Ein schwarzes Pferd mit langer Mähne

Lutschi in der Hölle

Neulich habe ich durch Zufall mitbekommen, wie sich unser selbsternanntes spanisches Mähnenwunder, der Lutschi alias Lucero, bei meinem Kumpel Faxe ausgeheult hat. Er würde nämlich ausgebeutet, jawohl.

Ich spitzte die Ohren. Ich meine, wenn hier jemand ausgebeutet wird, dann ja wohl ich. Vor allem frisurentechnisch. Aber nein, der spanische Zottelzwerg mit der endlosen Wallemähne tut sich leid und jammert. Immer müsste er entweder die Frau oder Frau Reitlehrerin rumschleppen, und das wäre voll anstrengend. Nix mehr mit Welpenschutz.

Ich weiß ja nicht, wo er diese Ausdrücke her hat. Von mir bestimmt nicht. Ich weiß auch nicht, wann dieses „immer“ sein soll, weil ja eigentlich immer ich den entzückenden Mehlsack, dem wir beide gehören, im Kreuz hocken habe. Und von dem, was ich so mitgekriegt habe, hat der Lutschi nur drei-, viermal pro Woche Animation. Kennt ihr Animation? Das gibt’s im Urlaub. Wenn man irgendwohin fährt, ist am Pool Animation. Das ist so Rentnerturnen. Faxe hat mir das erzählt, und weil der sich auskennt, kann man das auch glauben. Faxe ist nämlich ein Tinker, und was er nicht weiß, denkt er sich aus kann er überzeugend behaupten.

Aber zurück zum Lutschi, der sich immer noch leid tut. Immer müsste er vorwärts gehen, erzählt er dem tiefenentspannten Faxe. Immerzu. Das wäre doch ganz gemein, oder? Kein Zeitlupenschritt mehr, bei dem man heimlich nach Essbarem suchen könnte. Kein Zuckeltrab, in dem man von anderen Pferden im Schritt überholt wird. Das hätte sowieso nur daran gelegen, dass die im Schritt auf dem zweiten Hufschlag waren und so einen unfairen Vorteil hatten. Und außerdem längere Beine. Kein Stehenbleiben und Gras essen beim Führen. Und das wäre immer so schön gewesen! Er müsste jetzt ganz sicher verhungern. Wenn er nicht vorher schon an Langeweile gestorben wäre, meinte er düster. Kein Umdrehen mehr an der Longe, was immer so lustig ist war, weil die Frau dabei so komische Geräusche macht.

Nichts mehr von alledem, schloss der Lutschi seine Jammertirade ab. Er wäre jetzt in der Hölle, und sein Leben hätte keinen Sinn mehr. Noch nicht mal nachts in der Box wäre es schön, weil ihn dann sein doofer großer Bruder von nebenan ärgern würde.

Das fand ich ja schon frech. Da gibt man sich Mühe, die kleine Bratze zu erziehen und das ist nun der Dank! Ich habe mir aber nichts anmerken lassen, sondern weiterhin souverän das Stutenpaddock vor den zweitklassigen Fast-Hengsten Wallachen abgeschirmt. Das fehlt mir grade noch, dass die Bagage mir die Mädels abspenstig macht! Paddocksaison ist nämlich gar nicht schlecht – hier habe ich sie alle schön auf einem Haufen und kann sie in Ruhe angraben beschützen.

Der Lutschi schniefte noch ein bisschen und wartete auf eine Reaktion. Als keine kam, nahm er seinen Spielball und trollte sich. Ich bin dann zu Faxe hin und hab ihn aufgeweckt. Merke: Wenn man sich bei jemand ausheult, sollte derjenige wach sein.

2 Gedanken zu „Lutschi in der Hölle

  1. Silli

    Oh der ärmste Lutschi. Kann einem schon fast leid tun der Ärmste. Aber nur fast ;). Jetzt ist das Urlaubsleben rum ums eck und der Ernst beginnt 😉

    Beste Grüße Ich von pferdigunterweg.com

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