Nähmaschinentrab ist auch keine Lösung!

„Nähmaschinentrab ist auch keine Lösung!“, ruft Frau Reitlehrerin, als die Frau und ich wie vom bösen Geist gejagt über die Diagonale steppen.

„Aber der Pfridolin soll doch fleißiger traben“, keucht meine sogenannte Besitzerin.

„Ja schon, aber er soll dabei nicht eilig werden!“

Auf der Stirn meiner Reiterin erscheinen zahlreiche Fragezeichen und Frau Reitlehrerin macht sich daran, die nacheinander abzuarbeiten.
„Fleißig und eilig ist nicht dasselbe. Fleißig ist das …“

„… was der Pfridolin nicht ist“, kichert die Frau. „Weiß ich doch.“

Frau Reitlehrerin lässt sich dadurch nicht irritieren und macht weiter: „Also nochmal. Fleiß bedeutet, dass er kraftvoller abfußt. Nicht schneller. Der Takt, in dem ihr euch bewegt, bleibt gleich.“

„Ah?“ macht die Frau und guckt verständnislos.

„Also tapp tapp tapp tapp statt drrrrrrrrrrt“, übersetzt Frau Reitlehrerin.

Mit dieser kindgerechten Erklärung kann sogar die Frau etwas anfangen. „Dann ist drrrrrrrrrt eiliger. Das ist ja einfach!“

„Theoretisch ja. Aber man muss es auch fühlen und sehen können. Denn du möchtest den Pfridolin ja auch gut longieren können.“

„Ja klar“, lügt die Frau, der schwant, dass wieder Unmögliches von ihr verlangt wird. Fühlen! Und gucken! Wie soll das denn bloß gehen!

*

„Konzentrier dich auf das Gleichmaß der Bewegung“, rät Frau Reitlehrerin, die anscheinend Gedanken lesen kann. „Auf den Rhythmus. Und darauf, dass die Bewegung möglichst groß sein soll. Lange, schwingende Tritte statt vieler kurzer. Und wenn du auf die Art einen schönen Takt hast, kannst du darauf aufbauen. Takt ist nämlich die Basis für alles weitere. Zum Beispiel die Losgelassenheit.“

Schade eigentlich. Wo doch die Frau in ihren Wunschträumen längst piaffiert und als elegante Dressurqueen über die Diagonalen schwebt 😛

„Aber wenn, dann tapp tapp tapp tapp statt drrrrrrrrrt“, ermahnt Frau Reitlehrerin. Und da hat die Frau sehr humorlos geguckt und behauptet, sie hätte das Prinzip jetzt verstanden, vielen Dank.

Also wenn ihr mich fragt, ist das die Übertreibung des Jahrhunderts. Aber ich bin ja hier nur das Pferd und hab eh keine Ahnung.

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