Für euch gelesen: Im Kreis der Herde

Wir haben ein ganz spannendes Buch bekommen. Es heißt „Im Kreis der Herde“ und beschreibt das Leben von Wildpferden, und zwar so, wie man es bisher noch nicht kannte. Der Mensch, der es geschrieben hat, heißt Marc Lubetzki und ist ein bekannter Tierfilmer. Er hat lange mit Wildpferden gelebt und es geschafft, dass die ihn in ihre Herden eingeladen haben. Doch, haben die wirklich. Wir Pferde machen sowas.

Aber der Reihe nach. Der Lutschi, unser spanisches Mähnenwunder, behauptet, dass er sich mit dem Wildpferdsein voll auskennt, weil er ja mal in Andalusien gewohnt hat und da jeden Tag in die Berge gegangen ist. Er nennt es Campo, weil er findet, dass sich das interessanter anhört, aber da muss man nichts drauf geben. Abends gabs dann Futter in der heimischen Finca, weshalb ich glaube, dass er sich nicht allzu weit davon entfernt hat. Aber seis drum. Der Lutschi ist jetzt also selbsternannter Wildpferdexperte und hat sich mühsam durch das Buch durchbuchstabiert. Die schwierigen Wörter hab ich ihm erklärt, aber so viele gabs davon gar nicht. Was es aber gab, waren Fotos. FOTOS! Jede Menge supertolle, ausdrucksstarke Fotos. Da hat sogar der Lutschi verstanden, worum es geht.

Und worum geht es? Um die Herde natürlich. Die Herde ist für unsereinen ALLES und ohne sie können wir nicht leben. So einfach ist das.

Der Marc, der das Buch geschrieben hat, hat acht Jahre lang Wildpferdherden in Portugal, im Exmoor, in Norddeutschland und in Bosnien beobachtet und ihre Kommunikation erlernt. Es ist ihm gelungen, als Herdenmitglied akzeptiert zu werden, und er hat überraschende Erkenntnisse mit nach Hause gebracht.

Der Lutschi hat zwar ganz cool getan, aber ich glaube, er wusste auch nicht, dass Wildpferde die Herde wechseln, wenn es in der Gruppe nicht passt. Tun sie aber. Manchmal dauert es Wochen oder sogar Monate, aber niemand wird gezwungen, in einer Herde zu bleiben, in der er sich nicht wohlfühlt.

Überhaupt, der Herdenhengst. In manchen gemischten Herden gibt es nicht nur einen, sondern mehrere Hengste mit unterschiedlichen Aufgaben. Was aber außer dem Ober-Herdenhengst keiner darf: mit anderen Herden kommunizieren. Also mit anderen Herdenhengsten. Und da wird nicht immer gleich gekämpft. Manchmal unterhält man sich auch nur.

„Schwierige Charaktere“, die man uns Sport- und Freizeitpferden gern mal nachsagt, gibt’s da draußen in der Wildnis auch nicht. Weil man sich zur Not einfach aus dem Weg geht. Man hat ja auch genug anderes zu tun. Fressen zum Beispiel. Sich vor Wölfen hüten. Ruhen. Und sich um die Fohlen kümmern. Jemand muss dem Nachwuchs ja was beibringen. Das machen in der Natur komischerweise nicht andere Menschen, sondern die Mutterstuten und der Herdenhengst.

Und ganz unaufdringlich zeigt der Marc Parallelen zwischen dem Wildpferdverhalten und dem von uns Hauspferden auf und man erkennt, dass wir uns in unseren Bedürfnissen und Verhaltensweisen nicht so ganz unähnlich sind. Was man im Buch zum Thema Kommunikation lernen kann, kann man unmittelbar auf uns anwenden. Und wenn dann noch der ein oder andere für sich Rückschlüsse auf eine bessere Pferdehaltung zieht, wäre das eine wirklich gute Sache.

Der Lutschi zum Beispiel findet das mit den geregelten Mahlzeiten in der Zivilisation toll, hätte aber gern mehr Freiraum für seine Persönlichkeitsentwicklung. Ich weiß ja nicht, wo das hinführen soll.

Pro: Atemberaubende Bilder aus der Mitte der Herde. Viele Infos über Kommunikation und Herdenverhalten in unterschiedlichen Gebieten Europas.

Contra: Die Geschichte mit dem Fohlen ist ganz furchtbar und wäre wegen mir nicht nötig gewesen, gehört aber zum Leben (und Sterben) in der Natur.

Fazit: Ein tolles Buch, das nachwirkt.

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