„Nie macht der Pfridolin, was ich ihm sage. Nie.“ Die Frau, unsere sogenannte Besitzerin, ist sauer. Der Lutschi, der mit vollem Namen Lucero heißt oder auch „das spanische Mähnenwunder“, glotzt verständnislos durch seine langen Stirnzotteln. Das kann er gut und bekommt dafür aus unerfindlichen Gründen jede Menge Leckerli. Weil das ja soooooo niedlich ist. Ach so. Ich dagegen gucke klug und habe leider keinen nennenswerten Schopf, weshalb sich die Frau von mir beobachtet fühlt und mit den Leckerli etwas zurückhaltender ist. Macht aber nix, ich hol mir die Differenz nachher aus der Futtertonne, wenn sie nicht aufpasst. Wo war ich? Ach ja, Stimmkommmandos.
„Ich hab ihm schon tausendmal gesagt, er soll endlich stehenbleiben und sich nicht dauernd bewegen, wenn ich ihn am Anbinder festmache und putzen will. Glaubst du, er hört darauf? So ein Mistvieh. Und überhaupt, hör mir auf mit Stimmkommandos!“ So langsam redet sich die sogenannte Besitzerin in Rage. „Stimmkommandos sind der größte Quatsch. Die klappen nie. Nie.“
„Hm“, macht Frau Reitlehrerin, die ihren Dieter unangebunden auf den Putzplatz stellt und sich dann in aller Ruhe um ihn kümmert. Erst wird er gestriegelt, dann gebürstet, dann werden die Hufe ausgekratzt und zum Schluss geht sie noch mit einem weichen Läppchen über sein Fell, so dass er wie eine Speckschwarte glänzt. Die ganze Zeit über steht er ruhig und entspannt da und die sogenannte Besitzerin platzt vor Neid. „Wieso macht er das? Wieso steht der so brav? Ist er vielleicht krank? Hoooo, halt, Pfridolin, jetzt zappel doch nicht rum. Brrr, hab ich gesagt. Stopp. Jetzt aber. Mach doch mal langsam. Und bleib einfach stehen, du Mistvieh!“
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„Nein“, lächelt Frau Reitlehrerin, „ich bin einfach nur sehr genau mit meinen Stimmkommandos. Fürs Stehenbleiben habe ich genau ein Wort, und wenn ich das benutze, weiß der Dieter, was dieses Wort bedeutet.“
Ein Zauberwort! Das will die sogenannte Besitzerin auch. „Ohhh, was denn? Sag doch mal. Bittebitte. Vielleicht brauche ich einfach nur ein besseres Wort!“
„Nein, das sage ich nicht, weil ich das Stimmkommando nur dann benutzen will, wenn es auch eine Bedeutung hat. Wie das beim Konditionieren halt so ist: Der Dieter verknüpft ein bestimmtes Wort mit einer bestimmten Reaktion. Wenn ich mehrere, unterschiedliche Wörter für dieselbe Reaktion verwende, ist der Dieter verwirrt. Andererseits muss er aber auch auf das gelernte Wort hin die richtige Reaktion zeigen, um belohnt zu werden.“
„Kein Zauberwort also.“ Das Gesicht der Frau wird lang und länger.
„Nein, das ist keine Hexerei. Eigentlich muss man sich nur konzentrieren und disziplinieren“, erklärt Frau Reitlehrerin. „Und es hilft sehr, wenn man sich bewusst macht, dass Pferde untereinander überwiegend ohne Geräusche kommunizieren. Das meiste passiert ohne Ton, über die Körpersprache.“
„Jetzt, wo du es sagst.“ Das Gesicht der Frau hellt sich auf. Ich glaube, sie ist da einer großen Sache auf der Spur. „Ich mach mir nachher mal eine Liste von den Dingen, die ich dem Pfridolin mit Stimmkommandos sagen will, und versuche, nur diese Worte zu verwenden.“
„Das ist eine gute Idee“, lobt Frau Reitlehrerin, „und wenn du willst, können wir das gern zusammen üben.“
„Im Unterricht?“
„Im Unterricht.“
Frau Reitlehrerin hat wirklich coole Ideen ♥️
Bild: Ist doch so.
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