180 Grad im Schatten oder: Kann Schimmel werden

Warm warm warm. Mir ist ja so warm, das glaubt ihr nicht. Dunkelbraun ist ja sonst die tollste Fellfarbe überhaupt, weil es nämlich meine ist – Stuti und Else dürfen sie aber gern mitbenutzen 🙂 Jetzt im Moment hätte ich aber doch lieber keinen Pelzmantel an (wobei das sicher doof aussieht) oder einfach eine andere Farbe.

Weiß zum Beispiel. Oder hellbeige-schmutzfarben, was eigentlich dasselbe ist. Oder so cool grau-metallic wie mein spanischer Konkurrent Mitbewerber Companero. Mit grau-metallic kann man bei jedem Wetter angeben und wird nicht müde. Tolle Sache, das. Schätze, das macht mehr Spaß als nassgeschwitzt und genervt auf der Wiese rumhopsen, aber nicht aufhören können, weil man wegen der Temperaturen grade auf 180 ist.

Es ist auch mindestens 180 Grad im Schatten 🙁 Ist so Wetter nicht verboten? Ich dürfte bestimmt nicht so viele Pferde ärgern wie es das Wetter grade tut. Aber bei mir ist die Frau ja immer superstreng. Allen anderen lässt sie die tollsten Sachen durchgehen 🙁

Aber wenn ich erst silber-metallic bin, wird sie sich wundern, jawohl. Von Companero weiß ich, dass es klappt. Er war früher auch ganz dunkel und ist immer heller geworden. Er hat mehrere Fellwechsel dafür gebraucht, aber ich bin ja viel schlauer als er. Bei mir reicht bestimmt einer 🙂

Überhaupt, dieser ganze Fellwechsel. Was das für eine Arbeit macht! Und die Menschen jammern, als ob sie die Einzigen wären, die damit was zu tun hätten. Typisch. Wer muss sich denn immer merken, ob die Tage länger oder kürzer werden und sich das Fell entsprechend wachsen lassen? Naaa? Und jetzt auch noch die Konzentration auf die Wunschfarbe.

Ihr sagt der Frau aber nix, ja? Ich möchte ihr dummes Gesicht als Erster sehen.

Mach dat Hü mal ei

Pferde auf der Weide

Ich bin ja gern berühmt, so ist das nicht. Aber wenn Spaziergänger an unserer Koppel verbeikommen und die Mutter zu ihren Kindern sagt: „Mach dat Hü mal ei“, dann ist irgendwo eine Grenze überschritten. Zunächst mal grammatikalisch und dann überhaupt.

Zuallererst bin ich kein Hü, sondern fast ein Hengst, und zweitens lass ich mich nicht von wildfremden Menschen anfassen. Ich möchte vorher um Erlaubnis gefragt werden, und da bin ich sehr wählerisch. Der Tierarzt zum Beispiel darf noch so sehr betteln, den lass ich nicht 😉 Und wenn, dann schon gar nicht im Gesicht. Ich glaube, Mutti würde auch nicht wollen, dass ihr wildfremde Leute im Gesicht rumstreicheln, warum sollte das dann für meinereinen das Höchste der Gefühle sein? 😉

Die Mutter hat es aber nicht verstanden oder es ist ihr egal. Sie nötigt das Kind, unter dem Zaun durchzukrabbeln, um näher an die Pferdchen zu kommen. Das macht es sehr geschickt, das muss ihm der Neid lassen. Es ist fast so gelenkig wie Faxe, wenn er unter dem Zaun durchfressen will 🙂

Und jetzt? Och nö. Es will uns immer noch anfassen. Von vorn, von hinten, von überall. Ich will aber immer noch nicht 😉

Lebensmüde ist es auch: Faxe hat ganz verträumt nach einer Fliege getreten und es nur knapp verfehlt. Das hat es aber gar nicht gemerkt.

Jetzt hat es eine tolle Idee. Es rupft vom Rand Grünzeug ab – sieht ein bisschen wie giftiges Jakobskreuzkraut aus – und will Else damit füttern. In ihrer Gier beißt sie ihm fast die Finger ab, worauf das Kind erschrocken alles fallen lässt und zur Mutter zurückläuft. Da hat Else aber nochmal Glück gehabt.

Das Kind aber auch. Ich will nicht wissen, was Elses Besitzerin mit ihm gemacht hätte 😉 Und die Frau erst. Die ist extrem allergisch gegen Spaziergänger, die fremde Pferde füttern, weil die Pferde davon krank werden und sterben können. Sie sagt, es gäbe sogar Leute, die Pferde mit Grünschnitt von zuhause füttern und sich dann wundern, wenn die das nicht überleben. Und schließlich würde es sich nicht gehören. Sie würde ja auch keine fremden Kinder füttern. Und auf unserer Weide hätte keiner was verloren außer uns, jawohl. Und was an ei-machen erforderlich wäre, würde sie schon selber hinkriegen.

Da muss ich ihr allerdings Recht geben. Seit sie dieses Buch über Pferdemassage gelesen hat, übt sie tüchtig, ich glaube, am Mann 😉 Der hat in der ersten Zeit immer so verzerrt gelächelt, aber anscheinend seit einiger Zeit keine Rückenschmerzen mehr.

Ich finde, sie macht das mittlerweile ganz ordentlich. Jetzt muss sie nur noch lernen, mir mit den Zähnen den Widerrist zu beknabbern 🙂

Null Null Pfridolin

Herrgott, was für ein Durcheinander. Jetzt habe ich gerade Faxe gebändigt und ihm seine fixe Idee ausgeredet, in meinem noch zu schreibenden Krimi als ultimativer Oberschurke aufzutreten, da kommt auch schon Stuti an und will geheimnisvolle Geheimagentin sein. Und Else hat ein Nüsternnetz und behauptet allen Ernstes, das würde sie zur Banditin qualifizieren. Faxe hat sich übrigens nur darauf eingelassen, die Rolle des attraktiven Bösewichts freizugeben, wenn ich ihn Detektiv sein lasse. Na klasse.

Leute, so geht das nicht. Das Leben ist doch kein Ponyhof Wunschkonzert.

Also nochmal zum Mitschreiben: Es gibt keinen attraktiven Bösewicht, sondern einen attraktiven Detektiv, und das bin ich. Ok, ok, ich gebe zu, das war auch mal anders. Auch ich habe darüber nachgedacht, attraktiv und böse zu sein, weil mir eine kluge Freundin gesagt hat, die Mädchen würden den Bösewicht mögen. Das hat mich innerlich eine Zeitlang ins Wanken gebracht, aber jetzt ist mir klar, dass ich der Detektiv bin, weil der nämlich gewinnt.

Und wenn die Frau solange die Finger von meiner Mähne lässt, bin ich auch attraktiv und kann die hübschen Mädels abgreifen. So einfach ticken wir Männer 😉

Stuti und Else dürfen gern in geheimnisvoller Art und Weise meinen Weg kreuzen, aber (und das ist wichtig!) sie müssen mich gewinnen lassen. Und Faxe kann meinetwegen gutaussehender Meisterdieb sein, so Ocean’s 11 12 13 –mäßig, muss dann aber in einem anderen Buch mitspielen.

Das hört sich jetzt hart an, aber so ganz unter uns: Seine kriminelle Energie beginnt beim Öffnen der Boxentür und hört bei Jackentaschen auf. Gut, das ist respektabel, aber für einen internationalen Krimi-Bestseller reicht das nicht aus. Wenn er die Tür der Futterkammer aufbekommt UND die einzelnen Futtertonnen, können wir gern noch einmal darüber reden. Ich bin sachlichen und vernünftigen Argumenten durchaus zugänglich 😉

Oh, und außerdem mag ich Stutis Spezialfutter. Es steht, wenn man in die Futterkammer reinkommt, direkt links in der grünen Tonne. Das ist die, die so schwer aufgeht 😉

Ordnung muss sein oder: Wenn ich es aufräume, find ich es ja nie wieder!

Ordentlich aufgeräumte Besen und Mistgabeln

Die Frau hat ein Problem. Eigentlich ja nicht nur eins ;), aber jetzt hat sie ein neues. Und zwar ist unsere Sattelkammer so körmelig, dass der Stallbesitzer Auf- und Ausräumen angeordnet hat. Selbst der Mann meint, dass die Frau es ein bisschen mit dem Kauf von Pferdezubehör übertreibt und stattdessen das Geld in Möhren für mich investieren sollte. Und das finde ich sehr mutig von ihm, denn er muss mehr Zeit mit der Frau verbringen als ich 😉

Ich persönlich finde es praktisch, wenn ich im Winter oder bei fiesem Wetter eine Decke habe. Ich krieg ja so schnell Rücken. Auch die Fliegendecke, die mich so cool rittermäßig aussehen lässt, hat ihre Vorteile. Und eine Abschwitzdecke brauchen wir auch, weil die Frau sich im Unterricht immer so doll anstrengt und schwitzt 😉

Aber 9 Winterdecken in diversen Farbschattierungen mit unterschiedlichen Füllungen plus die 13 aus den Vorjahren, die zum Wegwerfen zu schade sind, weil sie ja eigentlich noch gut sind (aber halt die falsche Farbe haben), brauche ich vielleicht doch nicht. Auf jeden Fall nicht das ganze Jahr über griffbereit in einer kleinen Sattelkammer, deren Tür glücklicherweise nach innen aufgeht. Ansonsten würde die Frau ja erschlagen, wenn die Deckenstapel beim Türöffnen über ihr zusammenbrechen 😉 Die Frau sagt, der Keller zuhause wäre voll mit Pferdesachen, da würden die nicht mehr reinpassen. Der Mann hat mal ganz vorsichtig vorgeschlagen, doch einfach in eine Lagerhalle umzuziehen. Da war was los 😉

Die Frau kann jetzt nicht mehr schlafen. Sie rechnet anscheinend stündlich mit einem Wintereinbruch und macht sich Sorgen, dass sie dann nicht schnell genug an eine Winterdecke für mich kommt. Außerdem hat sie Angst vor den ganzen Sachen, die sie beim Aufräumen findet und davor, dass der Mann merkt, dass sie einfach was Neues kauft, wenn sie wieder irgendwas verschlampt hat wieder irgendwas verschwunden ist. So ganz unter uns: Sie ist schon ziemlich schusselig. Da hätt ich an ihrer Stelle auch Angst, dass ich irgendwann nicht mehr nach Hause finde, so wie bei unseren planlosen Ausritten 😉

Und dann ist da noch das Problem mit den bunten Schabracken. Ich finde, wir brauchen die nicht. Auch den Sattel nicht. Reiten wird ja generell überbewertet. Doch, sagt die Frau. Dunkelbraun wäre eine tolle Farbe, da passt alles drauf. Das stimmt aber gar nicht. Ich habe eine Rosa- und Pink-Allergie. Ich krieg von so Farben nämlich immer Depressionen. Bin schließlich fast ein Hengst 😉

Mein Vorschlag: Sattel weg und eine Umschulung zum Frührentner. Dann meckert der Stallbesitzer auch nicht mehr über überfüllte Sattelkammern 😉

Die Frau, der Schlangenmensch

Die Frau und ich in der Reithalle. Sie sitzt auf mir drauf. An der Wand ein schöner Lichteffekt.

Die Frau kann sich vielleicht verrenken. Unsere Reitlehrerin wundert sich auch immer wieder. Ich muss das kurz erklären: Eigentlich kriegt nur die Frau Unterricht, ich kann das ja schon alles 😉

Es gibt genau eine Möglichkeit, es richtig zu machen, und ungefähr eine Million viele Möglichkeiten, es nicht hinzukriegen, und die Frau kennt sie ALLE. Ich kann auch schon alle Korrekturen auswendig. Meist fängt es an mit „innerer Schenkel, äußerer Zügel“. Danach kommt „langes Bein“. Da kann Frau Reitlehrerin aber sagen, was sie will, die Stummelbeine der Frau wachsen einfach nicht mehr. Die bleiben so kurz.

Dann hätte ich noch „nicht ziehen“ und „weiche Zügelverbindung. Weich! Noch weicher!!“ Spätestens jetzt kriegt die Frau einen komischen Gesichtsausdruck und vergisst zu atmen. 🙂 Wenn sie wieder Luft kriegt, fängt sie an zu schimpfen, dass sie nur deshalb so unkoordiniert wäre, weil sie sich beim Ausmisten so angestrengt hätte und ich ein solches Ferkel wäre. Frau Reitlehrerin geht nicht darauf ein.

Inzwischen sind die Absätze wieder hochgewandert. Jetzt kommt “Absatz tief“. Ok. Absätze sind tief, dafür ist sie jetzt in der Hüfte eingeknickt und hat zusätzlich die Schultern verdreht. Wir sind übrigens immer noch im Schritt 😉

Also: Pause und einmal den Körper durchsortieren. Ich schlafe währenddessen. Ach so, es geht weiter. Nee, doch nicht. Frau Reitlehrerin demonstriert, wie sich die Anlehnung anfühlen soll. Zügelgewicht, mehr nicht. Ich traue mich nicht, weiterzuschlafen, weil Frau Reitlehrerin direkt neben mir steht.

Achtung, jetzt geht’s wirklich weiter. Wir kommen zu Rechts- und Linksstellung. Meine Augenlider werden schwerer und schwerer. Und die Hinterbeine erst! Frau Reitlehrerin hat es leider gemerkt (die Frau nicht ;)) Frau Reitlehrerin weist die Frau darauf hin, dass sie mehr Körperspannung braucht. Finde ich auch. Sie fühlt sich an wie ein nasser Mehlsack. Jetzt wird es etwas besser. Ach nee, sie hat nur wieder vergessen zu atmen 😉

Oh. Die nächste Korrektur: „Leicht die flache Wade ans Pferd legen!“ Weil die Frau sich heimlich schon wieder verdreht hat, wird wieder angehalten und der Körper durchsortiert. Ich döse kurz weg. Frau Reitlehrerin zeigt der Frau, wie das Bein liegen und wieviel Druck ausgeübt werden soll. Ok, Anreiten. Jetzt ist sie nicht mehr locker, Frau Reitlehrerin und ich beschließen aber, das zu ignorieren. Wenn ich nämlich tagsüber so viel rumstehe und schlafe, krieg ich nachts kein Auge zu 😉

Und so geht’s weiter. Wir kommen auch in jeder Stunde zu Trab und Galopp, aber verbunden mit soviel Erklär- und Sortierpausen, dass ich nicht ernstlich ins Schwitzen komme. Dressurunterricht bei Frau Reitlehrerin ist toll 🙂

Jetzt überlege ich, ob man die besonderen Talente der Frau nicht noch anders nutzen könnte. Vielleicht kann ich sie an eine Pferdeshow verkaufen? Als Clown? 😉

Mädchenkram

Else hat doofe Füße. Deshalb muss sie Hufschuhe tragen. In rosa wirken die anscheinend am besten. Und machen einen schlanken Fuß, denn der Rest von ihr sieht noch dicker aus 😉 Sie trägt jetzt allerdings keine Fressbremse mehr, deshalb muss ich aufpassen, was ich sage.

Die Frau hat ganz neidisch geguckt, als sie die gesehen hat. Stuti natürlich auch. Ich habe auch gehört, wie sie Frau Schmied gefragt hat, ob es rosa Hufeisen gäbe… Ich warte ja nur noch auf ein Stirnband mit rosa Glitzerdingern. Dann kann ich mein Liebesleben komplett vergessen 🙁

Faxe sagt, es gäbe Leute, die wären von Beruf Pferdeversteher. Frauenversteher gäbe es auch, die wären aber wesentlich seltener. Vielleicht gibt es ja auch jemand, der mit der Frau so spricht, dass sie es verstehen kann, und der den Fluch der rosa Dinge von mir nimmt? Und bitte schnell, es ist ein Notfall 😉

Plötzlich Prinzessin?

Ich (attraktiver brauner Wallach) werde von der Frau geführt. Ich trage meine Fliegendecke.

Ich weiß ja nicht. Die Frau hatte wieder mal einen Kaufrausch und ich seitdem eine
Fliegendecke. Gottseidank nicht in rosa. Aber trotzdem. Ich sehe nicht so schlimm aus wie Konrad mit seiner Ekzemerdecke – wie auch, der war vorher schon hässlich nicht so hübsch wie ich ;), aber doch anders als sonst.

Wobei – wenn ich es mir recht überlege, hat die Decke eine extrem männliche Ausstrahlung. Genau das richtige für einen Kerl wie mich. Vor allem das coole Halsteil betont den männlich-markanten Schwung meiner muskulösen Oberlinie. Und drückt die Mähne platt, aber irgendwas ist ja immer.

Schon das erste Anziehen war ein Erlebnis. Die Frau vereint in sich eine seltene Kombination von großer Begeisterungsfähigkeit und noch größerem Ungeschick, will sagen, was man falsch machen kann, macht sie falsch, aber das hingebungsvoll. Entsprechend verliefen auch ihre Versuche, mir die Decke in allen Variationen verkehrtrum anzuziehen. Kleiner Tipp: das Halsteil gehört nach vorn 😉

Tja, und was soll ich sagen – jetzt, wo ich das Ding endlich anhabe, hab ich keine Probleme mehr mit doofen Insekten. Allerdings hat Konrad die unfassbar dämliche Behauptung aufgestellt, meine Decke sähe aus wie ein Prinzessinnenkostüm und seine Decke wäre die einzig wahre. Lächerlich. Als ob der Ahnung von Modetrends hätte, der mit seiner Monster- Ballon – Fliegenmaske. Natürlich ist meine Decke der Rest von meinem Batman-Outfit. Prinzessinnenkostüm. Ts. Der hat doch keine Ahnung. Als ob ich mich verkleiden würde.

Ich werde Stutis SuperHeld sein 🙂 Die anderen dürfen mich aber auch toll finden 😉

Ich finde, das wetzt die Schmach des verpassten Stallausritts ein wenig aus. Man muss aber auch bedenken, dass zuhause auf alles aufpassen, während die verantwortungslose Bande das Gelände unsicher macht, der wichtigste Job überhaupt ist. Wahrscheinlich konnten sie einfach keinen finden, der dafür so qualifiziert ist wie ich 🙂

Hasenherz on tour

Faxe beim Ausritt

Letztens war Stallausritt. Offensichtlich ist die Frau nicht an Stutis Beruhigungskräuter rangekommen, denn ich durfte nicht mitmachen. Stuti schon. Else auch, Faxe, Konrad – irgendwie jeder außer mir. Dabei brauch gar nicht ich die Beruhigungskräuter, sondern die Frau.

Die hatte aber leider tausend Gründe, warum sie nicht mitmachen konnte. Sie hat es eigentlich ganz geschickt angefangen, als sie sich als Trossfahrer und allgemeines Bodenpersonal eingetragen hat. Es sollte nämlich unterwegs eine Pause mit Essen geben – darauf hatte sich Faxe besonders gefreut. Für die Menschen sollte es auch etwas geben, und dafür war die Frau zuständig. Ich weiß nicht, was an Gras falsch ist, aber Menschen wollen ja immer ihre Extrawürste. Da die anderen Menschen genauso gern essen und trinken wie die Frau, dabei aber schlanker geblieben sind, fanden anscheinend alle, dass das eine tolle Idee wäre.

Sie wurde sogar dafür bedauert, dass sie sich „aufgeopfert und für die Stallgemeinschaft auf die aktive Teilnahme am Ritt verzichtet hat“ – so jedenfalls die offizielle Version. Und das hatte rein gar nichts damit zu tun, dass sie schon Schnappatmung bekommt, wenn sie nur ans Ausreiten in einer größeren Gruppe denkt. Nein, nein, überhaupt nicht 😉

Stattdessen wurden weitere Gründe gesucht, warum sie leider nicht mitkonnte. Zum Beispiel, dass ich nicht trittsicher wäre – klar, die höchsten Berge am Stall sind um die 50 Meter hoch, da kann man schnell mal einen Höhenkoller kriegen. Auch meine zarte Gesundheit wurde erwähnt und ihre Sorge, dass ich einen so langen Ritt konditionell nicht überstehen würde. Hallo – die Rede war von 2 Stunden, nicht von 2 Jahren! Außerdem wäre ich zu wild (aha) und schlecht erzogen (wessen Schuld ist das bitte?) und die anderen Pferde wären viel zu langsam für mich (gerade eben war ich doch noch so schwach und hinfällig?)

Sie hat ja ein solches Hasenherzchen. Nur schade, dass sie das nicht zugibt und mich stattdessen bei den Kumpels in Verruf bringt und so meine Autorität in der Herde untergräbt. Also nicht, dass ich der Chuck Norris unter den Pferden bin, aber schon so mittleres Mittelfeld, und das würde ich auch ganz gern bleiben. Um die Gerüchte über meine schwächliche Konstitution und allgemeine Ängstlichkeit wieder aus der Welt zu kriegen, musste ich dieses Mal auf der Wiese richtig die Sau rauslassen, damit mich wenigstens Stuti und die Jungpferde ernst nehmen. Und mein von der Frau angeschafftes neues rosa Fliegenhäubchen ist auch nicht unbedingt imagefördernd.

Nur gut, dass Faxe sich bei uns in der Gegend auskennt und der Mann zur Not eine Landkarte lesen kann – wenn wir auf furchtlose Entdeckernaturen wie die Frau angewiesen wären, würden wir heute noch auf dem Parkplatz stehen und auf meine Reiterin warten, die vor lauter Aufregung noch 20 x aufs Klo muss… Vielleicht denkt die Frau auch, dass auf dem Platz rumreiten fast schon ein Ausritt ist, weil es unter freiem Himmel stattfindet. Also quasi in der Wildnis. Es würde mich nicht wundern 😉

P.S.: Das auf dem Foto ist übrigens Faxe. Das wundert euch jetzt nicht mehr, stimmts? 😉

Schöner wohnen oder Feng Shui für die Pferdebox

Faxe hat mich schon oft gefragt, wie ich es schaffe, dass meine Box so saumäßig spektakulär aussieht. Ich habe mich jetzt entschlossen, mein Geheimnis zu lüften, weil es außer uns sicher noch viele Pferde und Ponies gibt, die ihre Besitzer lange gesund und glücklich erhalten wollen, und das mit Hilfe einer simplen Pferdebox.

Für euch gibt es hier wertvolle Tipps zur Umgestaltung eures Zuhauses. In sechs einfachen Schritten erkläre ich, wie ihr eure Schlafstelle nachhaltig so zurichtet, dass eure Besitzer beim Ausmisten zu koordinativen Höchstleistungen gefordert werden. Gleichzeitig ist das ein schönes Ausdauertraining und somit wichtig für Herz und Kreislauf. Schließlich wollt ihr ja noch lange was von eurem Bodenpersonal haben 😉 In der letzten Phase des Ausmistens ist eine meditative Komponente vorgesehen, die keinesfalls mit einer Schockstarre oder einem resignierten Erschöpfungszustand des armen Schweins, dass eure Box ausmisten muss Besitzers verwechselt werden sollte, da dieser in diesem Augenblick wirklich ganz im Hier und Jetzt ist und somit ganz, ganz kurz vor der Erleuchtung steht.

Die nachfolgenden Ratschläge beziehen sich auf Strohboxen. Solltet ihr stattdessen auf Leinstroh, Spänen oder ähnlichem untergebracht sein, so empfehle ich, diese Einstreu im Beisein eurer Service-Fachkräfte mit Genuss zu verspeisen (wenn es zu schrecklich schmeckt: trotzdem Begeisterung heucheln, so lange jemand zuguckt). Oft klappt es dann mit dem Wechsel zur Stroheinstreu. Aber sagt nicht, von wem ihr den Tipp habt 😉

Also. Wegen mir kanns losgehen.

1. Einige Male dynamisch im Kreis drehen. Damit sollte die Einstreu grob von unten nach oben umgerührt sein, so dass das Chi besser fließen kann. Das ist wichtig für die energetische Optimierung.

2. Heu essen. Falls es nicht lecker genug ist: durchs Stroh ziehen und damit vermischen.

3. Stroh essen 🙂 Aber nicht zuviel, sonst bekommt ihr eine Kolik und der Tierarzt muss kommen und unaussprechliche Sachen mit euch tun. Außerdem braucht ihr noch etwas davon für 5.

4. Äppeln. Hier sind kreative Techniken gefragt. Warum nicht mal im Kreis oder im Quadrat äppeln – mal rechtsrum, mal linksrum? Oder an ungewöhnlichen Orten, zum Beispiel in Ecken, die man bisher vernachlässigt hat. Das schult eure Zielgenauigkeit und trainiert die Auge-Hand-Koordination eurer Besitzer. Und immer schön ans Chi denken!

5. Für Fortgeschrittene: Dreidimensionale Strukturen erschaffen. Durch intuitive Vor- und Zurück-Bewegungen könnt ihr Strohrollen bilden, in denen sich sauberes und schmutziges Stroh abwechseln. Ich finde es immer schön, wenn die äußerste Schicht sauber ist. Erstens macht das Feng Shui-mäßig mehr her und zweitens kann man besser den Kopf darauf ablegen.

6. Immer mal 1. wiederholen.

Viel Erfolg! Und achtet darauf, dass ihr zufällig gerade auf der Weide oder dem Paddock seid, wenn euer Bodenpersonal nichtsahnend mit der Schubkarre zur Box fährt. Die Frau kann zum Beispiel ziemlich laut meckern, das will man gar nicht aus der Nähe hören. Sie meint das aber gar nicht so. Sie freut sich mehr so innerlich und kann das nur nicht so zeigen 😉