Mikado

Stangenarbeit kennt ihr, oder? Da lädt einem die sogenannte Besitzerin krachend einen buntbemalten Stapel Holz auf den Reitplatz und wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Dass man das auch anders machen kann, habe ich erst vor kurzem herausgefunden. Man kann die Stangen nämlich auch PASSEND hinlegen. Ja, genauso habe ich auch geguckt. Aber von Anfang an.

Die Frau hat ja gelegentlich so Anwandlungen, dass sie sich wie ein Trainer fühlt. Sie ist ja ihrer Ansicht nach ein Naturtalent und braucht eigentlich gar keinen Unterricht. Und wenn SIE den nicht braucht, brauchen der Lutschi und ich den schon mal gar nicht. Da kommt so eine zwangsweise unterrichtsfreie Zeit wie jetzt gerade recht. Erstens kann man sich wichtig fühlen und zweitens wird das gesparte Geld sinnvoll in die drölfzigste pinke Schabracke investiert.


Individuelle Traum-Schabracke – selbst designen!*

Und jetzt hat sie es sich also in den Kopf gesetzt, dass sie uns beide trainiert. Wofür weshalb wogegen, ist nicht so ganz klar geworden, aber wer braucht schon ein Konzept. Also kriegen wir zwischendurch immer mal wieder buntlackiertes Brennholz vor die Füße, weil ja auch die Ingrid Klimke auf Cavaletti schwört. Da die von der Frau quasi religiös verehrt wird, müssen auch wir jetzt Stangen treten. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Während die Frau („Nenn mich Ingrid“) mit mir auf die selbst erdachte Hufschlagfigur Osterei mit Ecken abbiegt und Kurs auf die Stangen nimmt, die sie einigermaßen wahllos im Sand verteilt hat, kommt der Mann vorbeigeschlendert. „Bei Frau Reitlehrerin sieht das aber anders aus!“, ruft er. Wow, der traut sich ja was.

Die Frau holt tief Luft, wir eiern irgendwie über die Stangen, ohne uns was zu brechen – ganz wie die Ingrid, total souverän, denkt sie stolz -, und bleiben neben dem Mann stehen. „Bei uns ist es besser, oder?“, erkundigt sie sich in vollständiger Realitätsverkennung.

„Anders“, wiederholt der Mann. „Soll ich dir die Stangen mal passend hinlegen? Die müssen weiter auseinander.“

„Ich hab die extra so hingelegt, damit sich der Pfridolin konzentrieren muss“, lügt die Frau, nimmt aber das Angebot gern an. Bodenpersonal ist wichtig und schwer zu kriegen.

Nach einigen Versuchen liegen die Stangen dann tatsächlich so, dass ich flüssig darüber traben kann. Der Mann ist stolz wie Bolle und die Frau schwebt ohnehin in höheren Sphären. Und das Beste: Jemand anders räumt hinter einem her. Stangen sind ja so unangenehm schwer, da macht das Aufräumen nur bedingt Spaß.

Hier jetzt mein Life Hack: Dualgassen. Die sind viel leichter, können nicht wegrollen und tun auch nicht weh, wenn man dagegen kommt. Außerdem sind sie so teuer, dass man davon nicht viele kauft. Die Farbe von den Dingern ist übrigens Latte, ich habe keinen ausgeprägten Blau-Gelb-Fetisch. Ehrlich gesagt finde ich andere Farben viel schöner. Zum Beispiel solche, die einen Bezug zu Nahrung haben. Mit Blau und Gelb hab ich auf der Weide eher wenig zu tun Es wäre allerdings günstig, wenn sich die Gassen farblich vom Untergrund abheben. Schon allein deshalb, damit sie der Mann beim Aufräumen auch findet.

Bild: Irgendwas mit Stangen. Hauptsache, ich muss da nicht drüber.

* = Das ist ein Affiliate Link. Wenn ihr hierdrauf klickt und etwas kauft, kostet es euch nicht mehr, aber ich bekomme ein paar Cent für Möhren. Was toll wäre, weil dieses Schreiben nämlich total anstrengend ist. Und ich sehr arm bin. Der Ärmste eigentlich. P.S.: Bald ist Weihnachten 😉

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