Schöner wohnen für Horsti

Horstis Besitzerin seufzt. Sie hat es aber auch schwer. Frau Reitlehrerin hat sie zu einer Theorie-Einheit vergattert, in der es nicht um Pi und Pa geht, sondern um Pferdehaltung. Ein ausgesprochen langweiliges Thema, findet Horstis Beitzerin. Nennen wir sie Susi, denn so heißt sie.

Zum Glück muss Susi nicht allein nachsitzen. Nein, meine sogenannte Besitzerin leistet ihr Gesellschaft, denn die hat genau dasselbe Problem wie Susi: Sie träumt von einem Dasein als durchgestylte Dressur-Queen mit (natürlich!) farblich abgestimmtem Outfit von Reiterin und Pferd plus einem Zossen, der höchste Lektionen auch bei mangelhaftester Hilfengebung zeigt und – mit ihren eigenen Worten – „sie gut aussehen lässt“. Weiß der Teufel, warum sie sich hierfür kein Plüschtier mit Fernbedienung, sondern ein echtes Pferd ausgesucht hat. Ich finde, das spricht nicht gerade für ihre Intelligenz. Aber ich bin ja hier nur das Pferd und habe keine Ahnung.

Bei Horsti ist es ähnlich. Auch seine Besitzerin ist von Ehrgeiz zerfressen, hat aber gleichzeitig soviel Realitätsverlust, dass sie behauptet, dem Horsti „macht das Dressurreiten sooooooo viel Spaß!“ Dass der vor dem Satteln regelmäßig versucht, aus dem Boxenfenster zu klettern, ist ihr noch nicht aufgefallen. Aber immerhin hat sie gemerkt, dass irgendwas ist, weshalb sie dem Horsti erstmal einen Stallwechsel verordnen wollte.

Zum Glück für Horsti gibt es unsere Frau Reitlehrerin, die bei eklatanten Wissenslücken gern mal theoretischen Unterricht anbietet und den so geschickt verpackt, dass weder meine noch Horstis Besitzerin merken, dass sie gerade nachsitzen müssen. Man nennt das wohl Motivation und Frau Reitlehrerin kann es hervorragend. Aber ich schweife ab.

Susi hatte sich nach einem qualifizierten Brainstorming auch schon einen neuen Stall für sich und Horsti ausgesucht. Wenn ich mich recht erinnere, war die Speisekarte des Reiterstübchens ausschlaggebend für die Wahl gewesen. Und die allgemein erfreuliche Architektur des Reitstalls, der den bezeichnenden Namen Nobelhobel trägt.

*

„Und Boxen haben die – rie-sen-groß!“, erzählt sie gerade von ihrem jüngsten Besuch an Horstis neuer Wirkungsstätte.

„Sind die Paddocks und die Weiden genauso toll?“, erkundigt sich Frau Reitlehrerin.

„Ja woher soll denn ich das wissen?“, entrüstet sich Susi.

„Du hättest sie dir zeigen lassen können“, schlägt Frau Reitlehrerin vor.

„Ausgeschlossen, an dem Tag hats ganz fies geregnet.“

„Es ist sowieso besser, sich einen Reitstall öfters anzuschauen. Meist ist man gar nicht so aufnahmefähig, dass man wirklich alles mitbekommt, was wichtig ist“, ist Frau Reitlehrerins diplomatische Antwort. „Was auch gut ist: sich vorher zu notieren, was man fragen will. Und eine zweite Person mitzunehmen, denn vier Augen sehen mehr als zwei.“

„Voll stressig“, findet Susi, und meine sogenannte Besitzerin springt ihr zur Seite: „Das ist ja schlimmer als Weihnachtsfeier auf der Arbeit!“ In dem Moment hat sie die Aufmerksamkeit aller. Sogar Frau Reitlehrerin will nachfragen, entscheidet sich dann aber dagegen und beruhigt: „Ganz so oft ziehen eure Pferde ja nicht um. Eben weil so ein Pferdeumzug Stress für alle Beteiligten ist, sollte man so selten wie möglich den Stall wechseln. Pferde sind Gewohnheitstiere und verlieren bei so einem Umzug alle Sozialpartner – außer den zweibeinigen.“

„Hä?“ machen die Frau und Horstis Besitzerin wie aus einem Mund und Frau Reitlehrerin beeilt sich, zu erklären, dass ein Stallwechsel für ein Pferd ähnlich belastend wie ein Schulwechsel für ein Kind ist – man kennt keinen und vermisst seine Freunde.

Ach, staunt Horstis Besitzerin. So hätte sie das noch nie gesehen. Und was sind eigentlich Freunde?

„Ich schon“, behauptet die Frau und hofft auf ein Lob von Frau Reitlehrerin, das auch prompt kommt. Zusammen mit dem klugen Spruch „Und deshalb ist es auch so wichtig, sich vorher alles ganz genau anzugucken. Damit Horsti nämlich nicht dauernd umziehen muss.“

Susi nickt nachdenklich. „Und woher weiß ich vorher, was ich alles fragen muss?“

„Das überlegen wir uns jetzt gemeinsam“, beruhigt die einzige, die hier Ahnung hat.

„Das Wichtigste ist natürlich eine schöne Box. Und ein gemütliches Reiterstübchen“, überlegt Susi.

„Ja, und eine schöne Reithalle“, schlägt die Frau vor.

Frau Reitlehrerin lächelt tapfer und erklärt den beiden Doofnasen, dass das aller-allerwichtigste natürlich – NATÜRLICH – die Pferdehaltung ist. Sprich: Ist die Box groß genug? Gibt es genug gutes Rauhfutter? Und wie oft? Wie ist die Kraftfuttergabe geregelt? Gibt es Weiden bzw Gruppenpaddocks und sind die groß genug für die vorhandenen Pferde? Wird auf den Paddocks Rauhfutter serviert? Wieviele Gruppen gibt es und wie sind sie zusammengesetzt – gemischt oder nach Geschlechtern getrennt? Gibt es einen Rein-Raus-Service?

„Wie sich das anhört“, kichert die Frau.

Frau Reitlehrerin formuliert es anders: „Mit anderen Worten: Werden die Pferde rausgestellt und reingeholt oder muss man das selbst machen, zum Beispiel am Wochenende? Gibt es auf den Weiden Selbsttränken? Im Sommer nicht uninteressant. Und vielleicht sogar Bäume oder Weidehütten?“

Horstis Besitzerin staunt. Soooo viele Dinge, die man fragen kann!

Aber Frau Reitlehrerin ist noch nicht fertig: „Was auch wichtig ist: Werden die Boxen gemistet und wenn ja, wie oft? Darf man oder muss man selbst misten?“

„Um Himmelswillen. Kein Interesse“, winkt Horstis Besitzerin ab. Auch der monatliche Pensionspreis ist nicht so wichtig, denn „für Horsti ist das Beste gerade gut genug!“

Und das finde ich mal eine vernünftige Einstellung. Ich werde ja hier total gemobbt von der sogenannten Besitzerin, die immer nur Schabracken kaufen will statt in meinen Luxus-Lifestyle zu investieren. Ich fände es zum Beispiel total super, wenn mir jemand rund um die Uhr Heu servieren würde. Aus der Hand, damit ich mich nicht bücken muss. Aber für sowas ist Madame wieder zu geizig.

„Wie ist es mit Reitunterricht?“, fragt Frau Reitlehrerin gerade und Horstis und meine Besitzerin schrecken hoch, weil sie in Gedanken im Reitstall Nobelhobel sind und das Gespräch vorbereiten (Horstis Besitzerin) beziehungsweise schlicht eingedöst sind (meine).

„Ja, wie ist es damit? Du kommst doch dann weiter zu uns?“, fragt Susi.

„Wenn ich darf. Manche Reitställe haben eigene Reitlehrer, da darf kein Fremder unterrichten.“

Hm. Susi macht ein nachdenkliches Gesicht. Die Frau, die ja nicht umziehen will und somit auf jeden Fall weiter in den Genuss von Frau Reitlehrerins Unterricht kommt, feixt.

Und ich muss es jetzt mal zugeben, ich bin maßlos erleichtert, dass ich mir so einen stressigen Umzug nicht antun muss, sondern einfach weiterhin hier chillen kann und von Frau Reitlehrerin besucht werde, die der Frau so gefühlvoll den Zahn mit Pi und Pa gezogen hat, dass die es noch nicht mal gemerkt hat 😉

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Zum Weiterlesen: Karo von 360Grad Pferd hat sich Gedanken über den perfekten Stall gemacht. Und zum Hören gibts gleich zwei Podcasts – einmal den von Veronika von Kernkompetenz Pferd, in dem sie die Haltungsform Paddock Trail vorstellt. Und den von Marina (Erfolgreich mit Pferden), in dem sie euch Tipps gibt, wie so ein Pferdeumzug gut gelingt.

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