Ja, genauso habe ich auch geguckt. Das ist doch ein Widerspruch in sich und komplett unmöglich. Wenn Gras, dann reinhauen bis zur Bewusstlosigkeit. Oder bis die sogenannte Besitzerin so laut schimpft, dass einem die Ohren bluten. Begriffe wie „satt“ kommen in meiner Welt nur am Rande vor. Aber wo sie ganz sicher nicht vorkommen, das ist die kleine Welt des spanischen Mähnenwunders, das sich so zügig durch ganze Wiesen fräst, als hätte man in seine Vorfahren Hochleistungsrasenmäher eingekreuzt.
Angrasen geht bei uns so: Die Frau führt uns beide dahin, wo wir rein theoretisch fünf Minuten sittsam Grashalme kauen und andächtig schlucken sollen. In der Praxis gehen unsere Köpfe blitzartig nach unten, wo sie wie festzementiert bleiben. Man hört Fressgeräusche, wir sind nicht mehr ansprechbar, ganz normal eigentlich. Und hinterher sind wir stinkig, dass wir nicht noch länger fressen durften, denn es wäre ja noch Biomasse da. Zirka ein Millimeter Bewuchs nämlich.
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Als sich die sogenannte Besitzerin wieder mal lauthals beim Universum darüber beklagt, dass sie es so schwer hat, antwortet jemand. Zwar nicht das Universum, aber unsere Frau Reitlehrerin, die sich über den Lärm wundert. Aber nur, bis sie die sogenannte Besitzerin erkennt. Deren Fähigkeit zur verbalen Eskalation ist legendär. Bevor es also noch lauter wird, erkundigt sich Frau Reitlehrerin freundlich-pädagogisch, warum die sogenannte Besitzerin so viel schlechte Laune bei so schönem Wetter hat.
„Weil mir die Mistviecher beinahe die Arme ausgerissen haben, als sie den ersten Grashalm gesehen haben“, antwortet die Frau verbittert.
„Weil sie Hunger haben und Gras lecker ist“, lächelt Frau Reitlehrerin pädagogisch.
„Sag bloß“, ist die schlechtgelaunte Antwort. „Das ist trotzdem nervig.“
„Wie wäre es denn, wenn du die beiden vorher fütterst? Dann ist schon was im Magen und der Hunger nicht mehr ganz so groß.“
„Verrückte Idee, aber es könnte helfen.“
„Probier’s einfach mal aus.“
Das ist schon mal ein hilfreicher Input, aber da gibt es noch etwas, was der sogenannten Besitzerin keine Ruhe lässt. „Wieso ist das Angrasen eigentlich bei dir und deinem Dieter so entspannt? Bei euch ist das immer so gesittet, bei uns Kampf um jeden Grashalm und jede Sekunde Fresszeit.“
„Weil ich ein Stimmkommando für ihn habe, bei dem er fressen darf. Sonst darf er das nicht.“
Ungläubiges Staunen. „Und das klappt?“
„Das klappt. So können sich die Pferde darauf einstellen. Ansonsten ist es doch so, dass sie an der Hand manchmal fressen dürfen und manchmal nicht, und dann versuchen sie, möglichst oft möglichst viel zu fressen, weil es für sie nicht durchschaubar ist, wann sie dürfen und wann nicht.“
„Klingt logisch“, findet die Frau.
„Also habe ich mir überlegt, dass er nicht fressen sollte, wenn ich ihn führe oder reite, und war da ganz pingelig. Für die Situationen, in denen er fressen darf, weil er zum Beispiel angegrast wird, habe ich das Stimmkommando und bitte. Dann frisst er so lange, bis ich sage Nase hoch.“
„Und das klappt?“
„Wenn du konsequent bist, klappt das.“
„Ach. Verrückt.“
Frau Reitlehrerin schränkt noch ein: „Du musst dich selbst dahingehend disziplinieren, dass du immer darauf achtest, was du tust und was deine Pferde tun und die Stimmkommandos sehr gezielt einsetzen“, aber das hört die sogenannte Besitzerin schon nicht mehr, weil sie in anderen Sphären schwebt, und zwar in einer Welt, in der die Pferde beim Angrasen kleine Heiligenscheine tragen. Und zwar, ohne dass sich irgendwer um irgendetwas kümmern müsste.
Ist sie nicht putzig? Mein kleiner Mensch ♥️
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