, wenn er unter dem Zaun durchfressen will 🙂

Und jetzt? Och nö. Es will uns immer noch anfassen. Von vorn, von hinten, von überall. Ich will aber immer noch nicht 😉

Lebensmüde ist es auch: Faxe hat ganz verträumt nach einer Fliege getreten und es nur knapp verfehlt. Das hat es aber gar nicht gemerkt.

Jetzt hat es eine tolle Idee. Es rupft vom Rand Grünzeug ab – sieht ein bisschen wie giftiges Jakobskreuzkraut aus – und will Else damit füttern. In ihrer Gier beißt sie ihm fast die Finger ab, worauf das Kind erschrocken alles fallen lässt und zur Mutter zurückläuft. Da hat Else aber nochmal Glück gehabt.

Das Kind aber auch. Ich will nicht wissen, was Elses Besitzerin mit ihm gemacht hätte 😉 Und die Frau erst. Die ist extrem allergisch gegen Spaziergänger, die fremde Pferde füttern, weil die Pferde davon krank werden und sterben können. Sie sagt, es gäbe sogar Leute, die Pferde mit Grünschnitt von zuhause füttern und sich dann wundern, wenn die das nicht überleben. Und schließlich würde es sich nicht gehören. Sie würde ja auch keine fremden Kinder füttern. Und auf unserer Weide hätte keiner was verloren außer uns, jawohl. Und was an ei-machen erforderlich wäre, würde sie schon selber hinkriegen.

Da muss ich ihr allerdings Recht geben. Seit sie dieses Buch über Pferdemassage gelesen hat, übt sie tüchtig, ich glaube, am Mann 😉 Der hat in der ersten Zeit immer so verzerrt gelächelt, aber anscheinend seit einiger Zeit keine Rückenschmerzen mehr.

Ich finde, sie macht das mittlerweile ganz ordentlich. Jetzt muss sie nur noch lernen, mir mit den Zähnen den Widerrist zu beknabbern 🙂