Hallenkoller, Corona-Edition

Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass die Frau, meine sogenannte Besitzerin, manchmal ein Nüsternnetz trägt. Was bei uns gegen Headshaking hilft, beugt bei Menschen gegen Corona vor. Viele verändert es rein optisch sogar zu ihrem Vorteil 😛

Dessen ungeachtet ist die Stimmung schlecht. Vor allem bei der sogenannten Besitzerin.

„Nichts darf man mehr!“, klagt sie.

„Als ob du vor Corona auf Weihnachtsmärkte und Konzerte gegangen wärest!“, erwidert der Mann.

„Sonst nicht. Aber jetzt will ich“, antwortet die Frau bockig. „Und auf Messen will ich und überall dahin, wo viele Leute sind. Man vereinsamt ja total.“ Das ist übrigens dieselbe Frau, der es sonst überall zu voll ist und die am liebsten allein auf der Welt wäre, wegen dem Mangel an OMMMM und so.

Der Mann erinnert sie: „Früher hast du das nie gemocht, weil es da so voll ist. Und laut. Und nervig. Und weil dir die Sachen alle nicht gefallen und du sowieso lieber im Internet bestellst, weil da die Auswahl größer ist.“

Die Frau funkelt ihn böse an und faucht: „Jetzt will ich das aber. Tür frei, bitte!“

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Die kurze Unterhaltung findet nämlich auf dem Weg in die Reithalle statt, wo wir jetzt angekommen sind. Da hat sich die Frau schon mal in Stimmung fürs Reiten gebracht.

„Hey cool, in der Halle ist ordentlich was los. Genau das Richtige für meine sozial vereinsamte Frau“, strahlt uns der Mann von jenseits der Bande an, als sich die sogenannte Besitzerin an der Aufsteighilfe auf meinen Rücken hievt.

Um uns herum tobt das Leben. Auf den ersten Blick identifiziere ich mindestens fünf Pferd-Reiter-Paare, bei denen der Reiter die nackte Panik in den Augen hat. Das wird eine gesellige Veranstaltung, denke ich mir, als auch schon der erste losbockt. Ist bestimmt dieses Karneval, was immer im Winter stattfindet. Wo alle lustig sind. Ihr kennt das.

Zirka die Hälfte der Anwesenden ist geschoren und hat einen kalten Hintern. Um sich aufzuwärmen, eskalieren die Kollegen auf dem ersten Hufschlag. Den Reitern scheint auch kalt zu sein, die gucken ganz verkniffen. Ich denke gerade darüber nach, mich anzuschließen und die Halle mitaufzumischen, als ich von oben ein leises Mimimi höre. Manchmal ist sie ja wirklich süß. Ich entscheide mich also gegen Bocken und wackle nur mit dem Kopf.

„Lass das!“, kreischt meine Reiterin.

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Der kann man es ja wieder nicht recht machen, denke ich und trippele auf dem zweiten Hufschlag herum. Schritt geht gerade nicht, ist zu aufregend hier.

Die vereinsamte Frau, die gar nicht genug Trubel haben kann, krallt sich am Sattel fest und späht missgünstig in die Runde. Offensichtlich hat sich alles gegen sie verschworen. Ist halt blöd, wenn man sich Party wünscht und der Wunsch kurzfristig in Erfüllung geht. Aber was tun? Da kommt die rettende Idee. Sie parkt mich auf der Mittellinie, sitzt hastig ab und verlässt die Halle. Mit der Begründung: „Der Pfridolin fühlt sich so komisch an.“ Ja dann.

Ich glaube, ich habe jetzt erstmal reitfrei. Bis zum Frühling oder so. Besucht mich doch mal auf dem Paddock, ich bin ja mehr so der gesellige Typ. Im Gegensatz zu meiner Besitzerin 😛

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